Full text: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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schaftlicher Markt ähnlich dem unseren bestände, eine allgemeine und durch 
gehende Anteilschaftsbeteiligung möglich. 
Der Roheisenverband könnte an der Naturalproduktion oder an den Natu 
ralien, welche für das Produkt erhalten werden, jenes Verbandes beteiligt sein, 
welchem er Fertigfabrikate liefert, dieser wieder, der etwa Maschinen liefert, 
könnte an den Produkten beteiligt sein, welche die Fabriken liefern, welche 
diese Maschinen erhalten. An keiner Stelle brauchte eine Abmachung auf feste 
Mengen einzutreten, was bei einem Pankartellismus in der Geldordnung un 
bedingt nötig wäre, weil an irgend einer Stelle Geldsummen, nicht Anteils 
rechte auf Geldsummen auftauchen müßten. In dem naturalwirtschaftlichen 
Marktverkehr dagegen könnte überall die Anteilschaft durchgeführt sein, weil 
ja von der Naturalproduktion immer ein Anteil abgegeben werden kann. Ob 
das wünschenswert und politisch durchführbar ist, kümmert unsere theoretische 
Betrachtung ebensowenig, wie die rein geldtheoretische Betrachtung die Frage, 
ob alle ihre Abstraktionen und Konstruktionen in der Realität Vorkommen. 
Alles das sind Modelle, an denen wir unsere Beobachtungsgabe und unsere 
Einsicht schulen. 
Auch der Außenhandel wäre in der Naturalwirtschaftslehre entspre 
chend zu behandeln. Wir könnten uns in einer staatlich kontrollierten Groß 
naturalwirtschaft den Staat als Verwalter von Warenkontingenten denken, über 
deren Export er entscheidet. Er würde etwa den Export genau umschriebener 
Mengen an die Bedingung knüpfen, daß seitens eines anderen Staates der Im 
port von anderen Waren zugesichert werde. In gewissem Sinne kamen ja 
ähnliche Einrichtungen auch heute schon vor, z. B. in den Abmachungen 
zwischen Rumänien und den Mittelmächten. Auch sonst kann der Staat welt 
wirtschaftlich bedeutsame Eingriffe naturalwirtschaftlicher Art vornehmen, wenn 
er z. B. sich die Disposition über den gesamten Schiffsraum eines Landes vor 
behält. Auch in diesem Falle würde wohl eine umfassende Naturalrechnung für 
die Verteilung maßgebend sein. Die Geldentschädigung, welche die einzelnen 
Exporteure und Importeure der Schiffahrtsgesellschaft dann zahlen, wären 
nicht entscheidend für die Verteilung des Schiffsraums. Auch hier ist die Ver 
bandsbildung im Vorrücken begriffen, ja es kommen bereits Abmachungen auf 
längere Zeiträume vor. Wir müßten so den Versuch machen, weltwirtschaftliche 
Modelle naturalwirtschaftlicher Art zu entwerfen und die Wirkungen solcher 
Einrichtungen untersuchen. Wenn wir uns dann genauer mit rein naturalwirt 
schaftlichen Modellen des Weltverkehrs beschäftigt haben, können wir an die 
Mischformen herantreten, die uns nach dem Kriege voraussichtlich entgegen 
treten werden. Denn daß der Staat auch nach dem Kriege die Weltwirtschaft 
stärker als früher zu beeinflussen trachten wird, unterliegt doch wohl keinem 
Zweifel, zumal man politische Momente eine entscheidende Rolle spielen lassen 
dürfte. 
Wir können durch solche Betrachtungen unseren theoretischen Horizont 
wesentlich erweitern und auf diese Weise auch den Fragen der Gegen 
wart leichter gegenübertreten. Keime werden früher als solche erkannt und 
viele Erscheinungen erst in ihrer vollen Bedeutung gewürdigt werden. Es 
hängt dann von der politischen Stellungnahme des Einzelnen ab, ob er die so 
entdeckten Keime pflegen und hegen, oder aber vernichten will. Derlei 
Wünsche zu erzeugen ist nicht mehr Aufgabe der Wissenschaft. Aber auch 
die historische Forschung würde von einem Ausbau der Naturalwirtschafts 
lehre im angedeuteten Sinne wesentlich gewinnen. Wir verfolgen erfahrungs 
gemäß jene Vorgänge am genauesten, denen wir auch theoretisch einen ge 
wissen Reiz abzugewinnen vermögen. Es ist wohl kein Zufall, daß man jetzt 
auch in der Vergangenheit mehr kriegswirtschaftlich Interessantes findet, ob 
gleich das diesbezügliche Material seit jeher leicht greifbar vorlag. Ähnlich 
steht es mit den naturalwirtschaftlichen Erscheinungen. Während man die 
Entwicklung der Geldwirtschaft bis in alle feinsten Verzweigungen verfolgte, 
isolierte Sonderbarkeiten untersuchte, hat man die naturalwirtschaftlichen Ein 
richtungen sehr obenhin erforscht und die doch historisch gegebenen 
höheren naturalwirtschaftlichen Institutionen in der natio 
nalökonomischen Literatur so gut wie gar nicht gewürdigt. Erwähnte man
	        
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