32 Drittes Kapitel. Die Geldliteratur und der Versuch, zu Ende zu denken.
Stoffe, im Metall. Schon in der Definition des Geldes wird
dabei das Metall als wesentliches Merkmal erwähnt. Es
heißt z. B.: »Geld ist ein vom Staate mit Bezug auf Gewicht
und Feingehalt beglaubigtes Stück Metall, das als Zahlungs
mittel dient.« Das Metall verschafft dem Gelde seinen Wert
(seine Geltung). Die Werteinheit wird aufgefaßt als eine be
stimmte gemünzte Metallmenge (wie es in den Münzgesetzen
geschieht), nicht etwa als abstrakte Kaufkraft. Metall kann
allein die Preise messen, in Metallgeld allein kann eine wahre
Zahlung geschehen. Metallische Zahlungsmittel allein sind
wahres Geld, papierne Scheine sind nur Vertreter von Metall,
Anweisungen darauf, Schuldurkunden eines Staates oder
einer Bank; uneinlösliches Papier mit Zwangskurs ist stets
etwas Inferiores, Anomales, Pathologisches, Gefährliches.
Es ist eine Konsequenz dieser Auffassung, daß der Metai-
list im Passiergewicht, das die Vollwichtigkeit der einzelnen
Geldstücke annähernd garantieren soll, eine wichtige Einrich
tung sieht, daß er allen Normen große Bedeutung beilegt, die
das Münzwesen betreffen; sieht er doch im Münzwesen keines
wegs bloß eine untergeordnete technische Seite, als vielmehr
die Grundlage des Geldwesens. Die Aufmerksamkeit des Me-
tallisten ist daher vor allem dem Wortlaut der Münzgesetze
zugewendet, den er unmittelbar als Quelle für die Erkennt
nis des Geldwesens aufzufassen pflegt. Es liegt ihm nicht
daran, über die wahren Motive dieser Gesetzgebung Betrach
tungen anzustellen. Auch die Praxis der Staatsverwaltung,
das Verfahren der Staatskassen und Notenbanken interessiert
ihn weniger, da er in den etwaigen Abweichungen dieser Fak
toren vom Wortlaute der Münzgesetze nur Anomalien sieht,
die ein wissenschaftliches Interesse kaum beanspruchen
dürfen A
1 Der Metallismus der einzelnen Schriftsteller weist Schattierungen auf.
So gesteht Hufeland im Gegensatz zu anderen: »Papiergeld ist ganz