Full text: Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

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Die Seestellung Bremens ist ausgedehnt worden, soweit es die 
mangelhafte Kommunikation mit dem Hinterlande zuliefs und ist 
unendlich gewachsen, wie das Reich gewachsen ist. 
Da die in der angehenden Eisenbahnzeit unterschätzte Regel 
der bremischen Weserschiffahrtsdeputation von 1820 von der dem 
Flufssystem analogen Bedeutung der Mündungsstädte*) in der nötigen 
Kombination mit Halbmeeren und abgesehen von reinen Seeaus 
tauschplätzen wie London in der neueren Eisenbahnzeit der schweren 
Äustauschwirtschaft wieder an Richtigkeit gewonnen hat, für die 
Weser heute allerdings nur, insofern dadurch neben ihrem seit der 
Verschiebung des transatlantischen Handels auf historischer und 
organisatorischer Basis mit der Überseelage emporgewachsenen 
Stapelhandel, den der Mittelweserkanalisationsplan von 1898 erhalten 
bezw. ausdehnen sollte, ein Bezirk der Unwegsamkeit abgegrenzt 
wird, den Bremen unbedingt beherrscht, so wird das zwanzigste 
Jahrhundert das des Kampfes um die Binnenverbindungen und dem- 
gemäfs namentlich die Wasser Verbindungen werden. Das Mittel 
landkanalprogramm von 1905 ist ein Kompromifs zwischen der 
Auffassung der niederländischen Invasion durch Hamburg und das 
ganz im konkurrenzierten Gebiet belegene Emden in der Ab 
schneidung des Kanals bei Hannover und der Reduzierung des 
Weseranschlusses und der bremischen in der Verbindung des Kanals 
mit dem Rhein. 
Da auch die stärkste bremische Initiative und der gröfste 
finanzielle Wagemut, der auch eventuell kulturelle Erfordernisse der 
Stadt den freiwilligen Zubufsen der Bürger, nicht dem regelmäfsigen 
Stadthaushalt unterstellen mufs, nicht in der Lage ist, den langen 
Weg durchs Land sich zu bahnen, statt des kurzen bis an das 
freie Meer und damit übers Meer, so wird es darauf ankommen, 
wie hoch Deutschland Bremen einschätzt. 
Es ist ja verhältnismäfsig nicht allzu schwer, trotz der nicht 
geringen Kosten, Bremen bezw. den Weserhandelskomplex durch 
Anschlufs der Weser an die anderen Flufssysteme neben seinem 
selbständigen an dem gröfseren Hinterland zu beteiligen, namentlich 
durch die Anschlufslinien neues Hinterland aufzuschliefsen und mit 
ihnen zugleich weitere Querverbindungen zu bilden, unsere Reederei 
*) Der Oberweserverkehr betrug gegenüber der heutigen minimalen 
Quote Mitte des 19. Jahrhunderts ein Fünftel, die Elbe hatte noch drei Viertel 
des Rheinverkehrs, bei den deutschen Plätzen am Umschlag, beim Rhein an 
der niederländischen Grenze gemessen. Das ergibt unter Beziehung auf den 
Montanverkehr die eingetretene Verschiebung.
	        
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