— 281 —
Die Seestellung Bremens ist ausgedehnt worden, soweit es die
mangelhafte Kommunikation mit dem Hinterlande zuliefs und ist
unendlich gewachsen, wie das Reich gewachsen ist.
Da die in der angehenden Eisenbahnzeit unterschätzte Regel
der bremischen Weserschiffahrtsdeputation von 1820 von der dem
Flufssystem analogen Bedeutung der Mündungsstädte*) in der nötigen
Kombination mit Halbmeeren und abgesehen von reinen Seeaus
tauschplätzen wie London in der neueren Eisenbahnzeit der schweren
Äustauschwirtschaft wieder an Richtigkeit gewonnen hat, für die
Weser heute allerdings nur, insofern dadurch neben ihrem seit der
Verschiebung des transatlantischen Handels auf historischer und
organisatorischer Basis mit der Überseelage emporgewachsenen
Stapelhandel, den der Mittelweserkanalisationsplan von 1898 erhalten
bezw. ausdehnen sollte, ein Bezirk der Unwegsamkeit abgegrenzt
wird, den Bremen unbedingt beherrscht, so wird das zwanzigste
Jahrhundert das des Kampfes um die Binnenverbindungen und dem-
gemäfs namentlich die Wasser Verbindungen werden. Das Mittel
landkanalprogramm von 1905 ist ein Kompromifs zwischen der
Auffassung der niederländischen Invasion durch Hamburg und das
ganz im konkurrenzierten Gebiet belegene Emden in der Ab
schneidung des Kanals bei Hannover und der Reduzierung des
Weseranschlusses und der bremischen in der Verbindung des Kanals
mit dem Rhein.
Da auch die stärkste bremische Initiative und der gröfste
finanzielle Wagemut, der auch eventuell kulturelle Erfordernisse der
Stadt den freiwilligen Zubufsen der Bürger, nicht dem regelmäfsigen
Stadthaushalt unterstellen mufs, nicht in der Lage ist, den langen
Weg durchs Land sich zu bahnen, statt des kurzen bis an das
freie Meer und damit übers Meer, so wird es darauf ankommen,
wie hoch Deutschland Bremen einschätzt.
Es ist ja verhältnismäfsig nicht allzu schwer, trotz der nicht
geringen Kosten, Bremen bezw. den Weserhandelskomplex durch
Anschlufs der Weser an die anderen Flufssysteme neben seinem
selbständigen an dem gröfseren Hinterland zu beteiligen, namentlich
durch die Anschlufslinien neues Hinterland aufzuschliefsen und mit
ihnen zugleich weitere Querverbindungen zu bilden, unsere Reederei
*) Der Oberweserverkehr betrug gegenüber der heutigen minimalen
Quote Mitte des 19. Jahrhunderts ein Fünftel, die Elbe hatte noch drei Viertel
des Rheinverkehrs, bei den deutschen Plätzen am Umschlag, beim Rhein an
der niederländischen Grenze gemessen. Das ergibt unter Beziehung auf den
Montanverkehr die eingetretene Verschiebung.