Full text : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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begrüßt  wurde,  und  Leipzig.  Darum  hat  sich  Bremen  diesem  Verbände, ­
  der  einigermaßen  sein  stärkstes  Handelsgebiet  umschlofs
und  lose  war,  angeschlossen,  dem  späteren  geschlossenen  und
kleineren  hannoverschen  Steuerverein  nicht.  Wegen  seiner  östlichen
Interessen,  seiner  Grenzlage  und  der  engeren  Beziehungen  zum
preufsischen  Gebiet  bleibt  auch  Hamburg  draufsen.
Soweit  entsprach  der  Bund  einer  natürlichen  Konstellation,
im  übrigen  war  er  ein  sehr  unnatürliches  Gebilde.  Die  mitteldeutschen ­
  Staaten  waren  in  allen  ihren  Nachbarbeziehungen  gestört,
die  Ausbildung  zu  einem  modernen  Handelsgebiet  ausgeschlossen,
und  das  Verharren  in  dem  alten  und  halbmodernen  Zustande
ebenso.  Der  schwächste  und  zugleich  wichtigste  Punkt  war  Kurhessen, ­
  das  ebensoviel  Grenzmeilen  wie  Quadratmeilen  hatte 1 ).
Es  fiel  zuerst  ab,  trotz  der  Feindschaft  des  Kurfürsten  gegen
Preufsen,  indem  es  das  Verhältnis  brach,  und  sich  deshalb  so  sehr
mit  Hannover  verfeindete,  dafs  Hessen  um  keinen  Preis  das
hessische  Stück  der  Grafschaft  Schaumburg  an  den  späteren
hannoverschen  Steuerverein  anschlofs,  das  also  in  Isolierung  verharren ­
  mufste.  Ein  Streich,  der  noch  etwas  früher  fiel,  war
die  Gestattung  einer  zollfreien  Durchgangsstrafse  zwischen  dem
preufsischen  und  dem  süddeutschen  Zollverein,  die  sich  wirtschaftlich
ziemlich  ähnlich  und  bereits  damals  in  einem  Handelsverträge  nähergetreten ­
  waren,  durch  Sachsen-Koburg-Gotha  und  Sachsen-Meiningen.
Die  Strafse  Gotha—  Oberhof  sollte  mit  preufsischer  Unterstützung
ausgebaut  werden.  Dadurch  erhielten  das  gothaische  und  das
meiningische  Land  die  weitaus  wichtigste  Strafse,  was  ihnen  sehr
verlockend  war.  Versuche,  kleinere  positive  Verbände  zu  bilden
unter  den  Mitgliedern  des  mitteldeutschen  Vereins,  blieben  ohne
Erfolg  —  auch  Smidt  hat  in  einer  Denkschrift  Ausführungen  dazu
gemacht  —,  sowohl  der  Einbecker  Verband,  an  dem  Kurhessen  teilnahm ­
  und  aus  dem  nachher  der  Steuerverein  hervorging,  wie  die
Bestrebungen  unter  den  thüringischen  Ländern.
Englands  Handelspolitik  stand  naturgemäß  bei  dem  Handelsverein. ­
  Er  setzte  sich  für  den  England  günstigen  status  quo  und
die  altgewohnten  Handelsverbindungen  ein,  die  der  Kaufmann  an
sich  schon  schätzt *  2 ).
*)  164  Meilen  Zollgrenze,  154  Geviertmeilen  Gebiet.  H.  v.  Treitschke,
Deutsche  Geschichte  im  19.  Jahrhundert,  IV.  T.,  S.  351.
2 )  England  formulierte  durch  Hannover  einen  Satz,  der  speziell  gegen
Preufsen  und  seine  zwei  Hälften  gerichtet  war,  nämlich,  dafs  gegen  von  Ausland
zu  Ausland  im  Verstände  von  Nichtmitgliedern  des  Handelsvereins  zu  Nichtmitgliedern ­
  des  Handelsvereins  gehendes  Transitgut  stärkeren  Abgaben  unterstellt ­
  werden  dürfe.
            
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