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Hannover bildet heute das Vorzentmm von Bremen. Bremen
ist mit einer Stichbahn daran angeschlossen, statt dafs es früher
selber Zentrum war. Die einzige ziemlich selbständige Strecke ist
die auf Berlin. Es kann eine Dezentrierung, bezw. eine stärkere
Zentrierung auf Bremen wieder erfolgen, sobald die Konkurrenzlinien
wieder Durchgangslinien werden, was mit steigendem Verkehr ein-
treten würde. Hier ist, trotzdem unser Schnellverkehr eine Herab
setzung der Zahl der Zentralen bewirkt, eine neue Zentrale des Weser
landes entstanden, weil sie drei kleinere, die von den Überschneidungen
der natürlich am Gebirgsrand westöstlich entlang streichenden Strafse
mit den nord-südlichen abhängige ind, in sich aufgenommen hat,
und auch von dem östlicheren Braunschweig an sich gezogen hat.
Interessant ist es, wie wir mit dem wachsenden Verkehr von
heute und damit, wie einst bei den Naturstrafsen, eintretender
Demonopolisierung der Strafsen wiederum der alten Strafsen-
konfiguration näherkommen. Achtzig oder hundert Jahre, nachdem
die Geller Strafse verlassen worden ist, führt heute wieder eine
Eisenbahn von Bremen nach Celle, eine allerdings normalspurige,
aber ohne Schnellzüge gefahrene Lokalstrecke, die aber sofort zu
Gunsten Braunschweigs Durchgangsbedeutung gewinnen würde, wenn
der unglückliche Kompromifs Celle—-Lehrte—Braunschweig der direkten
Strecke weicht, die auch der Geller Allerumschlag entbehrt.*) In
Westfalen arbeiten heute Projekte, die alle die Nebenbahnen, die
auf der direkten Strafse Bremen—Frankfurt durch Westfalen liegen,
durch kurze Zwischenglieder verknüpfen wollen, allerdings über
Bünde, wohin eine Nebenbahn existiert, während die uralte Strafse
auf Minden über Bassum-Uchte noch heute gänzlich ohne Bahn
verbindung ist. 2 ) Die Mindener Strafse von Bremen ist die erste,
Vgl. a. Jahresb. d. Hdlsk. i. Bremen f. 1867 etc., v. Minden f. 1871, S. 18,19.
*) Es wird neuerdings von Verhandlungen berichtet.
2 ) Vgl. Jb. d. Hdlsk. i. Brem. f. 1886, S. 35, 1887, S. 48, 1888, S. 48,
1889, S. 30, 1892 S. 45, 1893, S. 42, 1894, S. 37, 1901 S. 98 etc.; Jb. d. H.
v. Minden f. 1887, S. 29,1888, S. 110,1889, S. 27. Wes.-Ztg.; Br. Naehr. (24./7.1908).
Der Abgeordnete Macoo (Siegen in Westfalen) besprach im preufaischen
Abgeordnetenhause bei den Verhandlungen über die neue Sekundärbahnvorlage,
die Mangelhaftigkeit der Verbindung vom Norden nach dem Süden, speziell von
Westfalen aus. Im Anschlufs daran erschien in der Westfälischen Zeitung
ein Artikel, den auch die Bremer Zeitungen abdruckten (Bremer Nachrichten
vom 5. Mai 1907), der das Projekt näher bespricht, das die vor
handenen Vollbahnen und Nebenbahnen der Strecke Kuxhaven—Lehe—Geeste
münde — Bremen — Bassum — Rahden — Bünde — Bielefeld — Paderborn—Nüttlar
Winterberg—Kölbe—Frankfurt, durch die Zwischenglieder Bünde—Bielefeld,
und Winterberg—Kölbe (statt vorhandener Umwegstreoke) ergänzt und Ausbau
als Vollbahn vorsieht, auch Anschlufs von Wilhelmshaven—Oldenburg hat, und