Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2. Kaufmännische Auskunftsbureaus. 
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Aussprüche zweier Ärzte, eine kleine Dosis von Arsenik belebe die Herztätigkeit, 
eine große lähme sie und töte den Menschen. 
Was wir Konkurrenz nennen, sind komplizierte gesellschaftliche, halb psychische, 
halb materielle Vorgänge sehr verschiedener Art, und darum haben sie verschiedene 
Folgen. Nur indem man die Personen und Personenkreise, die Größe oder Enge 
des Marktes, die Verkehrsverhältnisse, die psychologische und sittliche Atmosphäre, die 
mitwirkenden Rechtsinstitutionen unterscheidet, kann man zu einem wohlbegründeten 
Urteil kommen. Nichts ist falscher als die Vorstellung, die Konkurrenz oder die freie 
Konkurrenz sei eine einfache gesellschaftliche Einrichtung oder eine Verfassungsform 
der Volkswirtschaft, die man durch Gesetz dekretieren könne, und die dann stets 
bestimmte gleiche Folgen habe, ein im voraus bestimmtes Maß von Wettbewerb, 
eine bestimmte Wirkung auf die Preise oder auf die Produktion erzeuge. Der eine, 
der freie Konkurrenz verlangt, denkt an die Beseitigung des Zunftwesens, der andere 
an die aller Schutzzölle, der dritte an die Unterdrückung der Kartelle und Gewerk 
schaften. Mag die äußere Rechtsordnung der Volkswirtschaft oder des Marktes viel 
ausmachen für das Maß von Konkurrenz, das entsteht oder vielmehr entstehen kann: 
das erste bleibt die Zahl und die Art der im einzelnen Geschäftsgebiet vorhandenen 
Menschen, die für sie vorhandene Verkehrsmöglichkeit, ihre gegenseitige Beeinflussung, 
das Maß ihres Erwerbstriebes, ihre Rücksichtslosigkeit und alles Derartige. 
2. Kaufmännische Auskunftsbureaus. 
Von Wilhelm Schimmelpfeng. 
Unter der kaufmännischen Auskunft, von der hier die Rede sein soll, wird all 
gemein die verstanden, die Aufschluß über die geschäftliche Kreditfähigkeit einer 
Person oder einer Firma gibt. Gegenstand der berufsmäßigen Tätigkeit konnte sie 
erst mit dem allgemeinen Um- und Aufschwung werden, der sich gegen Mitte des 
vorigen Jahrhunderts im Wirtschafts- und Erwerbsleben vollzog. Eine freiheitliche 
Gesetzgebung sowie das wachsende Verständnis für die Bedeutung des Handels 
und der Industrie führten zur Niederreißung alter Verkehrsschranken, zur Ein 
führung der Gewerbefreiheit und der Freizügigkeit; Dampfschiff, Eisenbahn und 
Telegraph, die Verbesserung alter und die Erschließung neuer Verkehrswege, ein 
immer schneller und billiger werdender Postdienst, erwachende Lust zu neuen Unter 
nehmungen, neue großartige Erfindungen riefen eine gewaltige Umwälzung hervor; 
so entwickelte sich ein Verkehr von ungeahnter Ausdehnung, bei dem es möglich 
wurde, durch briefliche und telegraphische Offerten, Annoncen, Zirkulare usw. bis 
weit hinaus in entfernteste Länder und in entlegenste Flecken Geschäftsverbindungen 
anzubahnen. 
Damit erlangte die kaufmännische Auskunft eine außerordentlich erhöhte Be 
deutung, und damit bildete sich ihre Beschaffung zum selbständigen Berufe aus, wie 
das mit Bezug auf den Geldverkehr (Bankiers), den Warentransport (Spedition) 
und die Versicherung schon früher der Fall war. Dem Bedürfnisse der Zeit ent 
sprechend kamen, zuerst in England und Amerika, ziemlich gleichzeitig Kaufleute auf 
die Idee, Auskunftsbüreaus zu gründen, und auch einige Vereine nahmen die Ver 
wirklichung dieser Idee auf, ohne freilich zu irgendwelcher Bedeutung zu gelangen. (Die 
sog. Kreditreformvereine bilden keinen eigentlichen Verein, sondern sie sind nur 
eine Vereinigung von Auskunftsbüreaus-Jnhabern, die ihre Abonnementzettel gegen 
seitig erledigen.)
	        
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