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Die Gründer der heutigen Schulen
Pé rin. Ja hier tritt die Entsagung geradezu in Rang und
Stellung des ökonomischen Prinzips schlechthin.
Charles Perln (1815—1905) x ) ist, obwohl Belgier von Ge
burt und in Belgien lebend, für die Entwicklung der katholischen
Sozialökonomik in Frankreich von großer Bedeutung. Er war
der Vorkämpfer der Nichtinterventionisten. Um ihn gruppierten
sich insbesondere die Juristen und die Professoren der „Instituts
Catholiques“ Frankreichs, welche 1890, als es ihnen gelungen
war, Bischof Freppel zu gewinnen, zur offiziellen Gründung der
Schule von Angers schritten.
Périn weicht in zwei wichtigen Punkten von de Metz-
N ob lat ab. Dieser bemüht sich, die Übereinstimmung der
klassischen Nationalökonomie mit der katholischen Religion zu
erweisen 2 ). Périn aber erklärt im Namen des Katholizismus
dem Klassizismus den Krieg und kämpft aufs heftigste gegen
ihn an. Allerdings ist seine ökonomische Theorie auch ein
nichtinterventionistischer Individualismus. Zum zweiten ist
für de Metz-Noblat die theoretische, reine Nationalökonomie
') „Charles Périn, geb. 1815 in Mans, studierte in Löwen Hechts- und
Staatswissenschaft und wurde Advokat in Brüssel. 1844 berief ihn der belgische
Episkopat auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an der katholischen Uni
versität in Löwen. 1845 übernahm er dort den durch den Abgang de Coux’
freigewordenen Lehrstuhl für Nationalökonomie. 1881 trat er, infolge eines Zer
würfnisses mit dem Episkopat von seiner Lehrtätigkeit zurück und ging als
Rechtsanwalt nach Mons. Er starb 1905. Von den zahlreichen Schriften Rärins
seien nur diejenigen erwähnt, in welchen die ihm eigentümlichen Anschauungen
am zusammenhängendsten zum Ausdruck kommen. Es sind dies : De la Richesse
dans les Sociétés Chrétiennes, zuerst 1861, seither mehrere Auflagen ; Les Lois
de la Société Chrétienne, 1875 ; Premiers Principes d’Economie Politique, zuerst
1888, dann mehrfach.
2 ) „Die Nationalökonomie (d. h. die klassische) ist weit entfernt davon,
mit dem Geiste des Evangeliums in Widerspruch zu stehen; sie beweist vielmehr
in ihrer Art dessen göttlichen Ursprung. Sie zeigt nämlich, daß die Einrich
tungen und die Disziplin der Kirche vollständig mit den Grundsätzen einer ganz
modernen Wissenschaft übereinstimmen (gemeint ist Malthus’ Bevölkerungslehre) ;
sie zeigt, daß selbst in rein materiellen Dingen die Religion den Gläubigen
immer die Ratschläge und die Vorschriften gegeben, welche am geeignetsten
waren, die öffentliche Wohlfahrt zu sichern ; sie zeigt endlich, daß alle wirt
schaftlichen Fragen in der Übung der christlichen Tugenden jene Lösung
finden, welche den Schwachen und Unglücklichen am günstigsten ist.“ de Metz-
Noblat, loc. cit. p. XXXIX.