Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

7.  Theorie  und  Praxis  im  kaufmännischen  Bildungswesen.

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Grenzen,  und  so  ist  er  durch  die  innere  Logik  dieses  Spiels  gezwungen,  immer  neue
Millionen  aus  Millionen  zu  häufen.  Gewiß  berauscht  auch  ihn  das  Gefühl  der  Macht,
die  feine  Millionen  ihm  verleihen;  vielleicht  werden  seine  Nerven  auch  von  der  Gefahr ­
  gekitzelt,  die  in  seinen  Spekulationen  liegt.  Aber  da  er  eben  kein  anderes  Ziel
hat  als  den  Erwerb,  so  kann  er  die  Macht  auch  nur  gebrauchen,  um  eben  immer
mehr  zu  erwerben.  Der  Erwerb  wird  Selbstzweck  und  tötet  tyrannisch  alle  anderen
Gefühle;  der  Überreiche  verarmt  seelisch  mehr  und  mehr.
Anmerkung.  Wygodzinski  behandelt  auf  <5-  21  ff.  seiner  „Wandlungen  der
deutschen  Volkswirtschaft  im  neunzehnten  Jahrhundert"  die  Frage  nach  der  E  n  t  st  e  h  u  n  g
des  kapitalistischen  Geistes  und  erörtert  besonders  eingehend  den  Versuch,  den
Max  Weber  zur  Lösung  dieser  Frage  gemacht  hat:  „M  a  x  Weber  knüpft  an  die  vielfach
beobachtete,  aber  nicht  weiter  beachtete  Tatsache  an,  daß  es  insbesondere  protestantische
Sekten  gewisser  Färbung  sind,  die  historisch  überall  als  Träger  der  modernen  Wirtschaft
und  Wirtschaftsauffassung  nachzuweisen  sind.  Schon  die  Spanier  wußten,  daß  die  Ketzerei,
d.  h.  der  Kalvinismus  in  den  Niederlanden  den  Handelsgeist  befördere:  Gothein  bezeichnet
die  kalvinistische  Diaspora  als  die  Pflanzschule  der  Kapitalwirtschaft.  Noch  eklatanter  ist  der
Zusammenhang  religiöser  Lebensreglementierung  mit  intensivster  Entwicklung  des  geschäftlichen ­
  Sinnes  bei  einer  ganzen  Reihe  derjenigen  Sekten,  deren  Lebensfremdheit  ebenso
sprüchwörtlich  geworden  ist  wie  ihr  Reichtum,  insbesondere  den  Quäkern  sin  England  und
Nordamerikas  und  Mennoniten  sin  Deutschland  und  den  Niederlandens  ....  Daß  endlich
für  die  Pietisten  die  Kombination  von  intensiver  Frömmigkeit  mit  ebenso  stark  entwickeltem
Geschäftssinn  und  Erfolg  galt,  ist  bekannt;  es  sei  nur  an  die  berühmte  große  Calwer  Handelsgesellschaft ­
  erinnert.  —  Es  scheint  nun  im  höchsten  Grade  paradox,  die  Entwicklung  des
kapitalistischen  Geistes  an  spezifische  Formen  protestantischer  Frömmigkeit  zu  knüpfen.  Der
Übergang  ist  die  neue  Auffassung  des  Berufes,  wie  sie  sich  in  der  Gedankenwelt
dieser  protestantischen  Sekten  heranbildet  ....  —  Im  Kalvinismus  .  .  .  hängt  die  neue
Wertschätzung  des  Berufs  mit  dem  Zentraldogma  dieser  religiösen  Lehre,  der  Lehre  von  der
Gnadenwahl  zusammen  ....  —  „Wenn  Gott  euch  einen  Weg  zeigt",  sagt  Baxter,  ein
Theoretiker  des  Kalvinismus,  „auf  dem  ihr  ohne  Schaden  für  euere  Seele  oder  andere  in
gesetzmäßiger  Weise  mehr  gewinnen  könnt  als  auf  einem  anderen  Wege  und  ihr  das  zurückweist, ­
  -  .  .  dann  kreuzt  ihr  einen  der  Zwecke  eurer  Berufung;  ihr  weigert  euch,  Gottes
Verwalter  zu  fein  und  feine  Gaben  anzunehmen,  um  sie  für  ihn  gebrauchen  zu  können.
Nicht  freilich  für  Zwecke  der  Fleischeslust  und  Sünde,  wohl  aber  für  Gott  dürft  ihr  arbeiten,
um  reich  zu  sein"  ....  So  ist  denn,  wie  Weber  das  Ergebnis  seiner  Untersuchungen  selbst
zusammenfaßt,  die  rationale  Lebensführung  als  Grundlage  der  Berufsidee
  geboren  aus  dem  Gei  st  e  der  christlichen  Askese,  wie  er  sich  in  den
christlichen  Sekten  manifestiert  .  .  .  .—  Was  Weber  gefunden  hat,  ist  sicher  richtig,  aber  es
ist  nur  ein  Teil  der  ganzen  Wahrheit;  es  beleuchtet  einige  Seiten  des  Phänomens,
das  wir  Kapitalismus  nennen,  scharf  und  läßt  andere  im  Dunkeln  ....  —  sAberj  Der
Gewinn  für  uns  aus  dieser  Betrachtungsweise  überwiegt.  Wir  denken,  um  zunächst  ein
paar  naheliegende  Beispiele  für  das  Tatsächliche  zu  nennen,  an  den  Einfluß  der  Mennoniten
auf  das  Kreselder  Seidengewerbe,  an  den  des  Pietismus  auf  die  blühende  Industrie  des
Wuppertals."  —  G-  M.
7.  Theorie  und  Praxis  im  kaufmännischen
Bildunysrvesen.
Bon  KarlDunker.
D  u  n  k  e  r,  Die  Mittelschulen  in  ihren  Beziehungen  zu  Handel  und  Gewerbe.  In:  Reiseberichte ­
  über  Nordamerika,  erstattet  von  Kommissaren  des  Königlich  Preußischen  Ministers  für
Handel  und  Gewerbe.  Nr.  257  der  Drucksachen  des  Hauses  der  Abgeordneten,  20.  Legislaturperiode, ­
  II-  Session,  1905/06.  Berlin,  Buchdruckerei  W.  Moeser,  1906.  S.  23-25.
Die  Einrichtung  der  kaufmännischen  Lehre  besteht  in  den  Vereinigten  Staaten
nicht  mehr.  Wer  sich  der  Kaufmannschaft  widmen  will,  tritt  als  besoldeter  Angestellter
            
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