Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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absehbarer Zeit dieser Tauschhandel in größerem Stil organisiert wird, indem 
bestimmte gesperrte Artikel wie Zucker, Petroleum usw. bestimmten Gebieten 
nur gegen die Verpflichtung übergeben werden, bestimmte Mengen Butter, 
Milch usw. abzuliefern. Damit gleitet freilich der Tauschhandel bereits in das 
verwaltungswirtschaftliche Fahrwasser hinüber. Im internationalen Handels 
verkehr tritt der Tauschhandel in der Form der Kompensationen auf. 
Der Export bestimmter Waren wird an den Import bestimmter anderer ge 
knüpft. Ja, Schweden hat sogar Goldzahlungen ausdrücklich zurückgewiesen 
und die Bezahlung in Waren verlangt. Vielleicht entwickelt sich hieraus eine 
Art Vorratswirtschaft für Zwecke des internationalen Handels, was um so nahe 
liegender wäre, als ja die Zukunftswirtschaft in erheblichem Ausmaß Vorrats 
wirtschaft sein wird. Die Edelmetallvorräte der Banken könnten so durch 
Vorräte andere rmarktgängiger Waren ersetzt werden, die über 
dies nicht so ausschließlich als Saldoware wie das Gold, sondern auch als 
unmittelbare Gebrauchsgegenstände Verwendung finden könnten. 
Das Auftreten der naturalwirtschaftlichen Erscheinungen 
war in allen großen Kriegen zu beobachten, wurde aber nicht einheitlich 
gewürdigt, weil man naturalwirtschaftliche Vorkommnisse für grundsätzlich 
primitiven Charakters hielt. Man übersah ganz, daß es in hoch entwickelten 
Kulturen, wie im alten Ägypten, Großnaturalwirtschaften gegeben hat und 
vielleicht einmal, wenigstens in gewissem Ausmaß, wieder geben kann. Kurzum, 
wir sehen, wie während des Weltkrieges die vordringende Verwaltungswirtschaft 
die Geldwirtschaft einschränkt, wie aber auch auf dem noch übrig bleibenden 
verkehrswirtschaftlichen Gebiet ebenfalls eine Ausbreitung naturalwirtschaftlicher 
Vorgänge zu beobachten ist.
	        
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