Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

170

Wo  aber  nicht  zu  einer  eigentlichen  Verstaatlichung  geschritten  wird,
wird  durch  die  Einfügung  der  Unternehmer  in  die  Wirtschaftsleitung  der
absolutistische  Geist,  welcher  der  Verwaltungswirtschaft  auf  dem  Gebiete  der
Produktion  ohnehin  innewohnt,  vielleicht  sogar  noch  gestärkt  werden.  Die
Unternehmer  —  auch  sehr  sozial  gesinnte  wie  z.  B.  Abbé  —  haben  einen  Produktionskonstitutionalismus,
  welcher  den  Arbeitern  einen  Einfluß  auf  den  Produktionsvorgang ­
  ermöglichen  würde,  meist  bekämpft.  Und  wenn  sich  nun
auch  die  Unternehmer  in  ihrer  neuen  Stellung  im  Rahmen  gemein  wirtschaftlich ­
  kontrollierter  Verbände  staatlich  verhalten  müßten,  so  werden  sie  dennoch
weiter  die  ihnen  unterstehenden  Wirtschaftsgebiete  absolutistisch  verwalten
wollen,  was  ja  auch  von  vielen  Beamten  angestrebt  wird.  Es  macht  nicht
den  Eindruck,  als  ob  dies  in  nächster  Zeit  anders  werden  sollte.  Wohl
aber  kann  mit  einer  öffentlichen  Kontrolle  der  Gesamtergebnisse ­
  gerechnet  werden,  die  in  immer  demokratischerem ­
  Geiste  stattfinden  würde.  Innerhalb  der  Produktion ­
  dürfte  eine  Art  aufgeklärter  Wirtschaftsabsolutismus
herrschend  sein.  Ob  dieser  in  einer  fernen  Zukunft  einmal  genossenschaftlichen
Formen  weichen  wird,  bleibe  hier  ununtersucht.  Ebenso,  in  welcher  Weise
die  stark  zentral  beeinflußte  Wirtschaft  der  Zukunft  —  ganz  gleich,  ob  sie
nun  den  Einzelnen  größere  oder  geringere  Freiheit  läßt  —  später  einmal
überwunden  werden  wird.
Die  Arbeiterschaft,  welche  ebenfalls  an  Einfluß  auf  die  Staatsgewalt ­
  gewonnen  hat,  dürfte  immer  mehr  die  Wohnungs-,  Einkommens-  und
Lebensmittelpolitik,  die  Frage  der  Arbeiterverteilung  und  der  Auswanderung
unmittelbar  beeinflussen,  aber  ihr  Einfluß  auf  die  Industrie-  und  Handelspolitik ­
  dürfte  in  der  Übergangswirtschaft  wohl  vorzugsweise  auf  den  Weg
über  die  Vertretungskörper  beschränkt  sein.  Von  dorther  ist
aber  mit  einer  gemeinwirtschaftlicheren  Orientierung  zu
rechnen.
Es  sind  einander  in  mannigfacher  Weise  durchkreuzende  Tendenzen,  welche
die  zukünftige  Wirtschaftsordnung  vorbereiten.  Im  großen  und  ganzen  sieht
man  eine  Abkehr  von  der  geldwirtschaftlich  orientierten  Verle ­
  e  h  r  s  w  i  r  t  s  c  h  a  f  t  zur  naturalwirtschaftlich  aufgebauten
Verwaltungswirtschaft,  welche  grundsätzlich  die  Naturalrechnung ­
  eines  Wirtschaftsplans  allen  Maßnahmen  zugrunde  zu  legen
sucht.  Ebenso,  wie  sidi  die  freie  Verkehrswirtschaft  nie  ganz  durchsetzte,
dürfte  sich  auch  die  Verwaltungswirtschaft  nicht  ganz  durchsetzen.  Wir  können
sogar  von  vornherein  vermuten,  daß  sich  späterhin  auflösende  Momente  und
Widerstände  gegen  individuelle  Beschränkungen  zeigen  werden,  welche  die
Unterordnung  des  Einzelnen  unter  die  Gesamtheit  aufzuheben ­
  bemüht  sein  werden.  Daß  freilich  die  einmal  beseitigte  Geldwirtschaft ­
  wiederkehren  werde,  ist  sehr  unwahrscheinlich,  weil  die  Geldordnung ­
  mit  unzweckmäßigen  Eigentümlichkeiten  anderer  Herkunft  behaftet  war,
die,  einmal  beseitigt,  kaum  wieder  geschaffen  werden  dürften.  Eher  wäre  es
denkbar,  daß  kleinere  Gruppen  abgegrenzte  wirtschaftliche  Rechte  und  staatliche ­
  oder  verbandsmäßige  Unterstützung  erhalten,  so  daß  sie  die  von  ihnen
erstrebten  Daseinsformen  ungestört  verwirklichen  könnten  und  ihnen  eine  gewisse ­
  Selbständigkeit  und  Eigenart  im  Rahmen  größerer  Gemeinschaften  gewahrt ­
  wäre.  Die  Erörterung  solcher  fernen  Möglichkeiten  bleibe  einem  späteren ­
  Zeitpunkt  überlassen.
All  diese  Veränderungen  bedeuten  wahrscheinlich  das  Ende  der  Krisen
und  Depressionen.  Damit  wird  aber  auch  jene  unfreiwillige  Reserve
an  produktiven  Kräften  verschwinden,  welche  in  früheren  Zeiten  infolge ­
  Unterbenützung  bestand  und  die  gegenwärtige  Kriegführung  wesentlich
erleichterte.  Es  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  die  nun  der
Wirtschaft  geschenkte  Fähigkeit,  ihre  Kräfte  auszunützen, ­
  den  Frieden  zwischen  den  Völkern  erleichtern  wird,
zumal  der  in  der  früheren  Wirtschaftsform  steckende
Drang  zur  Expansion  nach  außen,  ehe  noch  das  eigene
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.