Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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3.  Die  Bedeutung  des  Handels  für  die  Volkswirtschaft.
schaft  sehr  wichtig  sein.  Sichert  und  erleichtert  der  Handel  den  einzelnen  Produzenten
den  Absatz,  erobert  er  ihnen  neue  Absatzgebiete  und  führt  ihnen  die  erforderlichen
Rohmaterialien  zu,  so  schafft  er  damit  für  die  Volkswirtschaft  die  Grundlagen  einer
stetigen  Weiterentwicklung  der  produktiven  Arbeit.  Erleichtert,  verbessert  und  verbilligt ­
  er  den  einzelnen  Verbrauchern  den  Bezug  der  Bedarfsartikel,  so  summiert  sich
das  für  die  Volkswirtschaft  zur  zweckmäßigsten  Organisation  der  Bedarfsversorgung
des  Volkes  überhaupt.  Diese  Leistungen  haben  eine  große  volkswirtschaftliche  Bedeutung ­
  so  lange  und  so  weit,  als  die  Kosten,  die  der  Volkswirtschaft  aus  dieser
Vermittlung  erwachsen,  nicht  so  hoch  werden,  daß  man  die  in  Frage  kommenden
Arbeiten  ohne  Vermittlung  des  Handels  billiger  bewirken  könnte,  und  ferner  so  lange
und  so  weit,  als  die  technische  Leistungsfähigkeit  des  Handels  nicht  so  zurückgeht,  daß
ohne  Vermittlung  des  Handels  die  ganze  Arbeit  besser  und  zweckmäßiger  durchgeführt ­
  werden  könnte.  Mit  dieser  Einschränkung  muß  man  dem  Handel  eine  sehr
wichtige  Stellung  im  Organismus  der  modernen  Volkswirtschaft  zuweisen  und  ihn
als  ein  notwendiges  und  nützliches  Glied  in  der  Kette  der  wirtschaftlichen  Tätigkeiten
anerkennen.
Da  die  Dienste  des  Handels  nicht  nur  dem  Inlands,  sondern  auch  dem  Auslande ­
  zufließen,  so  ist  bei  Beurteilung  seiner  Bedeutung  für  die  einzelne  Volkswirtschaft ­
  weiterhin  die  Frage  von  Wichtigkeit,  ob  seine  Arbeit  mehr  dem  Auslande
als  dem  Jnlande  nützt  oder  gar  das  Gesamtinteresse  des  Inlandes  benachteiligt.
Denkbar  ist  das  letztere.  Praktisch  wird  es  aber  nur  ausnahmsweise  und  nur  vorübergehend ­
  werden.
Übrigens  sind  das  Einschränkungen,  die  nicht  lediglich  beim  Handel  zu  machen
sind.  Auch  bei  der  Produktion,  beim  Verkehrswesen  usw.  ist  eine  unwirtschaftliche
Steigerung  der  toten  Kosten  und  eine  gelegentliche  Benachteiligung  der  inländischen
Interessen  denkbar.
Zu  dem  Gesagten  treten  noch  andere  Wirkungen  des  Handels  hinzu,  die  der
Volkswirtschaft  im  ganzen  wesentlichen  Nutzen  bringen.  Der  Handel  steht  in  inniger
Beziehung  zum  Verkehrswesen.  Genötigt,  sich  der  Verkehrsmittel  in  umfassender
Weise  zu  bedienen,  treibt  der  Handel  das  Verkehrswesen  zu  immer  höherer  Leistungsfähigkeit, ­
  und  die  günstigen  Wirkungen,  die  von  einem  leistungsfähigen  Verkehrswesen ­
  ausgehen,  sind  deshalb  dem  Handel  mitzudanken,  wie  er  andererseits  aber
auch  mitverantwortlich  ist  für  die  nachteiligen  Wirkungen,  die  einem  solchen  Verkehrswesen ­
  zuzuschreiben  sind.
Dem  Handel  sind  auch  allgemeine  kulturelle  Wirkungen  zuzusprechen.  Er  versteht ­
  es,  neue  Bedürfnisse  zu  wecken,  und  verstärkt  so  den  Antrieb  zu  wirtschaftlicher
Arbeit,  freilich  nicht  immer  in  Richtungen,  die  wünschenswert  sind.  Der  Handel  ruft
mitunter  so  starke  Interessengegensätze  zwischen  den  Völkern  hervor,  daß  eine  Austragung ­
  mit  den  Waffen  erforderlich  wird,  aber  noch  viel  häufiger  und  allgemeiner
verstärkt  er  das  Bewußtsein  gemeinsamer  Kulturinteressen  und  das  Bedürfnis  nach
einer  friedlichen  Entwicklung  der  Verhältnisse.  Der  Handel  bringt  die  Völker  in
engere  Berührung  miteinander  und  schleift  dadurch  auch  wahlberechtigte  Eigentümlichkeiten, ­
  aber  noch  viel  mehr  unberechtigte  Vorurteile  ab  und  erzeugt  ein  stärkeres
Bedürfnis  nach  einheitlicher  Rechtsgestaltung.
Mit  einem  Wort,  der  Handel  leistet  der  Kulturentwicklung  und  der  Volkswirtschaft ­
  sehr  wertvolle  Dienste,  hinter  denen  die  gelegentlichen  und  vorübergehenden
ungünstigen  Wirkungen  weit  zurücktreten.  Daran  kann  auch  der  Umstand  nichts
ändern,  daß  der  Handel  vielfach  in  der  Praxis  und  in  der  Wissenschaft  eine  sehr
ungünstige  Beurteilung  gefunden  hat.  Da  in  der  Tat  auch  ungünstige  Wirkungen
            
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