450 Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik. I. Weltwirtschaft.
kommen, nur klein. Auf den Hochebenen Afrikas südlich vom Äquator wird der
Kaffeebau in größerem Maße in A n g o l a betrieben, und inDeutsch-Ostafrika
bestehen vielversprechende Pflanzungen.
Gegenwärtig kommt jährlich ein Quantum von 9—10 Millionen Meter-Zentnern
Kaffee in den Welthandel, das ist mehr, als die Welt verbraucht.
London ist entsprechend den Schiffahrtsverbindungen ein Hauptstapelplatz
für Kaffee; daselbst find alle Sorten vertreten, ausgenommen etwa die Provenienzen
von Niederländifch-Indien, die ihren Weg hauptsächlich nach Holland nehmen.
In London finden jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag die
öffentlichen Kaffeeauktionen statt. Dieselben werden von den Brokers im Auftrage
der Importeure abgehalten. Der zur Auktion kommende Kaffee wird nach Qualität
und Provenienz in Serien und Lose geteilt und von dem Broker beschrieben, damit
der Käufer sich schon früher orientieren kann.
Die Verkaufskonditionen sind folgende: pro Cwt. (=50% kg) in sh und p,
1—IV2 % Eskompte (discount), Gutgewicht und Tara nach Provenienz und Ver
packung. Der Verkauf erfolgt prompte, d. h. die Valuta ist fällig in 30 Tagen,
vom ersten Samstag nach der Auktion an gerechnet. Der Broker erhält 1 %, und
zwar y 2 % vom Käufer, y 2 % vom Verkäufer. Der Ausgleich erfolgt zwischen Käufer
und Broker.
Die Anstellungen, welche die Londoner Kaffeehäuser nach dem Kontinente
machen, sind nach Österreich-Ungarn gewöhnlich „cf", nach den Ostseeplätzen, nach
Norwegen und Schweden „cost" (erste Kosten).
Auf dem Kontinente sind die zwei Hauptstapelplätze für Kaffee Hamburg und
Havre. Dieselben haben eine führende Rolle und machen von Jahr zu Jahr
größere Umsätze.
Hamburg notiert Kaffee pro % kg in Pfennigen. Der Verkauf bezw. Kauf
erfolgt auf Basis der vom „Vereine der am Kaffeehandel beteiligten Firmen" 1889
verfaßten und am 5. Dezember 1899 abgeänderten allgemeinen Usancen.
Havre notiert Kaffee pro 50 kg in Francs; Havreser Konditionen: Zahlung
Eskompte 1^/2—2 %; Tara nach Provenienz und Verpackung.
Marseille handelt mit Kaffee aus Brasilien, Niederländisch- und Britisch-
Jndien, aus Westindien (Portorico, Haiti) und von der Nordküste Südamerikas.
Notierung und Konditionen mit Havre übereinstimmend.
T r i e st ist seit Eröffnung des Suezkanals, namentlich aber feit Einführung des
Differentialzolles ein wichtiger Handelsplatz für ostindifchen Kaffee und hat durch die
Einrichtung einer regelmäßigen Dampferlinie nach Brasilien auch für den dortigen
Kaffee erhöhte Bedeutung gewonnen.
Triest notiert pro 50 kg netto in österreichischen Kronen auf Basis der Triefter
Usancen vom Jahre 1902. Bei Abschlüssen per Kasse beträgt das Skonto 4Va %■
Für Brasilkaffee kommtferner A n t w e r p en(Anvers) als wichtiger Platz in Betracht.
Antwerpen notiert pro 50 kg in Francs. Man kauft nach Muster oder Type.
Die holländischen Plätze Amsterdam und Rotterdam sind die maßge
benden europäischen Plätze für Kaffee von Java, Sumatra und Celebes. Wie bekannt,
ist die Kaffeekultur auf Java zum Teile Zwangskultur. Dieser zwangsweise dem
Gouvernement für einen bestimmten, fixen Preis zu liefernde Kaffee wird von der
Niederländischen Handelsgesellschaft für Rechnung der Niederländischen Regierung
nach Holland gebracht und dort in öffentlichen Auktionen verkauft. Diese Auktionen
finden abwechselnd in Amsterdam und Rotterdam statt; der zur Auktion kommende
Kaffee wird nach Qualität und Provenienz in Lose (lots) eingeteilt, taxiert und dann
verauktioniert. Die Taxe wird nach holländischer Usance bestimmt, d. i. pro V2
in Cents holländisch, da sowohl Amsterdam als Rotterdam Kaffee so notieren.