Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

550

Fünfter  Teil.  Verkehr.  III.  Eisenbahnen.

bau  auf  Grund  einer  Staatsanleihe  im  Ministerrate  befürworteten,  aber  hier  von
der  Mehrheit  überstimmt  wurden,  welche  auf  die  Kgl.  Verordnung  vom  17.  Januar
1820  hinwies,  wonach  Staatsanleihen  nur  „zur  Förderung  des  allgemeinen  Besten"
aufgenommen  werden  dürften.
Da  der  Westfälische  Landtag  auch  in  seiner  Session  1833/1834  die  Eisenbahnverbindung ­
  von  der  Weser  zum  Rheine  betrieb,  erwirkte  er  einen  günstigeren,  aber
zunächst  nur  in  allgemeinen  Zusagen  sich  haltenden  Landtagsabschied  (30.  Dezember
1834).  Erst  das  Jahr  1835  brachte  Erfolge.  Fast  gleichzeitig,  da  im  Mai  1835  für  die
Leipzig—Dresdener  Bahn  das  Aktienkapital  gezeichnet  war,  traten  am  19.  Juni  1835
in  Elberfeld  43  angesehene  Männer  zusammen,  die  sich  zur  Übernahme  von  Aktien
für  die  Bahnstrecken  Elberfeld—Düsseldorf  und  Elberfeld—Witten  „als  Sektion  der
Rhein-Weser-Bahn"  verpflichteten.  Die  erstere  Strecke  wurde,  nachdem  Stephensou
sie  begutachtet  hatte,  alsbald  in  Angriff  genommen,  die  Teilstrecke  bis  Erkrath  am
20.  Dezember  1838,  die  ganze  Bahn  am  3.  September  1841  eröffnet.  Die  Strecke
Elberfeld—Witten  kam  nicht  zustande.  Erst  einer  späteren,  der  1843  gegründeten
Köln-Mindener  Gesellschaft,  bei  welcher  der  Staat  ein  Siebentel  der  Aktien  zeichnete,
gelang  die  Durchführung  des  ganzen  Planes,  von  dem  jene  Linie  einen  Teil  bilden
sollte,  aber  nunmehr  über  Hamm—Dortmund—Duisburg—Düsseldorf  nach  Köln
(1845—1847  vollendet).
Der  erste  handgreifliche  Erfolg  des  deutschen  Eisenbahnwesens  fällt  ebenfalls  in
das  Jahr  1835.  Am  7.  Dezember  1835  wurde  die  erste  deutsche  Eisenbahn  mit  Dampfbetrieb ­
  zwischen  Nürnberg  und  Fürth  eröffnet.  Nachdem  dort  seit  1814  (durch
den  Techniker  I.  v.  Baader)  eine  Pferdebahnverbindung  angeregt  worden,  war  es
im  Jahre  1832  ein  Bürger  Nürnbergs,  Ioh.  Scharrer,  der  (durch  preußische  Techniker
veranlaßt)  in  der  Bürgerschaft  der  beiden  beteiligten  Städte  den  Plan  zur  Durchführung ­
  brachte.
Die  vorhin  erwähnte  Begründung  der  Leipzig-Dresdener  Bahn  ist
das  Werk  desjenigen  Mannes,  welchem  einer  der  ersten  Plätze  in  der  Geschichte  des
deutschen  Eisenbahnwesens  gebührt,  —  Friedrich  Lifts.  Von  den  Vereinigten
Staaten  zurückgekehrt,  hatte  er  die  dort  gewonnenen  Eindrücke  mit  prophetischer  Begeisterung ­
  in  Deutschland  mitgeteilt  und  agitatorisch  verbreitet.  Zunächst  stieß  er  auf
Unglauben  der  entscheidenden  Kreise,  bis  feine  Niederlassung  in  Leipzig  und  seine
Schrift  (1833)  „Über  ein  sächsisches  Eisenbahnsystem  als  Grundlage  eines  allgemeinen
deutschen  Eisenbahnsystems  und  insbesondere  über  die  Anlegung  einer  Eisenbahn
von  Leipzig  nach  Dresden"  den  Grund  zu  der  Bahn  Leipzig—Dresden  legte,  indem
eine  Reihe  angesehener  Leipziger  Bürger  dafür  gewonnen  wurde.  Mit  denen  vereint,
brachte  List  es  dahin,  daß  am  14.  Mai  1835  mit  einem  Schlage  das  ganze  Aktienkapital ­
  von  2  Millionen  Talern  gezeichnet  wurde.  Die  Eröffnung  der  Bahn  erfolgte
am  7.  April  1839.  L  i  st  hatte  sie  bereits  in  seinem  Prospekt  als  „großes  Nationalunternehmen" ­
  bezeichnet,  das  sich  als  „Anfang  und  Mittelpunkt  eines  allgemeinen
deutschen  Eisenbahnsystems"  empfehle.
Der  Einfluß  dieses  Erfolges  übertrug  sich  nach  Magdeburg.  An  jenem  Tage
der  glänzenden  Aktienzeichnung,  14.  Mai  1835,  reichte  der  Oberbürgermeister
Francke  in  Magdeburg  sein  Gesuch  um  Zulassung  der  Bahn  Magdeburg—
Leipzig  bei  der  Staatsregierung  ein.  Zugleich  trat  L  i  st  in  Berlin  auf  und  bewarb ­
  sich  am  21.  Mai  1835  durch  zwei  Jmmediatvorstellungen  um  die  Konzession  für
eine  Eisenbahn  von  Hamburgnach  Berlin,  Magdeburgund  Leipzig.
Er  teilte  darin  mit,  daß  er  bereits  Schritte  getan  habe  (in  Verbindung  mit  Cotta  in
Stuttgart),  um  eine  Konzession  von  Basel  nach  Mannheim  zu  erhalten.  Indessen
Lifts  Bewerbung,  obwohl  er  sich  eine  Reihe  angesehener  Bankhäuser  zugesellt,  scheiterte. ­
  Am  14.  Februar  1836  wurde  durch  Kgl.  Kabinettsordre  an  F  r  a  n  ck  e  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.