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Bibliothek des Instituts
für Weltwirtsdiaft Kiel
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tion lang die Produktion und Konsumtion lähmt. Andere
wieder sind der Meinung, daß die Liquidität nur ein Mittel zu einem Zwecke
sei, nämlich zu dem, das Wohlsein aller zu erhöhen. Es könne daher angemessener
sein, die Banken nur mäßig für den Kriegsfall vorzubereiten,
dafür aber organisatorische Abänderungen
der Geld- und Kreditordnung für den Kriegsfall ins Auge
zu fassen. Insbesondere rechnen viele mit der Verhängung eines Moratoriums
im Kriegsfall, wie es z. B. in Serbien und Bulgarien während des
Balkankrieges erlassen wurde. Es wird in einem Weltkrieg ein Moratorium
wohl kaum zu vermeiden sein, und es empfiehlt sich daher wohl, dies Moratorium
von vornherein in Rechnung zu stellen. Damit ist ja noch lange nicht
gesagt, daß die Banken keine Kriegsvorbereitungen treffen müssen, nur sind
dadurch gewisse Grenzen gegeben.
Es ist wohl zweckmäßiger, man macht sich das alles vorher klar, als
daß man von den Banken und Finanzministerien wirkliche Kriegsbereitschaft
erwartet, um dann im Ernstfall — oft zu spät — zu erfahren, daß doch
diesen Erwartungen nicht genügt werden konnte. Derartige peinliche Eröffnungen
in kritischen Zeiten sind nichts Seltenes, sie sind vor allem eine
Folge der zu weit getriebenen Ressortautonomie ; der eine Teil der Gesellschaft
weiß nicht genau, was der andere tut, und die
Gesamtheit ist sich über ihr Verhalten erst recht nicht im
klaren.
Es gibt eine Reihe von Vertretern der Bankkreise, welche mit großem
Nachdruck darauf hinweisen, daß die Banken im Kriegsfall allen Anforderungen
genügen könnten, und dennoch sollen die Auskünfte, welche seitens
der Banken während der Marokkokrise dem Deutschen Kaiser gemacht wurden,
ihn nicht befriedigt haben. Auch seitens der Heeresverwaltungen wird wohl
in vielen Ländern zeitweilig mit einer Leistungsfähigkeit der Finanzverwaltungen
gerechnet — die selbst wieder von jener der Banken abhängt —, die
nicht immer ganz den Tatsachen entspricht. Die Tendenz, die Geld- und
Kreditordnung in Schutz zu nehmen, führt auch dazu, daß der Börse in
Kriegszeiten eine Verteidigung zuteil wird, während von anderer Seite gerade
die Börse als Herd der Panik charakterisiert wird. Man weist dabei darauf
hin, daß die tollsten und unmotiviertesten Paniken in Friedenszeiten gerade
an den Börsen sich gezeigt haben, und daß es schlimm um einen Staat bestellt
sei, der in Kriegszeiten allein auf die Aufnahmsfähigkeit der Börse für
Renten angewiesen ist.
Selbst wenn man einen Kriegsplan ausarbeitet, der das glatte Funktionieren
der Banken und Börsen voraussetzt, sollte man auch einen zweiten
ausarbeiten, der ihr Versagen in Rechnung stellt. Nichts rächt sich
mehr, als das übertriebene Vertrauen in die Geld- und
Kreditordnung. Es ist schon allzuoft getäuscht worden.
Überhastete Reformen waren das Ergebnis.
Wir haben gesehen, daß eine wesentliche Störung der Geld- und Kreditordnung
durch die Zurückziehung ausländischer Gelder erfolgt. Manche treten
nun dafür ein, daß ein entwickeltes Börsen- und Banksystem diesen Zurückziehungen
durch Ansammlung fremder Effekten und Devisen Vorarbeiten solle.
Überdies sei durch den Besitz fremder Papiere die Möglichkeit gegeben, im
Kriegsfälle die feindliche Börse zu beunruhigen. Abgesehen davon, daß diese
Maßnahmen große Kosten verursachen, ist es mehr als fraglich, ob die feindliche
Börse wirklich auf diese Weise geschädigt werden kann. Wird seitens
des Feindes ein Moratorium erlassen, so versagt diese Vorkehrung
vollständig. Ich erinnere nochmal daran, daß zu Beginn des Deutschfranzösischen
Krieges eine Zeitlang in Berlin englische Devisen nicht verkauft
werden konnten, weil man fürchtete, England werde, um Frankreich
zu Hilfe zu kommen, die Einlösung der englischen Devisen entweder verweigern
oder mindestens wesentlich verzögern. Es ist übrigens strittig, wie
weit England als kriegführender Staat zur Einlösung verpflichtet wäre; aber
selbst wenn die völkerrechtliche Verpflichtung bestünde, müßte die Möglichkeit,
daß sie nicht eingehalten würde, ins Auge gefaßt werden. Selbstver-