Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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welche  alle  Vorkommnisse  in  Einzelteile  zerlegen  will,  von  denen  jeder  zahlenmäßig ­
  für  sich  erfaßbar  sei,  um  durch  Addition  das  Ganze  ableiten  zu  können,
wie  dies  das  Geld  leisten  sollte.
Wirtschaftsordnung  und  wirtschaftliches  Denken  ändern  sich  so  in  grundsätzlicher ­
  Weise.  Die  Menschen  werden  in  der  neuen  Ordnung  wohl  nicht
edler  sein  als  bisher,  dennoch  können  viele  unerfreuliche  Vorkommnisse  wegfallen, ­
  welche  durch  gewisse  organisatorische  Eigentümlichkeiten  der  Verkehrswirtschaft ­
  möglich  gemacht  oder  fast  erzwungen  wurden.  Wenn  auch  eine
Wirtschaftsordnung  Kultur  nicht  automatisch  fordern  kann,  so  kann  man  es
mindestens  vermeiden,  sie  unter  das  Niveau  zu  senken,  welches  durch  die
Charaktereigenschaften  der  einzelnen  Individuen  ermöglicht  wäre.  Nicht  wenige
haben  nun  die  Anschauung  vertreten,  daß  die  verflossene  Friedenswirtschaft
durch  die  freie  Konkurrenz,  durch  das  Auf  zwingen  und  Auf  schwatzen  unerwünschter ­
  Waren  die  Verbreitung  minderwertiger  Produkte  gefördert  habe.
Die  freie  Konkurrenz  habe  ein  System  von  gegenseitiger  Unterdrückung  gefördert ­
  und  zu  oft  unerfreulichen  Maßnahmen  Veranlassung  gegeben.  Die
Menschen,  welche  ohne  diese  Form  des  Kampfes  an  einer  Förderung  der  Gesamtheit ­
  hätten  arbeiten  wollen,  seien  immer  an  die  Wand  gedrückt  worden.
Auch  in  der  Zukunftswirtschaft,  wie  sie  als  wahrscheinlich  bevorsteht,  würden
entgegenstehende  Charaktere  einander  gegenübertreten,  es  besteht  aber  die
Möglichkeit,  daß  die  Gesamtorganisation  sich  nicht  von  vornherein  gegen  jene
ausspricht,  welche  unmittelbaren  kulturellen  Einfluß  auszuüben  trachten.  Die
Gegner  werden  gewissermaßen  auf  gleicher  Basis  einander  gegenübertreten.
Die  Bedenken  gegen  die  Verwaltungswirtschaft  sind  freilich  auch  nicht  unerheblich. ­

Von  allen  Seiten  hört  man  seit  Jahren  die  Anschauung  vertreten,  die
Wirtschaftswissenschaften  gingen  einer  Krise  entgegen.  Die
einen  suchten  dies  mehr  äußerlich  zu  erklären,  andere  vermuteten  tieferliegende
Ursachen.  Die  obigen  Darlegungen  deuten  darauf  hin,  daß  die  grundsätzliche
Umwandlung  des  Denkens  auch  die  Wirtschaftswissenschaften  ergreifen  werde.
Konsumgenuß  und  Arbeitsleid  werden  in  den  Vordergrund  der  Betrachtungen
treten.  Die  Wirtschaftlichkeit  der  verschiedenen  Wirschaftsordnungen  wird
systematisch  untersucht  werden.  Preis,  Lohn,  Zinsfuß  usw.  werden  als  Bestandteile ­
  gewisser  Ordnungen  in  Frage  kommen,  und  zwar  nur  als  Bedingungen
der  Bedarfsbefriedigung.  Daneben  wird  man  aber  auch  Ordnungen  zu  würdigen
vermögen,  welche  all  diese  Einrichtungen  gar  nicht  kennen.
Diese  Wandlung  wird  eine  völlige  Umgruppierung  der  Wirtschaftswissenschaften ­
  zur  Folge  haben.  Was  die  Volkswirtschaftslehre,  die  Privatwirtschaftslehre, ­
  die  Finanzwissenschaft  Bedeutsames  geleistet  haben,  bleibt  un  verloren.
Es  erhält  aber  eine  neue  Stelle  im  Rahmen  der  umfassenden  Wirtschaftstheorie,
die  freilich  in  einem  anderen  Sinne  Theorie  als  die  bisherige  wäre.  Das  naturale
Wesen  aller  Leistungen  wird  mehr  Berücksichtigung  als  bisher  erfahren.  Die
Finanzwissenschaft  insbesondere  wird  einer  grundsätzlichen  Umgestaltung  bedürfen, ­
  da  sie  allzu  sehr  geldwirtschaftlich  orientiert  war.  Aber  selbst  die
Überleitung  in  die  Staatswissenschaftslehre  dürfte  nicht  recht  möglich  sein,
weil,  wie  wir  oben  hervorgehoben  haben,  Privatwirtschaft  und  Staatswirtschaft ­
  nicht  mehr  einander  ausschließende  Begriffe  sein  werden.  Preisstaffelung
und  Steuerstaffelung  werden  vielleicht  im  selben  Hauptabschnitt  zu  behandeln
sein.  Produktionsprämien,  welche  etwa  eine  Behörde  auszahlt,  werden  ihren
Wirkungen  gemeinsam  mit  gewissen  Reingewinnen  zusammengestellt  werden.
Die  Stagnation  in  den  Wirtschaftswissenschaften  wird  so  einem  mächtigen
Aufschwung  Platz  machen,  historische  und  theoretische  Interessen  werden  ebenso
wie  praktische  zu  ihrem  Rechte  kommen.  Dadurch,  daß  die  Wirtschaftswissenschaften ­
  die  neue  Gestaltung  der  Dii^e  wirklich  aufnehmen  und  durchforschen,
wird  sie  sie  für  die  Zukunft  erhalten.  Die  gegenwärtigen  Veränderungen  des  Weltkrieges ­
  hätten  sich  vielleicht  auch  bei  einer  anderen  Wirtschaftsform  durchge-
            
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