Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

—  214  —

die  Zollverhältnisse  einzuwirken,  schliefslich  wirtschaftlich  isoliert
blieb  und  ausschied.
Grofse  Entrüstung  erregte  es,  als  Preufsen  einer  bundesmäfsigen
  Zollpolitik  absagte,  indem  es  1816  und  1818  sein  Zollwesen ­
  auf  modernen  Fufs  stellte,  alle  Binnenzölle  abschaffte  und
reinen  Grenzzoll  einricbtete.
Es  war  zwar  nicht  mehr  das  alte  Prohibitivsystem,  das  Friedrich
der  Grofse  seinerzeit  betrieben  hatte,  sondern  ein  gemätsigter
Schutzzoll,  wie  er  allmählich  modern  geworden  war,  aber  die
Wirkungen  waren  fühlbarer  in  einer  Zeit,  der  die  Eisenbahnen
demnächst  die  Existenz  auf  Grund  intensiver  Verkehrs  Wirtschaft
verbürgen  sollten,  wegen  der  Aufhebung  der  inneren  Belastung,
und  weil  die  ganze  Monarchie  davon  ergriffen  wurde,  mit
allen  ihren  das  übrige  Deutschland  trennenden  Teilen,  während
das  frühere  System  nur  für  die  östliche  Hälfte,  nicht  für  die  damals
noch  zerstreuten  westlichen  Besitzungen  hatte  durchgeführt  werden
können 1 ).  Die  Jahre  vor  dem  Zollverein  sind  nahezu  die  schlimmsten
für  den  Handel  gewesen,  der  von  den  Plätzen  aufserhalb  der  Grenzen
der  Einzelstaaten  ausging,  sich  auch  nicht  auf  einen  umgrenzten
Einzelstaat  oder  einen  partikulären  Bund  zu  beschränken  vermochte,
also  vor  allem  für  den  Handel,  der  von  den  Hansestädten  ausging *  2 ),
*)  Vgl.  a.  W.  Weber,  Der  deutsche  Zollverein,  Leipzig  1869,  S.  2.
2 )  Die  beiden  folgenden  Akten  habe  ich  bereits  anderswo  einmal  mitgeteilt,
sie  gehören  aber  recht  eigentlich  hierher:  Schreiben  bei  den  Akten  der  Frachtfuhrwerks-Inspektion
  in  Bremen,  als  1826  durch  Zolldirektor  Niemeyer  in  Verden
das  Ansinnen  von  Hannover  gestellt  war,  die  Bremer  amtlichen  Güterbesteder
(Frachtmakler)  sollten  für  die  Manifestierung  an  den  hannoverschen  Grenzzöllen
beteiligt  werden,  wodurch  Bremen  das  Dmladen  in  Brinkum  und  Hannover  das
Erbauen  eines  Packhofes  erspart  würde.  „Wer  ehemals  Oberländische  Handlungsgeschäfte ­
  getrieben  hat,  und  daher  mit  Sachkenntnis  auf  den  gegenwärtigen ­
  Gang  derselben  blickt,  der  kann  nicht  anders  als  trauernd  und  voll
böser  Ahnung  für  die  Zukunft  auf  denselben  sehen.  Alle  ihm  sonst  offenen
Länder  nah  und  fern  sind  jetzt  gesperrt  mit  Douanen  und  Zoll-Linien  umgeben
und  sind  daher  für  den  Solidität  und  Rechtlichkeit  gewöhnten  Kaufmann
verloren.  Nur  der  die  Hand  zum  Schmuggel  bietet  kann  noch  Geschäfte
machen  und  diese  sind  sehr  gefährlicher  Art,  nur  gering  und  nicht  von  Dauer.
Dafs  wir  freye  Bremer  nun  aber  noch  behülfiich  sein  sollen  auch  diesen  zu
schmählern  und  zu  Wasser  und  zu  Lande  mitzuwirken,  dafs  ein  sich  selbst
geschlossener  Staat  nicht  hintergangen  werde,  ist  so  hart  als  vielleicht  in  der
Folge  mit  grofsem  Unglück  verbunden.  —  So  wie  indessen  die  Sache  jetzo
liegt  sollen  wir  uns  dessen  fügen  und  so  fragt  es  sich  denn  nur,  wie  man  das
an  uns  gelangte  Ansinnen  „die  von  hier  ins  Hannoversche  fahrende
Fuhrleute  mit  Manifeste  zu  versehen“  für  unsern  Staat  und  dessen
Handel  möglichst  unschädlich  macht.  Nach  meiner  Meynung  ist  dazu  erforderlich:
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.