244
**
Es ist Duckwitz’s Politik gelungen, Bremen die Stellung zu
verschaffen, die es ihm ermöglichte, der deutsche Hafen des Zoll
vereins zu sein, der keine eigenen Häfen von Weltbedeutung besafs,
demzufolge Bremen und Hamburg die Möglichkeit, als seine Häfen
zu fungieren, geben mufste, wenn nicht Frankreich und die Nieder
lande den Vorteil, den der Seehandel in der Kette von Anteilen, die
der Handelszug mit sich bringt, darstellt, haben sollten.
Diesen Vorteil rechnete man in Deutschland z. B. in der
älteren Zeit den Hansestädten sehr genau und fast zur Schmach
an, obwohl sie ihn mit allen ihren Anstrengungen, die sie in Deutsch
lands allgemeinem Interesse in Bauten und Kommunikationen allein
machen mufsten, sehr hoch versteuerten, während man, wenn er
Holland und Frankreich zugute kam, nichts dabei zu erinnern
wufste, weil es ja fremde Länder waren. In der Zollpolitik der
Regierungen waren es z. T. Zwangsmafsregeln, auch z. T. politische
Schachzüge.
Das ist dann nur allmählich besser geworden, insofern den
Hansestädten ungünstige Tarifierungen etc. beseitigt wurden, Hollands
Sprödigkeit Gegenmafsregeln auslöste.
Die Idee eines Vereinsentrepots in Bremen, die bereits in der
Zeit des Handels- und Schiffahrtsbundes in Bremen aufgetaucht war,
ist erst nach 1856 mit der Errichtung des zollvereinlichen Haupt
zollamts und einer zollvereinlichen Niederlage in Bremen zustande
gekommen. Gleichzeitig begannen damit die Zollangliederungen von
Stücken des bremischen Gebiets. Dem Gedanken eines zollverein
lichen Weserkonkurrenzhafens, in den sich die alten hannoverschen
Handelskonkurrenzpläne umgesetzt hatten, wurde dadurch der Boden
entzogen.
Als der Norddeutsche Bund entstand, hatte man sich in Bremen
bereits mit dem Gedanken vertraut gemacht, in dem Zollverein
aufzugehen, und Otto Gildemeister war in Berlin sehr überrascht,
bereits in dem Entwurf die exklusive Stellung der Hansestädte
gesichert zu sehen. 1 ) Sie ist dann trotz mancher gegenteiliger
Stimmen geblieben, — und hat die bremischen Fabrikstädte Delmen
horst im Oldenburgischen, Hemelingen und Grohn-Blumenthal im
Preufsischen geschaffen, während bei den Industrieverlegungen von
bremischem Kapital nach dem Eichsfeld etc. die Lohnverhältnisse
mitsprechen, — weil man all die Umwälzungen scheute, die Ent-
*) W. v. Bippen, Geschichte der Stadt Bremen, Bd. III., 1904, S. 505.
— Im Norddeutschen Reichstag war H. H. Meier Freihafenanhänger, ebenso
waren es der hanseatische Ministerresident Krüger und die Hamburger Vertreter.