Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Begriff  und  Arten  des  Handels.

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Besuche  nur  erst  ein  paar  große  Handelsstädte,  ein  paar  Häfen,  und  Du  wirst
gewiß  mit  fortgerissen  werden.  Wenn  Du  siehst,  wie  viele  Menschen  beschäftigt  sind,
wenn  Du  siehst,  wo  so  manches  herkommt,  wo  es  hingeht,  so  wirst  Du  es  gewiß  auch
mit  Vergnügen  durch  Deine  Hände  gehen  sehen.  Die  geringste  Ware  siehst  Du  im
Zusammenhange  mit  dem  ganzen  Handel,  und  eben  darum  hältst  Du  nichts  für
gering,  weil  alles  die  Zirkulation  vermehrt,  von  welcher  Dein  Leben  feine
Nahrung  zieht.
Es  haben  die  Großen  dieser  Welt  sich  der  Erde  bemächtiget,  sie  leben  in  Herrlichkeit ­
  und  Überfluß.  Der  kleinste  Raum  unseres  Weltteils  ist  schon  in  Besitz  genommen, ­
  jeder  Besitz  befestiget,  Ämter  und  andere  bürgerliche  Geschäfte  tragen
wenig  ein;  wo  gibt  es  nun  noch  einen  rechtmäßigeren  Erwerb,  eine  billigere  Eroberung ­
  als  den  Handel?  Haben  die  Fürsten  dieser  Welt  die  Flüsse,  die  Wege,  die  Häfen
in  ihrer  Gewalt  und  nehmen  von  dem,  was  durch-  und  vorbeigeht,  einen  starken
Gewinn,  sollen  wir  nicht  mit  Freuden  die  Gelegenheit  ergreifen  und  durch  unsere
Tätigkeit  auch  Zoll  von  jenen  Artikeln  nehmen,  die  teils  das  Bedürfnis,  teils  der
Übermut  den  Menschen  unentbehrlich  gemacht  hat?  Und  ich  kann  Dir  versichern,
wenn  Du  nur  Deine  dichterische  Einbildungskraft  anwenden  wolltest,  so  könntest  Du
meine  Göttin  als  eine  unüberwindliche  Siegerin  der  deinigen  kühn  entgegenstellen.
Sie  führt  freilich  lieber  den  Ölzweig  als  das  Schwert;  Dolch  und  Ketten  kennt  sie  gar
nicht:  aber  Kronen  teilet  sie  auch  ihren  Lieblingen  aus,  die,  es  sei  ohne  Verachtung
jener  gesagt,  von  echtem,  aus  der  Quelle  geschöpftem  Golde  und  von  Perlen  glänzen,
die  sie  aus  der  Tiefe  des  Meeres  durch  ihre  immer  geschäfsigen  Diener  geholt  hat.
Was  ist  reizender  als  der  Anblick  eines  Schiffes,  das  von  einer  glücklichen
Fahrt  wieder  anlangt,  das  von  einem  reichen  Fange  frühzeitig  zurückkehrt!  Nicht
der  Verwandte,  der  Bekannte,  der  Teilnehmer  allein,  ein  jeder  fremde  Zuschauer
wird  hingerissen,  wenn  er  die  Freude  sieht,  mit  welcher  der  eingesperrte  Schiffer
ans  Land  springt,  noch  ehe  sein  Fahrzeug  es  ganz  berührt,  sich  wieder  frei  fühlt
und  nunmehr  das,  was  er  dem  falschen  Wasser  entzogen,  der  getreuen  Erde  anvertrauen ­
  kann.  Nicht  in  Zahlen  allein,  mein  Freund,  erscheint  uns  der  Gewinn;  das
Glück  ist  die  Göttin  der  lebendigen  Menschen,  und  um  ihre  Gunst  wahrhaft  zu  empfinden, ­
  muß  man  leben  und  Menschen  sehen,  die  sich  recht  lebendig  bemühen  und
recht  sinnlich  genießen.

2.  Begriff  und  Arten  des  Handels.
Von  Wilhelm  Lexis.
Lexis,  Handel.  In:  Handbuch  der  politischen  Ökonomie.  Herausgegeben  von
v.  Schönberg.  4.  Stuft.  2.  Bd.  2.  Halbband.  Tübingen,  H.  Laupp,  1898.  S.  223—227.
Handel  ist  der  gewerbsmäßige  Betrieb  des  Eintausches  oder  Ankaufs  von
Gütern  und  der  Wiederveräußerung  derselben  zum  Zwecke  einer  Erzielung  von  Gewinn. ­
  Demnach  ist  der  Handel  keineswegs  mit  dem  Güteraustausch  überhaupt
identisch,  sondern  er  bildet  nur  eine  durch  die  volkswirtschaftliche  Arbeitsteilung  allmählich ­
  selbständig  gewordene  Vermittlungstätigkeit,  durch  welche  die  Bewegung
der  Güter  vom  Produzenten  zum  Konsumenten  wesentlich  erleichtert  wird.  In
vielen  Verkehrsfällen  findet  eine  solche  Vermittlung  nicht  statt:  der  Produzent  verkauft ­
  die  von  ihm  selbst  hergestellte  oder  auf  eine  höhere  Stufe  der  Verarbeitung
gebrachte  Ware  direkt  an  diejenigen,  der  sie  unmittelbar  für  seine  persönlichen  Zwecke
verwenden  oder  als  Rohmaterial  oder  als  Halbfabrikat  weiter  verarbeiten  will.
            
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