Full text: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

532 
Fünfter Teil. Verkehr. II. Post. 
Monarchie, die ein nicht minder umfangreiches Ländergebiet unter einer Zentral 
regierung vereinigte. Tenophon, Herodot und andere griechische Schriftsteller haben 
diese ihnen ganz fremde Einrichtung mit Bewunderung beschrieben. Diese Einrich 
tung, die für große Despotien unentbehrlich war, hat sich im Orient auch in späteren 
Zeiten erhalten; in Griechenland hat sie natürlich nie existiert, da die Kleinheit der ein 
zelnen Kantone, ihre politische Zerrissenheit und die Natur des Landes, in dem man am 
leichtesten zur See kommunizierte, den Gedanken dazu nie aufkommen ließ. Auch die 
römische Republik hat das Bedürfnis nicht empfunden, dem Begründer der Monarchie 
stellte es sich dagegen als ein unabweisliches dar. Die Hauptzwecke der von ihm ins 
Leben gerufenen, von den späteren Kaisern, namentlich von Trojan weitergebildeten 
und vervollkommneten Reichspost faßt der byzantinische Geschichtsschreiber Prokop 
folgendermaßen zusammen: „Die römischen Kaiser haben diese Einrichtung in der Ab 
sicht getroffen, daß alles ihnen aufs schleunigste und ohne Verzögerung gemeldet 
würde, sowohl was in jedem feindlichen Lande sich ereignete, als auch was sich in 
den Städten des Reiches zutrüge, sei es ein Aufruhr oder eine andere unvorher 
gesehene Begebenheit, desgleichen was die Statthalter, die Beamten und alle übrigen 
Einwohner in allen Teilen des römischen Reiches unternehmen, endlich damit die 
Sendung der jährlichen Tribute ohne Aufenthalt und Gefährdung vollendet würde." 
So erst wurde Rom in der Tat der Mittelpunkt der Alten Welt, von dem aus man, 
wie von einer die Ebene beherrschenden Höhe, ihre entferntesten Teile zu übersehen 
imstande war. „Der Kaiser", ruft ein griechischer Schriftsteller, der Rom in der Zeit 
Marcus Aurels besuchte, bewundernd aus, „leitet die ganze Welt aus seinem Kabinett. 
Kaum sind seine Depeschen geschrieben, so sind sie auch schon, wie von Vögeln getragen, 
an ihrem Bestimmungsort." 
So überschwenglich diese Ausdrücke der Bewunderung im Zeitalter der Eisen 
bahnen und Telegraphen klingen, so natürlich waren sie in jener Zeit. 
Die Einrichtung der Römischen Reichspost war folgende: 
Jede Hauptstraße war in Tagereisen abgeteilt, an dem Ende jeder Tagereise 
befand sich eine Station (mansio, wovon das französische matecm). Hier waren 
öfters größere Anlagen, zum Teil mit palastartigen Gebäuden für die Nachtquartiere 
der Kaiser und hohen Beamten, ausgestattet mit allen luxuriösen Bequemlichkeiten, 
namentlich Bädern. Auf jede dieser Hauptstationen kamen 5—8 Umspannungs 
stationen (mutationes); wo möglich, waren sowohl die ersteren wie die letzteren in 
Städte und Dörfer verlegt. Auf jeder Umspannung stand eine Anzahl von Zug 
tieren bereit; die Zahl vierzig, die einmal angegeben wird, kann man wohl nur für 
die frequentesten Straßen annehmen. Es waren Pferde, Maultiere, Ochsen, Esel, im 
Orient Kamele, namentlich in Oberägypten, wo sich die Verteilung der Stationen nach 
den Brunnen und Zisternen richtete. 
Außer den Zugtieren befanden sich auf den Stationen überall die nötigen 
Wagen; das Dienstpersonal bestand aus Staatssklaven. Der Dienst war ein dreifacher, 
für Kuriere, Eilwagen und Packwagen; auf den ersteren hatte sich die ursprüngliche 
Einrichtung des Augustus beschränkt, doch hatte er selbst später noch die Beförderung 
zu Wagen eingerichtet. Die Kuriere hatten die Depeschen hinter sich in einem Fell 
eisen auf dem Pferde, das sie auf jeder Station wechselten. Das Gewicht des Fell 
eisens war anfangs auf 30 Pfund normiert, wurde aber, als die Sitte von Reit- 
sesieln aufkam, auf einen Zentner erhöht. Gewöhnlich nahm der Kurier noch ein, 
zuweilen mehrere Beipferde von der Station mit, auf dem zweiten Pferde ritt ein 
Postillion, der die Pferde wieder nach der Station zurückbrachte. Die Eilwagen 
waren dreierlei Art. Die größten hatten im Sommer eine Bespannung von acht, im 
Winter von zehn Pferden oder Maultieren und durften bis zu zehn Zentnern belastet
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.