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welches die Versorgung der „Herrschaftlichen Gerberey-Fabrique" *) mit
rohen Häuten im Auge hatte. Seit 1763 wurden auf den geistlichen
Stiftern in Schlesien unter Friedrich dem Großen „Lederfabriken"
unter Heranziehung der reichen Kapitalien der Stifts- und Klostergeist
lichkeit errichtet * 9 ), so eine auf dem Jungfrauenstift in GlogauH, eine
zweite auf dem Zisterzienzerstift zu Leubus 4 ), eine dritte vom Prä-
monstratenserstift zu St. Vinzenz in Breslaus und eine vierte vom
St. Matthiasftift zu Breslau 0 ). 1812 erging im Rezatkreis eine
staatliche Rundfrage über Anzahl und Bedarf der „Schaflederfabriken",
und daraufhin wurden selbst die kleinsten Weißgerber amtlich ver
nommen Z. Letzterer Umstand führt uns auf die Frage nach der
Größe jener Manufakturen und Fabriken:
Die Königsberger Manufaktur ging 1726 inkl. Privilegium und
Geräten um 1000 Rthlr. an die Schuhmacher über; der außerdem
noch vorhandene Ledervorrat wurde auf 10924 fl. preußisch geschätzt 8 ).
1762 schlug der bayrische Landesherr das in seiner Ledermanufaktur
steckende Kapital auf 25 000 Gulden an 9 ), und die böhmische Hand
schuhledermanufaktur verfertigte mit einem Meister und 6—8 Gesellen
jährlich ungefähr 18000—20000 Stück Felle nach filmischer, Brüssler
und dänischer Art, dann auch weiß auf Stöckelrahmen, schwarzrauch
und Lohleder; manche Felle wurden auch gefärbt 10 ). Die Lederfabrik des
Clarissinenstifts in Glogau wurde mit einem Aufwand von 12 000 Thlr..
errichtet, und die Zahl der Arbeiter betrug zuerst 4—5 Gesellen, seit
1773 14 Gesellen und 3 Taglöhner, seit 1787 13 Personen 11 ). Das
Stift zu Leubus hatte 12 Gruben und 1766 3 Gesellen und 2 Hand
langer 19 ); das Matthiasstift zu Breslau endlich besaß drei Küpen und
eine große Grube zu Sohl- und Fahlleder 18 ).
Vergleichen wir nun damit die Leistungsfähigkeit von Hand
werkern! Auf die Leistungsfähigkeit von Rotgerbern kann hier nicht
eingegangen werden"); sie besaßen gewöhnlich 2 Gesellen. Nach der Be
stimmung der Lübecker Rötlosschere von 1471 sollte in der Woche nie
mand mehr verarbeiten als 11 Decher 10 ); das sind jährlich 5720 Stück.
Ein Arbeiter stellte in Paris 1767 jährlich 5000 Stücke fertig 10 ), und
*) Gunzenhausen 1798—1804; 1752. 2 * ) I. f. N. 1892, Bd. IV, S. 688 ff.
-) Ebenda, S. 691, 703 ff. 4 ) Ebenda, S. 692, 714.
°) Ebenda, S. 692, 718. °) Ebenda, S. 692, 718.
0 Vgl. Rothenburg 1812. ») Krünitz 1795, Bd. LXVIII, S. 503—504..
9 ) Ebenda S. 493. ">) Ebenda S. 497. ") I. f. N. 1892, Bd. IV, S. 703.
- 9 ) Ebenda S. 714. IS ) Ebenda S. 718—719.
") Vgl. Gunzenhausen 1798—1804; 1801; Schanz 1884, S. 94, 209; Schau
platz 1767, Bd. VI, S. 55; 1775, Bd. II, S. 265; Schlözer 1784, Bd. VI, S. 187.
") Lübeck 1872, S. 389. 10 ) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 118.