Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

488 
Die Nationalökonomie bei den Philosophen und Soziologen 
den einzelnen Materien, die in jedes der drei Glieder seiner 
Trilogie eingereiht wurden. Man kann sich des Eindrucks manch 
mal nicht erwehren, daß die einzelnen Fragen dorthin, wo sie 
untergebracht sind, mit den Haaren herbeigezogen werden 
mußten 1 ). Der Tardesche Aufbau der Nationalökonomie ist, so 
wie er sich zurzeit darbietet, nicht festgezimmert. 
Uns will dünken, daß die Trilogie Tardes sich mindestens 
ebenso fruchtbar erwiesen hätte, wie sie es tut, während die 
angedeuteten Mängel hätten vermieden werden können, wenn 
er sämtlichen Teilgebieten der Volkswirtschaftslehre gegenüber 
das Verfahren eingeschlagen hätte, das er in einem Schluß 
kapitel auf das Bevölkerungsproblem anwendet. Dieses betrachtet 
er nämlich nacheinander unter den drei Gesichtspunkten der 
Wiederholung, der Gegensätzlichkeit und der Anpassung. 
Um uns von der Eigenart der psychologischen Fundamen 
tierung der Volkswirtschaftslehre bei Tarde und von dem 
überraschenden Reichtum an Ideen, der seine Werke füllt, 
genügend Rechenschaft geben zu können, wird es nunmehr 
nötig sein, einen kleinen Rundgang durch sein System zu 
machen. 
I. Die volkswirtschaftliche Wiederholung. Hieher rechnet 
Tarde, wie wir oben sahen: die Bedürfnisse, die Arbeit, das 
Geld und das Kapital. 
Die Bedürfnisse definiert er als eine Verbindung von Be 
gehren und Anschauungen. Das Bedürfnis nach einem Gute 
besteht darin, daß wir die Befreiung von einem Übel oder den 
Erwerb eines Vorteils begehren, und daß wir jenes Gut für ge 
eignet halten, uns zu diesem Ziele zu führen. Die Begehren 
lassen periodisch aus, die Anschauungen sind kontinuierlich, 
wenn auch nicht immer bewußt 2 ). Ein jeder von uns dreht 
beständig in einem großem oder kleineren Kreise von periodi 
schen Begehren herum, dessen Umlaufszeiten regelmäßige oder 
unregelmäßige sind. Er gerät dabei jeden Augenblick auf den 
Weg irgend einer Laune oder Leidenschaft, die stets als Ge- 
1) Wenn z. B. von den Banken und Börsen im Kapitel: Gemeinschaften 
des dritten Teiles die Bede geht, weil sie „Gemeinschaften (associations) sind, 
. . . . welche die Anpassung des Geldes an seine Funktion als Tauschmittel be 
wirken“. ibid. p. 221 ff., p. 411—412. 
2 ) Tarde, loe. cit. Bd. I, p. 210—211.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.