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XI.
Großvorratswirtschaft und Notenbankpolitik.
(1917.)
Die geldwirtschaftlichen Einrichtungen sind dadurch charakterisiert, daß
sie irgendwie mit Geldzahlungen Zusammenhängen, d. h. mit der Übertragung
mannigfachster Dinge und Leistungen, ohne daß im Augenblick
der Erwartungsübertragung die Menge und Art der zu erwartenden Dinge
und Leistungen bestimmt wäre. Die naturalwirtschaftlichen Einrichtungen sind
dadurch charakterisiert, daß sie mit bestimmten Leistungen und Dingen rechnen,
sei es, daß diese unmittelbar verwaltet werden, oder daß Anweisungen auf
bestimmte Mengen oder Anteile von näher bestimmten Dingen und
Leistungen eine Rolle spielen. Zwischen diesen Formen gibt es allerlei
Übergänge. Insbesondere müssen wir den Fall ins Auge fassen, daß die Mannigfaltigkeit
der Auswahl, welche für die Anweisungen in Frage kommt, verschieden
groß sein kann. Man wird daher keine strenge Scheidung in Geldwirtschaft
und Naturalwirtschaft vornehmen können.
Wenn wir eine Zunahme der Naturalwirtschaft annehmen, so meinen wir
damit, daß die Anweisungen auf unbestimmte Arten von Dingen und Leistungen
eine geringere Rolle als früher spielen. Von Naturalwirtschaft im
gegenwärtigen Zeitalter zu sprechen, widerstrebt vielen, weil sie die Naturalwirtschaft
als eine primitive Organisationsform ansehen und wohl gar der
Hauswirtschaft gleichsetzen. Dazu besteht aber keine Veranlassung. Wir
wollen Naturalwirtschaften aller Stufen unterscheiden und neben naturalen
Staatswirtschaften auch eine Weltwirtschaft auf naturaler Grundlage in Erwägung
ziehen. Jedenfalls wollen wir von der Stufenfolge Naturalwirtschaft,
Geldwirtschaft, Kreditwirtschaft absehen. Um die Tatsachen von diesem Standpunkt
aus vollkommen beschreiben zu können, bedarf es eigentlich einer neuen
Namengebung. Im folgenden wollen wir uns darauf beschränken, den Begriff
der Kauf breite des Geldes neu einzuführen und ihn der K a u f -
stärke gegenüberzustellen. Wir sagen von einer Geldsumme, ihre Kaufbreite
sei unbeschränkt, wenn man für sie Waren aller Art kaufen kann,
wir sagen, ihre Kaufbreite sei beschränkt, wenn man für sie bestimmte Waren
nicht kaufen kann. Kann man für eine bestimmte Geldsumme nur eine
Warenart kaufen, so ist das Geld zu einer Naturalanweisung geworden, welche
aber nach Geldeinheiten berechnet erscheint. Wenn man für dieselbe Geldmenge
mehr Stück einer Ware kaufen kann als vorher, so wollen wir sagen,
die Kaufstärke des Geldes gegenüber dieser Ware ist gestiegen. Der
übliche Ausdruck Kaufkraft bezieht sich im allgemeinen auf das Verhalten des
Geldes der Warengesamtheit gegenüber.
ln der gegenwärtigen Kriegswirtschaft begegnen wir der Naturalwirtschaft
an mehr als einer Stelle. Vor allem zeigt sie sich auf dem Gebiete des
Tauschhandels, im Großverkehr ebenso wie im Kleinverkehr. Man erhält
für einzelne Zigarren Mehl, für Waggons Kohle unter Umständen Waggons
Sauerkraut. Die Preisbildung findet dabei meist in der Weise statt, daß Geldpreise
zugrunde gelegt werden, teils in der Weise, daß eine freie Preisbildung
erfolgt. Gelegentlich ist der Naturaltausch auch behördlich organisiert worden,
indem die Abgabe von Sperrartikeln, wie Petroleum, Zucker usw., an die Ablieferung
gewisser Mengen von Butter, Eiern und dergleichen mehr gebunden
wurde. Manche Waren nehmen insoferne eine bevorzugte Stellung ein, als
man für sie, so häufig für Tabak, in gewissen Gebieten mannigfache Dinge
erhalten kann.