Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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selbst  wieder  auf  sehr  verschiedene  Ursachen  zurückgeht,  zum  Teil  darauf*,
daß  der  Krieg  zahlreiche  technische  Hilfsmittel,  insbesondere  Verkehrsmittel
schuf,  welche  später  weiten  Kreisen  zur  Verfügung  stehen  werden  (Automobile,.
Seilbahnen  usw.),  ebenso  Fabriksanlagen  zur  Herstellung  technischer  Hilfsmittel, ­
  zum  Teil  aber  darauf,  daß  er  die  technischen  Kenntnisse  weit  verbreitete ­
  und  die  technischen  Bedürfnisse  erhöhte  ;  haben  doch  viele  Bauern
jetzt  zum  ersten  Male  die  Vorteile  der  Technik  kennen  gelernt.
Was  aber  die  Sorge  vor  Überschuß  an  Arbeitskräften  anlangt,  die  mit
dem  Hinweis  auf  den  Rohstoffmangel  sofort  nach  Friedensschluß  begründet
wird,  so  muß  darauf  hingewiesen  werden,  daß  man  die  Möglichkeit  hat,  Arbeiten ­
  ausführen  zu  lassen,  welche  wenig  fremde  Rohstoffe  benötigen,  wie
Kanalbauten,  Wiederherstellungsarbeiten  usw.
Die  Ausgestaltung  der  Verbände  dürfte  zu  einer  weitgehenden  Ausschaltung ­
  des  Zwischenhandels  führen,  dessen  ursprüngliche  Funktion, ­
  Produzenten  und  Konsumenten  aufzuspüren  und  miteinander  zu  verbinden,
schon  seit  langem  wesentlich  verringert  war.  Während  des  Krieges  begann
man  allgemein  den  Vorwurf  zu  erheben,  es  werde  Kettenhandel  getrieben,
d.  h.,  eine  überflüssige  Zwischenstufe  zwischen  Produzenten  und  Konsumenten
eingeschoben.  Und  nun  murrt  man  in  weiten  Kreisen  darüber,  daß  überflüssige
Geschäftsleute  von  der  Gesamtheit  erhalten  werden  müßten.  Man  hört  nicht
mehr  das  alte  Schlagwort,  daß  die  Konkurrenz  die  Ware  verbillige,  sondern
das  neue,  je  mehr  Geschäftsleute  neben-  oder  hintereinander  am  Absatz  eines
Artikels  beteiligt  seien,  desto  teurer  würde  er  verkauft.  Man  weist  darauf  hin,
wie  Haus  neben  Haus  Geschäftsleute  der  gleichen  Branche  ihre  Waren  abgeben, ­
  wie  der  Käufer  die  Wohnungsmiete  und  den  standesgemäßen  Unterhalt
jedes  dieser  Verkäufer  zahlen  muß,  obgleich  ein  Bruchteil  der  so  beschäftigten
Personen  ausreichen  würde,  die  Verteilung  zu  ermöglichen.  Die  Übergangswirtschaft ­
  vermag  nun  die  Überführung  solcher  überflüssiger  Zwischenhändler
in  wirtschaftlich  bedeutsamere  Tätigkeiten  reibungsloser  als  die  Verkehrswirtschaft ­
  durchzuführen,  welche  dies  oft  nur  durch  Vernichtung  zahlloser  Existenzen
konnte.  Es  ist  charakteristisch,  daß  gerade  viele  Handelshochschullehrer  für  den
„sozialen  Handel“  eintreten,  für  einen  Handel,  der  eigentlich  mehr  ein  Verteilungsapparat ­
  ist.  Daß  aber  der  Handel  dazu  in  erheblichem  Ausmaß
ausgestaltet  werden  dürfte,  dafür  sprechen  gar  viele  Anzeichen.
Die  Verwaltungswirtschaft,  wie  sie  der  Krieg  zum  Teil  bereits  durchgesetzt ­
  hat,  wie  sie  die  Übergangswirtschaft  noch  weiter  ausbauen  dürfte,  ermöglicht ­
  aber  noch  viel  weiter  gehende  Eingriffe.  Sie  kann  ohne  übermäßige  Umwälzungen ­
  einen  wesentlichen  Einfluß  auf  die  Naturaleinkommen  Aller  ausüben.
Die  vom  Einzelnen  konsumierten  Naturalien  im  weitesten  Umfang,  ob  er  sie
nun  gekauft  hat  oder  nicht,  wollen  wir  als  Naturaleinkommen  bezeichnen.
Bisher  fehlte  in  der  geldwirtschaftlich  orientierten  wirtschaftswissenschaftlichen
Begriffswelt  dafür  ein  eigener  Name.  Man  kannte  nur  ein  Realeinkommen  als
den  Inbegriff  der  Dinge,  welche  man  für  sein  Geldeinkommen  kaufte,  und  ein
Naturaleinkommen  als  den  Inbegriff  der  Dinge,  welche  man  konsumierte,  ohne
sie  für  Geld  gekauft  zu  haben.  Die  Schichtung  der  Naturaleinkommen  kann
in  der  freien  Verkehrswirtschaft  nur  unter  grundsätzlichen  Veränderungen  der
ganzen  Struktur  einer  Gesellschaft  verändert  werden.  Die  Verwaltungswirtschaft
kann  dies  durch  allgemeine  Anwendung  der  Preisstaffelung  nach  dem
Einkommen  tun,  wenn  sie  nämlich  die  Verfügung  trifft,  daß  die  Käufer  mit
niedrigerem  Einkornmen  für  dieselbe  Ware  einen  niedrigeren  Preis  zahlen,  als
Käufer  mit  einem  höheren  Einkommen.  Diese  Preisstaffelung  hat  nun  im  Kriege
in  vielen  Städten  erhebliche  Anwendung  gefunden,  auch  wurde  schon  auf  genossenschaftlicher ­
  Basis  gelegentlich  eine  Staffelung  der  Mieten  nach  Kinderzahl ­
  und  Einkommen  versucht.  Die  Preisstaffelung  hat  den  Vorteil  großer
Elastizität  ;  man  kann  weitgehende  Veränderungen  der  Naturaleinkommen  durchführen, ­
  ohne  daß  die  Geldgewinne  der  Verkäufer  sich  ändern  müßten.  In
Friedenszeiten  wurde  gelegentlich  die  Preisstaffelung  von  Unternehmern  auch
angewendet,  um  ihren  Reingewinn  zu  erhöhen,  jetzt  hat  sie  vor  allem  einkommenspolitische ­
  Bedeutung.  Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  daß  das  Prinzip ­
  der  Preisstaffelung  sich  noch  weiter  verbreiten  wird,  insbesondere  auch
            
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