96 Fünftes Kapitel. Zur Systematisierung der Lehren vom Papiergelde.
Es macht keine Schwierigkeit, an der Hand unserer Geldtheorie
die zehn Hypothesen zu kritisieren.
1. Metall(geld)-Fundierung ist das Postulat des strengen
Metallismus. Hier sind drei Fälle denkbar: a) Es ist stets
die ganze, in Papier ausgegebene Summe von Werteinheiten
gleichzeitig in Metallgeld vorhanden. Sie liegt zur
Einlösung (Umwechslung) in den Kellern einer Zentralbank
bereit. Auf Verlangen wird stets eingelöst. Dann
ist nach der verbreiteteren Auffassung überhaupt noch nicht
vom Papiergeld, mindestens aber nicht von eigentlichem
Papiergeld die Rede, sondern man spricht von uneigentlichem
Papiergeld. Gold- und Silberzertifikate gehören
unter diese Begriffsbestimmung, wobei das hinterlegte Metall
auch in ungeprägtem Zustande sein kann. Man könnte
meinen, dieser Fall sei für die Lehre vom eigentlichen
Papiergeld gleichgültig. Aber so streng sich in der Theorie
die Fälle scheiden lassen, so unmerklich finden im Leben
Übergänge statt, von diesem Fall zu dem folgenden. Worin
läge nun in unserem Falle überhäupt das Motiv der Papiergeldausgabe
für den Staat oder für die Notenbank? Anscheinend
wäre doch ein solcher Reiz überhaupt nicht vorhanden.
Nun, der Staat könnte die Pflicht empfinden, bequeme
und handliche Zahlungsmittel aus Papier für den
großen Verkehr zu liefern; ein noch wirksameres Motiv
aber wäre wohl der Vorsatz, unter Umständen vom Prinzip
abzuweichen und zu Fall b) übergehen.
Fall b): Papierscheine, Staats- oder Banknoten werden
ausgegeben, und es existiert ein Betrag zum Einwechseln,
Umwechslungsfonds, Konversionskasse. Das Papier wird auf
Verlangen in Metallgeld eingewechselt; aber der Metallfonds
ist kleiner als die Summe der ausgegebenen Papierscheine.
Man spricht dann von einlösbaren Noten (mit