Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

166

kundtun.  Daß  die  ganze  Entwicklung  sich  in  dieser  Richtung  bewegt,  kann
wohl  als  sehr  wahrscheinlich  angenommen  werden.
ln  ähnlicher  Richtung  wird  wohl  auch  die  Entwicklung  des  bargeldlosen ­
  Zahlungsverkehrs  wirken.  Soweit  er  organisierend  eingreift,
wird  durch  ihn  mittelbar  die  Naturalwirtschaft  begünstigt,  da  nur  sie,
nicht  aber  die  (Feldwirtschaft  einer  auf  einem  Wirtschaftsplan ­
  auf  gebauten  Organisation  fähig  ist.  Der  bargeldlose  Zahlungsverkehr ­
  fördert  in  diesem  Sinne  nicht  nur  die  Entthronung  des  Goldes,
sondern  hilft  auch  die  Entthronung  des  Geldes  anbahnen.  Das  Geld,
wohl  ursprünglich  meist  ein  Geschöpf  des  Außenhandels,  drang  vor  Jahrtausenden ­
  in  die  in  verschiedenem  Maßstabe  organisierten  Naturalwirtschaften
ein.  Es  wirkte  bald  befreiend,  bald  zerstörend.  Hatte  es  früher  die  Fernsten
zu  Nächsten  gemacht,  so  machte  es  dann  die  Nächsten  zu  Fernsten,  schuf
Mitglieder  derselben  Gemeinschaft  zu  Konkurrenten  und  Gegnern  um.  Der
Geldgeber  wurde  zum  Feinde  aller,  seine  Hand  war  gegen  jedermann  und
jedermanns  Hand  gegen  ihn.  Erst  die  Entstehung  minderwertigen  Geldes
machte  es  wesentlich  von  gesellschaftlicher  und  staatlicher  Geltung  abhängig
und  trug  zu  seiner  Sozialisierung  bei.  Ihren  Höhepunkt  erreicht  dieselbe  durch
den  bargeldlosen  Zahlungsverkehr,  welcher  die  ohnehin  im  Gange  befindliche
Zentralisierung  des  Kredites  begünstigt.  Die  Macht  der  Banken  über  Produktion ­
  und  Verteilung  dürfte  in  absehbarer  Zeit  ebenso  gemeinwirtschaftlich
kontrolliert  werden  wie  jene  der  großen  Verbände,  sei  es  nun  durch  Eingliederung ­
  der  Banken  in  das  System  von  Verbänden  der  Produzenten,  Kreditgeber
und  Konsumenten,  sei  es  durch  unmittelbare  staatliche  Eingriffe.  Die  Entwicklung ­
  des  bargeldlosen  Zahlungsverkehrs  erhöht  zunächst  etwas  die  Bankmacht, ­
  ermöglicht  aber  dem  Staat  Interventionen  aller  Art,  erleichtert  die
Kontrolle  der  Einkommen,  die  Kontrolle  der  Zahlungen  und  gibt  vor  allem
ein  Mittel  an  die  Hand,  den  Verkehr  mit  dem  Auslande  genau  zu  überwachen,
insbesondere  dann,  wenn  uneinlösliches  Girogeld  (d.  i.  ausschließliche ­
  Verwendung  von  Verrechnungsschecks  mit  Kontenzwang  bei  größeren
Zahlungen)  als  Kurantgeld  eingeführt  wird.  Vorbilder  aus  dem  18.  Jahrhundert ­
  könnten  wohl  dazu  anregen.  Die  so  erfolgte  Zentralisation  der  Zahlungen, ­
  die  Übersichtlichkeit  der  Marktvorgänge  in  Verbindung  mit  dem  Verbandssystem, ­
  wie  es  die  Übergangswirtschaft  mehr  oder  weniger  ausgestalten
dürfte,  führt  dann  wohl  dazu,  daß  die  oben  angedeutete  Befreiung  vom  Gelde
noch  weiter  durchgeführt  und  nun  Ware  gegen  Ware  durch  Vermittlung  der
Zentralen  getauscht  wird.  Das  Naturaleinkommen  des  Einzelnen  wird  wohl
der  Angelpunkt  werden,  um  den  sich  die  Wirtschaft  dreht.  Über  Naturaleinkommen ­
  zu  verfügen,  müßte  Bestreben  der  Banken  sein,  welche  dann  eben
neben  Maschinen,  Grund  und  Boden  den  Verbänden  Naturaleinkommen  für
Arbeiter  kreditieren  würden,  wie  sie  heute  Geld  kreditieren.  Die  Schichtung
der  Einkommen,  die  mehr  als  heute  Ergebnis  politischer  Machtverhältnisse
wäre,  würde  sich  zunächst  nicht  allzu  sehr  ändern,  wohl  aber  dürfte  die  Gesamtproduktion ­
  ein  anderes  Bild  zeigen  ;  vor  allem  werden  gewisse  Gewinne
aus  reinen  Geldgeschäften,  Zwischenhandelsgewinne  und  ähnliche  Einkommensbestandteile ­
  völlig  entfallen.  Ob  der  unmittelbare  Einfluß  aller
Machtfaktoren  auf  die  Naturaleinkommen  nicht  schließlich ­
  anders  wilrken  wird  als  die  Ausübung  von  Macht  auf
dem  Umwege  über  die  Geldordnung,  ist  eine  zweite  Frage.
Der  Übergang  zu  einer  geldlosen  Wirtschaft  ist  freilich  durch  das  Bestehen ­
  der  aushaftenden  Schulden,  insbesondere  der  Staatsschulden,  wesentlich ­
  erschwert,  da  sich  ein  Analogon  in  der  Naturalwirtschaft  nicht  ohne  weiteres ­
  schaffen  läßt.  Es  ist  für  die  Geldschulden  wesentlich,  daß  sie  ein  konstantes ­
  Nominale  aufweisen.  Dies  bedeutet  z.  B.  bei  sinkender  Kaufkraft  eine
Begünstigung  der  Schuldner.  Das  Bestehen  von  Geldschulden  kann  bei  Veränderungen ­
  der  Konsumgütermenge  die  Verteilung  wesentlich  umgestalten.  Es
fragt  sich  nun,  ob  man  derlei  Eigentümlichkeiten  in  eine  Naturalrechnung
hinübernehmen  wird.  Vielleicht  wird  man  sich  gerade  bei  Erörterung  dieser
Fragen  allmählich  darauf  besinnen,  die  Grundsätze  festzulegen,  welche  man
bezüglich  zukünftiger  Verpflichtungen  anzuwenden  bestrebt  sein  will.  Man
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.