Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

208 
Die Gründer der heutigen Schulen 
Pé rin. Ja hier tritt die Entsagung geradezu in Rang und 
Stellung des ökonomischen Prinzips schlechthin. 
Charles Perln (1815—1905) x ) ist, obwohl Belgier von Ge 
burt und in Belgien lebend, für die Entwicklung der katholischen 
Sozialökonomik in Frankreich von großer Bedeutung. Er war 
der Vorkämpfer der Nichtinterventionisten. Um ihn gruppierten 
sich insbesondere die Juristen und die Professoren der „Instituts 
Catholiques“ Frankreichs, welche 1890, als es ihnen gelungen 
war, Bischof Freppel zu gewinnen, zur offiziellen Gründung der 
Schule von Angers schritten. 
Périn weicht in zwei wichtigen Punkten von de Metz- 
N ob lat ab. Dieser bemüht sich, die Übereinstimmung der 
klassischen Nationalökonomie mit der katholischen Religion zu 
erweisen 2 ). Périn aber erklärt im Namen des Katholizismus 
dem Klassizismus den Krieg und kämpft aufs heftigste gegen 
ihn an. Allerdings ist seine ökonomische Theorie auch ein 
nichtinterventionistischer Individualismus. Zum zweiten ist 
für de Metz-Noblat die theoretische, reine Nationalökonomie 
') „Charles Périn, geb. 1815 in Mans, studierte in Löwen Hechts- und 
Staatswissenschaft und wurde Advokat in Brüssel. 1844 berief ihn der belgische 
Episkopat auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an der katholischen Uni 
versität in Löwen. 1845 übernahm er dort den durch den Abgang de Coux’ 
freigewordenen Lehrstuhl für Nationalökonomie. 1881 trat er, infolge eines Zer 
würfnisses mit dem Episkopat von seiner Lehrtätigkeit zurück und ging als 
Rechtsanwalt nach Mons. Er starb 1905. Von den zahlreichen Schriften Rärins 
seien nur diejenigen erwähnt, in welchen die ihm eigentümlichen Anschauungen 
am zusammenhängendsten zum Ausdruck kommen. Es sind dies : De la Richesse 
dans les Sociétés Chrétiennes, zuerst 1861, seither mehrere Auflagen ; Les Lois 
de la Société Chrétienne, 1875 ; Premiers Principes d’Economie Politique, zuerst 
1888, dann mehrfach. 
2 ) „Die Nationalökonomie (d. h. die klassische) ist weit entfernt davon, 
mit dem Geiste des Evangeliums in Widerspruch zu stehen; sie beweist vielmehr 
in ihrer Art dessen göttlichen Ursprung. Sie zeigt nämlich, daß die Einrich 
tungen und die Disziplin der Kirche vollständig mit den Grundsätzen einer ganz 
modernen Wissenschaft übereinstimmen (gemeint ist Malthus’ Bevölkerungslehre) ; 
sie zeigt, daß selbst in rein materiellen Dingen die Religion den Gläubigen 
immer die Ratschläge und die Vorschriften gegeben, welche am geeignetsten 
waren, die öffentliche Wohlfahrt zu sichern ; sie zeigt endlich, daß alle wirt 
schaftlichen Fragen in der Übung der christlichen Tugenden jene Lösung 
finden, welche den Schwachen und Unglücklichen am günstigsten ist.“ de Metz- 
Noblat, loc. cit. p. XXXIX.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.