Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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richtung  liegende  Erscheinung  ausnützen  wollen.  In  einigen  Gebieten  hat  man
bereits  damit  begonnen,  den  Naturaltausch  zu  organisieren.  Der  Naturaltausch
könnte  dem  oben  an  gedeuteten  System  angegliedert  werden.  Die  ganze  Bewegung ­
  scheint  bereits  so  weit  gediehen,  daß  sie  nicht  mehr  ganz  aufzuhalten
ist.  Demgegenüber  spielt  es  eine  untergeordnete  Rolle,  daß  die  Ausbreitung
der  Beschlagnahmungen  und  der  Requisitionen  in  bäuerliche  Kreise,  welche
früher  daran  nicht  gewöhnt  waren,  größere  Geldsummen  brachte  und  so  gewissermaßen ­
  die  Geldwirtschaft  begünstigte.
Die  Naturalwirtschaft  tritt,  wie  wir  sahen,  gegenwärtig  in  enger  Verbindung ­
  mit  der  Verwaltungswirtschaft  auf.  Die  Geldwirtschaft  dagegen  ist  in
entfalteter  Form  wesentlich  Verkehrswirtschaft.  Der  Krieg  hat  die  einzelnen
Staaten  auf  sich  selbst  gestellt  und  auch  dadurch  die  Geldordnung  erschüttert,
die  in  erster  Reihe  internationalen  Charakter  hat.  Und  wenn  auch  nach  dem
Kriege  die  freiwillige  oder  erzwungene  wirtschaftliche  Autarkie  nicht  allzu
lange  fortdauern  sollte,  so  wird  dennoch  die  naturalwirtschaftliche  und  verwaltungswirtschaftliche ­
  Entwicklung  sich  auch  auf  dem  internationalen  Markt
geltend  machen.  Dieser  Weltkrieg  hat  ebenso  wie  andere  langdauernde  ^roße
Kriege  dazu  beigetragen,  die  Differenzierung  der  einzelnen  Ländergebiete
wesentlich  zu  verringern.  Ähnlich  wie  in  den  napoleonischen  Kriegen  wurde
die  Absperrung  die  Ursache  bedeutsamer  Erfindungen  und  Neugestaltungen.
Jeder  Staat  bemüht  sich,  alle  Zweige  der  Landwirtschaft  und  Industrie  zu  entwickeln. ­
  Die  ganze  wirtschaftliche  Tendenz  des  Zeitalters  macht  es  nun
äußerst  unwahrscheinlich,  daß  die  geschaffenen  Produktionszweige  nach  dem
Kriege  der  fremden  Konkurrenz  frei  ausgeliefert  werden.  Dazu  kommt  noch,
daß  die  Beseitigung  der  fremden  Unternehmer  und  Unternehmungen  die  Staatskontrolle ­
  wesentlich  erleichtert  und  fremden  Staaten  jede  Interventionsmöglichkeit ­
  erschwert.  Es  wird  auch  nach  dem  Weltkriege  ein  reger  internationaler
Handelsverkehr  bestehen,  derselbe  dürfte  aber  stark  gemeinwirtschaftlich  orientiert ­
  sein,  da  die  Staaten  wohl  darauf  aus  sein  werden,  jene  Artikel  importieren ­
  zu  lassen,  die  man  am  notwendigsten  braucht,  und  jene  exportieren  zu
lassen,  die  man  am  wenigsten  selbst  benötigt.  Es  ist  durchaus  wahrscheinlich,
daß  der  bereits  während  des  Krieges  im  großen  Stil  begonnene  Kompensationsverkehr, ­
  bei  dem  Warenmengen  gegen  Warenmengen  ausgetauscht  wurden,
wenn  auch  die  Zahlung  in  Geld  erfolgte,  auch  nach  dem  Kriege  fortdauern
wird.  Für  bestimmte  Warenkontingente,  welche  mengenmäßig  aufgezählt  werden,
dürfte  man  wieder  bestimmte  Warenkontingente  zubilligen.  Die  Handelsverträge ­
  würden  weniger  von  Zöllen  als  von  Warenmengen  sprechen,  welche
die  Staaten  einander  zugestehen.  Wir  werden  der  Naturalwirtschaft  auch
im  internationalen  Handel  begegnen.  Dies  um  so  mehr,  als  die
staatliche  Einfuhrkontrolle  wohl  längere  Zeit  gegenseitig  ausgeübt  werden
wird.  Dabei  wird  immer  wieder  die  Naturalrechnung  maßgebend  sein.  Die
bloße  Tatsache,  daß  ein  Export  Geld  hereinbringt,  wird  nicht  genügen,  um
ihn  staatlich  begehrenswert  zu  machen.  Der  Export  von  wichtigen  Metallwaren ­
  und  ähnlichem  dürfte  wohl  nur  dann  erfolgen,  wenn  dafür  wichtige
Artikel  hereinkommen,  nicht  etwa  kostbare  Unterwäsche  oder  Edelsteine.  Es
wird  wohl  stärker  als  bisher  darauf  hingewiesen  werden,  daß  alle  großen  Industrien ­
  schließlich  von  Steuergeldern  und  Monopolbeiträgen  erhalten  werden.
Während  in  der  freien  Verkehrswirtschaft  der  Preis  als  eine  automatisch  festgestellte ­
  Größe  im  allgemeinen  nicht  gemein  wirtschaftlich  beurteilt  wurde,
ist  ein  von  Verbänden  unter  staatlicher  Kontrolle  festgestellter  Preis  ein  unmittelbares ­
  Ergebnis  von  Machtfaktoren  und  wird  als  eine  Leistung  der  Gesamtheit ­
  empfunden  werden.  Die  gemeinwirtschaftliche  Kritik  wird  bei  jeder
Position  einsetzen  und  Export  und  Import  werden  vom  Standpunkt  der  Naturalrechnung ­
  aus  als  Mittel  einer  möglichst  wirtschaftlichen  Bedarfsbefriedigung
beurteilt  werden.
Dieser  naturalwirtschaftliche  Geist  dürfte  bereits  in  den  Friedensverhandlungen
  zum  Ausdruck  kommen,  und  es  ist  möglich,  daß  Kriegsentschädigungen ­
  in  Form  von  Naturalien  bezahlt  werden,  nicht  in  Form  von  Geld.
Es  ist  ja  eine  bekannte  Tatsache,  daß  die  größte  Geldentschädigung  die  Machtverhältnisse ­
  nicht  wesentlich  verschieben  kann,  wenn  die  Zahlung  nicht  wie
            
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