Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

—  186  —

Der  Stapel  wurde  aber  auch  von  den  Fürsten  im  Kampfe  benutzt, ­
  soweit  solche  Städte  im  Landesverbände  geblieben  oder  neu
hineingekomraen  waren;  so  führte  Friedrich  der  Grofse  einen  Teil
seines  Kampfes  gegen  Sachsen  mit  dem  alten  Magdeburger  Stapel
und  Sachsens  Waffe  überhaupt  war  der  Leipziger  Stapel,  den  nach
der  von  Sachsen  soweit  es  seine  Grenzen  zuliefsen  durchgeführten
Auffassung  auf  15  Meilen  niemand  umfahren  durfte. 1 )  Es  kamen
auch  eigentümliche  Verbindungen  zwischen  neu  und  alt  vor,  wenn
z.  B.,  da  Minden  nicht  mehr  imstande  war,  Holz  nach  Stapelrecht
zu  kaufen,  ein  Bremer  Bürger  Kulenkamp  Bürgerrecht  in  Minden
erwarb,  da  die  preufsische  Regierung  bestrebt  war,  Bürger  dahin  zu
ziehen,  und  nun  in  der  in  der  absolutistischen  Zeit  beliebten
monopolistischen  Form  das  Stapelholz  bezog,  bis,  trotz  aller  bremischen
Mafsregeln  gegen  ihn,  der  Verdacht  auftauchte,  dafs  er  bei  seinem
grofsen  Betriebe  nur  der  Strohmann  bremischer  Holzhändler  sei.
Hannover  stützte  auf  alle  Weise  seine  Speditionsstädte  Lüneburg ­
  und  Münden  mittels  ihrer  Stapel-  und  Niederlagsrechte  2 ).  Erst
im  neunzehnten  Jahrhundert  mit  der  modernen  Verfassung  trat  das
neue  Harburg  an  die  Stelle  des  alten  privilegierten  Lüneburg  in
Hannovers  Politik.  Der  Versuch,  eine  Umgehung  von  Bremen  einzurichten, ­
  ist  natürlich  auch  ein  Ausflufs  moderner  Territorialpolitik,
in  welcher  auch  eigene  Stapel  gegen  nachbarliche  Territorien  und
Städte  statt  früher  blofse  Ausflüsse  städtischer  Verhältnisse  zu  sein,
verwandt  wurden;  es  handelt  sich  bei  dem  Kampfe  nicht  um
theoretische  Erwägungen.
Die  Territoriaipolitik  durchdringt  und  verändert  z.  T.  die
Funktion  der  alten  städtischen  Institute.
Handelspolitik  durch  Zoll  allein  zu  treiben,  ist  neuesten  Datums
und  auch  schon  jetzt  nicht  mehr  rein,  da  wir  mit  unseren  Eisenbahntarifierungen ­
  etwas  ganz  ähnliches  im  nationalen  Sinne  betreiben 3 ),
’)  Vgl.  Jobs.  F  alkes  namentl.  a.  d.  Hauptstaatsarchiv  zu  Dresden  geschöpfte ­
  Schilderung  in  seiner  Geschichte  des  deutschen  Zollwesens,  Leipzig  1869
und  die  in  meinem  Zur  Geschichte  der  alten  Handelsstrafsen  zum  Leipziger
Stapelstreit  etc.  angegebene  Literatur;  G.  Schm  oller  a.  a.  0.  in  s.  Jahrb.,
N.  F.  VIII.  Jg.  u.  X.  Jg.
2 )  Bremer  Archive,  Patje,Albers,  v.  Reden,  Baasch  etc.  a.  a.  0.
3 )  Vgl.  Literatur  zur  Eisenbahntarifpolitik  bei  Walther  Lotz,  Verkehrsentwickelung ­
  in  Deutschland  1800—1900,  Aus  Nat-  u.  Geisteswelt,  Sammlg.
gemeinv.  Darst.,  XV.  Bd.,  Leipzig  1906,  S.  46,  (67);  Katalog  d.  Bibi.  d.
Handelsk.  z.  Bremen,  1903,  (H.  IV.),  S.  65  ff.;  Katalog  der  Commerzbibi.  i.
Hamburg,  1864  ff.,  (Mathem.  u.  Bauwissensch.;  Eisenbahnen).  Zur  Eisenbahntarifierung ­
  im  nationalen  Sinne  vgl.  a.  Duckwitz’s  Manuskript  Das  Reichs-
            
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