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als eine Gelegenheit, wo Schaden dadurch vermieden werden kann, daß bestimmte
Probleme nur überhaupt berücksichtigt werden. Es wird nicht bei
einzelnen Beratungen in dieser Hinsicht verbleiben, man wird einmal daran
gehen müssen, das gesamte Verkehrssystem, sowie überhaupt das ganze Wirtschaftssystem
im Hinblick auf den Kriegsfall einheitlich zu organisieren.
Dann wird man auch ernstlich die Frage behandeln, wie weit Rohstoffreserven
im Friedensfall am Platze sind, insbesondere Kohlenreserven.
Im Kriegsfall werden solche Dinge allzu leicht überstürzt. Vorkehrungen, die
in Friedenszeiten billig zu treffen sind, verlangen dann leicht einen unverhältnismäßig
großen Kostenaufwand, wenn man dann überhaupt noch gute
Arbeit zu leisten imstande ist. Man vergißt von einer Mobilisierung zur nächsten,
was man an wirtschaftlichen Erfahrungen gesammelt hat, während die rein
militärischen Erfahrungen recht zuverlässig aufbewahrt zu werden pflegen.
Die Kontinuität der kriegswirtschaftlichen Erfahrung
fehlt. Während in früheren wirtschaftlichen und staatswissenschaftlichen Handbüchern
sich noch Artikel über Heer u. dgl. fanden, die freilich meist recht
unzulänglich waren, fehlen dieselben in den modernen Standardwerken vollkommen.
Im Wörterbuch der Volkswirtschaft oder im Handwörterbuch der
Staatswissenschaften sucht man vergeblich nach den Schlagworten Heer, Krieg
usw. Daß nicht Platzmangel daran schuld ist, beweist das Vorhandensein von
Artikeln über Wasenmeisterei, Hebammen usw. Wir vergessen daher rasch
die wirtschaftlichen Ereignisse der letzten Kriege. Wo findet man zuverlässiges
Material über die Runs im Jahre 1870/71 gesammelt? Es ist manchmal
nicht einmal möglich, mit Sicherheit festzustellen, ob in einer deutschen Stadt
in dieser Zeit eine Kriegslombardkasse funktionierte oder nicht, geschweige
denn, daß man immer über ihre Geschäftsführung unterrichtet wäre. Wie anders
wären wir heute daran, wenn alle einschlägigen Beobachtungen sofort gemacht
und aufgezeichnet worden wären, wenn sie etwa in der Art wie die militärischen
Kriegsbeobachtungen sofort notiert worden wären. Wie wichtig wäre es,
wenn neben die detaillierten historischen, strategischen
Studien auch solche kriegswirtschaftlicher, verpflegstechnischer
Art träten!
Auch die kriegswirtschaftlich bedeutsamen Vorkommnisse der Gegenwart
werden nirgends systematisch gesammelt. Recht gute Nachweise findet
man bei den Friedensfreunden, die bemüht sind, wenigstens die Zeitschriften
und wichtigsten Zeitungsartikel über diese Materie bibliographisch zusammenzufassen.
Wir besitzen eben keine kriegswirtschaftliche Zentralstelle,
welche die wichtigsten Vorkommnisse der Gegenwart aufzeichnen
und die Vergangenheit durchforschen könnte. Dies ist mit eine
Ursache, weshalb die kriegswirtschaftliche Organisation,
die Ordnung des Verkehrswesens und die Produktion
im Kriegsfall so schwer durchzuführen ist.
Es seien nun noch einige Bemerkungen über den internationalen
Markt angefügt. Der Krieg verändert häufig die Absatzwege bestimmter
Warengruppen. Aber es werden nicht nur die Wege verschoben, vielfach
werden bestimmte Konsumenten überhaupt ausgeschaltet. Um nur ein Beispiel
hervorzuheben: Frankreich verkauft Konfektionswaren an die ganze Welt.
Als der deutsch-französische Krieg dazu führte, daß Paris eingeschlossen wurde,
nahmen die Bestellungen Hollands, Italiens, Rußlands usw. ihren Weg nach
Berlin, statt nach Paris, und die militärischen Erfolge hatten unmittelbare
Einkommensvermehrung hervorgerufen. Damals ging auch der französische
Champagnerhandel zurück, während Deutschland für seinen Champagner neue
Absatzgebiete eroberte. In ähnlicher Weise kann der Handel dritter Staaten
durch einen Krieg beeinflußt werden.
Ich komme nun zu Problemen von noch größerer Tragweite. Ein Krieg
von längerer Dauer kann, wenn sich die Produktion an die geänderten Verhältnisse
anzupassen vermag, ähnlich wie ein Schutzzoll wirken.
Derartige Wirkungen von einiger Erheblichkeit dürfte im allgemeinen nur
ein Weltkrieg, wie jener vor hundert Jahren, ausüben. Was für Vorkommnisse
den Weltkrieg charakterisieren werden, wissen wir nicht genau. Sehr wahr-