Full text: Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

290 
welches die Versorgung der „Herrschaftlichen Gerberey-Fabrique" *) mit 
rohen Häuten im Auge hatte. Seit 1763 wurden auf den geistlichen 
Stiftern in Schlesien unter Friedrich dem Großen „Lederfabriken" 
unter Heranziehung der reichen Kapitalien der Stifts- und Klostergeist 
lichkeit errichtet * 9 ), so eine auf dem Jungfrauenstift in GlogauH, eine 
zweite auf dem Zisterzienzerstift zu Leubus 4 ), eine dritte vom Prä- 
monstratenserstift zu St. Vinzenz in Breslaus und eine vierte vom 
St. Matthiasftift zu Breslau 0 ). 1812 erging im Rezatkreis eine 
staatliche Rundfrage über Anzahl und Bedarf der „Schaflederfabriken", 
und daraufhin wurden selbst die kleinsten Weißgerber amtlich ver 
nommen Z. Letzterer Umstand führt uns auf die Frage nach der 
Größe jener Manufakturen und Fabriken: 
Die Königsberger Manufaktur ging 1726 inkl. Privilegium und 
Geräten um 1000 Rthlr. an die Schuhmacher über; der außerdem 
noch vorhandene Ledervorrat wurde auf 10924 fl. preußisch geschätzt 8 ). 
1762 schlug der bayrische Landesherr das in seiner Ledermanufaktur 
steckende Kapital auf 25 000 Gulden an 9 ), und die böhmische Hand 
schuhledermanufaktur verfertigte mit einem Meister und 6—8 Gesellen 
jährlich ungefähr 18000—20000 Stück Felle nach filmischer, Brüssler 
und dänischer Art, dann auch weiß auf Stöckelrahmen, schwarzrauch 
und Lohleder; manche Felle wurden auch gefärbt 10 ). Die Lederfabrik des 
Clarissinenstifts in Glogau wurde mit einem Aufwand von 12 000 Thlr.. 
errichtet, und die Zahl der Arbeiter betrug zuerst 4—5 Gesellen, seit 
1773 14 Gesellen und 3 Taglöhner, seit 1787 13 Personen 11 ). Das 
Stift zu Leubus hatte 12 Gruben und 1766 3 Gesellen und 2 Hand 
langer 19 ); das Matthiasstift zu Breslau endlich besaß drei Küpen und 
eine große Grube zu Sohl- und Fahlleder 18 ). 
Vergleichen wir nun damit die Leistungsfähigkeit von Hand 
werkern! Auf die Leistungsfähigkeit von Rotgerbern kann hier nicht 
eingegangen werden"); sie besaßen gewöhnlich 2 Gesellen. Nach der Be 
stimmung der Lübecker Rötlosschere von 1471 sollte in der Woche nie 
mand mehr verarbeiten als 11 Decher 10 ); das sind jährlich 5720 Stück. 
Ein Arbeiter stellte in Paris 1767 jährlich 5000 Stücke fertig 10 ), und 
*) Gunzenhausen 1798—1804; 1752. 2 * ) I. f. N. 1892, Bd. IV, S. 688 ff. 
-) Ebenda, S. 691, 703 ff. 4 ) Ebenda, S. 692, 714. 
°) Ebenda, S. 692, 718. °) Ebenda, S. 692, 718. 
0 Vgl. Rothenburg 1812. ») Krünitz 1795, Bd. LXVIII, S. 503—504.. 
9 ) Ebenda S. 493. ">) Ebenda S. 497. ") I. f. N. 1892, Bd. IV, S. 703. 
- 9 ) Ebenda S. 714. IS ) Ebenda S. 718—719. 
") Vgl. Gunzenhausen 1798—1804; 1801; Schanz 1884, S. 94, 209; Schau 
platz 1767, Bd. VI, S. 55; 1775, Bd. II, S. 265; Schlözer 1784, Bd. VI, S. 187. 
") Lübeck 1872, S. 389. 10 ) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 118.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.