Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Wo aber nicht zu einer eigentlichen Verstaatlichung geschritten wird, 
wird durch die Einfügung der Unternehmer in die Wirtschaftsleitung der 
absolutistische Geist, welcher der Verwaltungswirtschaft auf dem Gebiete der 
Produktion ohnehin innewohnt, vielleicht sogar noch gestärkt werden. Die 
Unternehmer — auch sehr sozial gesinnte wie z. B. Abbé — haben einen Pro- 
duktionskonstitutionalismus, welcher den Arbeitern einen Einfluß auf den Pro 
duktionsvorgang ermöglichen würde, meist bekämpft. Und wenn sich nun 
auch die Unternehmer in ihrer neuen Stellung im Rahmen gemein wirtschaft 
lich kontrollierter Verbände staatlich verhalten müßten, so werden sie dennoch 
weiter die ihnen unterstehenden Wirtschaftsgebiete absolutistisch verwalten 
wollen, was ja auch von vielen Beamten angestrebt wird. Es macht nicht 
den Eindruck, als ob dies in nächster Zeit anders werden sollte. Wohl 
aber kann mit einer öffentlichen Kontrolle der Gesamt 
ergebnisse gerechnet werden, die in immer demokrati 
scherem Geiste stattfinden würde. Innerhalb der Produk 
tion dürfte eine Art aufgeklärter Wirtschaftsabsolutismus 
herrschend sein. Ob dieser in einer fernen Zukunft einmal genossenschaftlichen 
Formen weichen wird, bleibe hier ununtersucht. Ebenso, in welcher Weise 
die stark zentral beeinflußte Wirtschaft der Zukunft — ganz gleich, ob sie 
nun den Einzelnen größere oder geringere Freiheit läßt — später einmal 
überwunden werden wird. 
Die Arbeiterschaft, welche ebenfalls an Einfluß auf die Staats 
gewalt gewonnen hat, dürfte immer mehr die Wohnungs-, Einkommens- und 
Lebensmittelpolitik, die Frage der Arbeiterverteilung und der Auswanderung 
unmittelbar beeinflussen, aber ihr Einfluß auf die Industrie- und Handels 
politik dürfte in der Übergangswirtschaft wohl vorzugsweise auf den Weg 
über die Vertretungskörper beschränkt sein. Von dorther ist 
aber mit einer gemeinwirtschaftlicheren Orientierung zu 
rechnen. 
Es sind einander in mannigfacher Weise durchkreuzende Tendenzen, welche 
die zukünftige Wirtschaftsordnung vorbereiten. Im großen und ganzen sieht 
man eine Abkehr von der geldwirtschaftlich orientierten Ver 
le e h r s w i r t s c h a f t zur naturalwirtschaftlich aufgebauten 
Verwaltungswirtschaft, welche grundsätzlich die Naturalrech 
nung eines Wirtschaftsplans allen Maßnahmen zugrunde zu legen 
sucht. Ebenso, wie sidi die freie Verkehrswirtschaft nie ganz durchsetzte, 
dürfte sich auch die Verwaltungswirtschaft nicht ganz durchsetzen. Wir können 
sogar von vornherein vermuten, daß sich späterhin auflösende Momente und 
Widerstände gegen individuelle Beschränkungen zeigen werden, welche die 
Unterordnung des Einzelnen unter die Gesamtheit aufzu 
heben bemüht sein werden. Daß freilich die einmal beseitigte Geld 
wirtschaft wiederkehren werde, ist sehr unwahrscheinlich, weil die Geldord 
nung mit unzweckmäßigen Eigentümlichkeiten anderer Herkunft behaftet war, 
die, einmal beseitigt, kaum wieder geschaffen werden dürften. Eher wäre es 
denkbar, daß kleinere Gruppen abgegrenzte wirtschaftliche Rechte und staat 
liche oder verbandsmäßige Unterstützung erhalten, so daß sie die von ihnen 
erstrebten Daseinsformen ungestört verwirklichen könnten und ihnen eine ge 
wisse Selbständigkeit und Eigenart im Rahmen größerer Gemeinschaften ge 
wahrt wäre. Die Erörterung solcher fernen Möglichkeiten bleibe einem spä 
teren Zeitpunkt überlassen. 
All diese Veränderungen bedeuten wahrscheinlich das Ende der Krisen 
und Depressionen. Damit wird aber auch jene unfreiwillige Reserve 
an produktiven Kräften verschwinden, welche in früheren Zeiten in 
folge Unterbenützung bestand und die gegenwärtige Kriegführung wesentlich 
erleichterte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die nun der 
Wirtschaft geschenkte Fähigkeit, ihre Kräfte auszunüt 
zen, den Frieden zwischen den Völkern erleichtern wird, 
zumal der in der früheren Wirtschaftsform steckende 
Drang zur Expansion nach außen, ehe noch das eigene
	        
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