Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Geldeinkommen  zu  erhöhen,  ohne  letztlich  die  Realeinkommen  wesentlich  beeinflussen ­
  zu  können.  Der  Einfluß  auf  die  Geldordnung  ist  eben  immer
nur  am  Rande  möglich,  während  der  Automatismus  des  Marktes  sein  Spiel
treibt,  unbekümmert  um  solche  Geldeinkommenserhöhungen.  Dies  kam  ja
im  ehernen  Lohngesetz  und  verwandten  Betrachtungen  deutlich  genug  zum
Ausdruck.
Wir  sehen  aber,  wie  solche  Eingriffe  auf  dem  Wege  der  Verwaltungswirtschaft ­
  mit  erheblichem  Erfolg  möglich  sind.
Die  Preisstaffelung  ist  ein  solcher  Eingriff,  der  darauf  beruht,  den
einheitlichen  Markt  zu  zerlegen  und  die  Kaufbreite  des  Geldes  auf  bestimmten
Gebieten  einzuschränken.  Das  Geld  des  reichen  Mannes  kann  das  Fleisch  des.
Armen  nicht  kaufen,  welches  weniger  kostet.  Dies  setzt  voraus,  daß  die  freie
Warenbewegung  aufgehoben  ist,  daß  die  Ware  vom  Armen  nicht  zum  Reichen
wandert.  Mit  diesen  und  ähnlichen  Bestimmungen,  die  sich  auf  die  Zuweisung
von  Kohle  an  Industriebetriebe  beziehen  mögen,  wobei  etwa  die  weniger  zahlungskräftige ­
  Industrie  reichlicher  und  billiger  Kohle  erhalten  kann,  wenn  dies
def  Verwaltungszentrale  gut  scheint,  wird  freilich  eine  ganze  Reihe  von  Begriffen ­
  erschüttert.  Der  Begriff  des  Volksvermögens  ebenso  wie  jener
des  Volkseinkommens  gerät  ins  Schwanken,  weil  es  keinen  einheitlichen
Preis  für  die  einzelnen  Dinge  mehr  gibt,  weder  für  denselben  Ort,  noch  für
denselben  Menschen.  Ohne  diese  Gedankengänge  weiter  zu  verfolgen,  sei
nun  die  Frage  gestellt,  wie  sich  dies  alles  innerhalb  der  Übergangswirtschaft
geltend  machen  kann.
Wenn  die  Übergangswirtschaft  eine  in  erheblichem  Ausmaße  planmäßige ­
  Verwaltungswirtschaft  aufweisen  wird,  dürfte  die  Verteilung  der  Waren
durch  die  Zentralstellen  in  erheblichem  Maße  beeinflußt  werden  ;  sie  werden
wohl  auch  den  Laderaum  der  Wasser-  und  Landtransportmittel  vergeben.  Da
die  Neigung  bestehen  dürfte,  die  Verpflegung  der  Bevölkerung  durch  monopolartige ­
  Gebilde  zu  sichern  und  vor  allem  vor  zu  starken  Schwankungen  zu
sichützen,  da  weiters  das  Bestreben  vorhanden  sein  dürfte,  Vorräte  aller  Art
sicherzustellen,  über  die  fallweise  verfügt  werden  kann,  so  liegt  die  Schaffung
einer  Groß  Vorrats  Wirtschaft  nach  Ansicht  mancher  nicht  mehr  ferne.
Eine  Großvorratswirtschaft  dürfte  sich  aber  nicht  nur  unter  dem  Gesichtspunkte ­
  der  Verteilung,  sondern  auch  unter  dem  der  Sparsamkeit  empfehlen.
Ein  zentraler  Vorrat  kann  wesentlich  kleiner  sein  als  die  Summe  zahlloser
kleiner  Vorräte  der  Einzelunternehmungen,  deren  Übermaß  uns  die  Führung
des  Weltkrieges  lange  Zeit  ermöglicht  hat.  Wir  können  wohl  annehmen,  daß
die  Neigung  bestehen  wird,  Baumwolle,  Getreide,  Metalle  aller  Art  und  vieles
andere,  soweit  diese  Dinge  nicht  sofort  verarbeitet  werden,  in  zentralen  Lagern
zu  vereinigen  und  im  Namen  des  Staates  oder  großer  Verbände  zu  verwalten.
Diese  Großvorräte  würden  nun  in  sehr  verschiedener  Weise  Verwendung
finden  können.  Einerseits  würden  sie  dazu  dienen,  Ansprüche  der  Industrie,  die
sich  aut  gewisse  Rohstoffe  erstrecken,  fallweise  zu  befriedigen,  anderseits  aber
auch  dazu,  Lebensmittel  bereitzustellen,  die  etwa  die  vermehrte  Arbeiterschaft
eines  Industriebezirkes  benötigen  wird.  Denn  wenn  auch  nach  einigen  Jahren
mit  einem  erhöhten  Bodenertrag  zu  rechnen  ist,  so  kann  doch  einige  Jahre
Mangel  herrschen.  Es  ist  aber  nicht  ausgeschlossen,  daß  selbst  nach  Überwindung ­
  dieses  Mangels  das  Getreidemonopol  eine  zentrale  Verteilung  voraussetzt. ­
  Wenn  eine  Bank  einer  Industrie  Kredit  gewährte,  müßte  sie,  damit  dieser
Kredit  verwertbar  ist,  in  vielen  Fällen  gleichzeitig  die  Zuweisung  von  Rohstoffen, ­
  Lebensmitteln  und  derlei  mehr  seitens  der  Zentralen  durchsetzen.  Die
Geldbewilligung  fiele  daher  mit  der  Anweisung  von  bestimmten ­
  Warengattungen  zusammen.  Geld  würde  den  Industriellen ­
  vielfach  ebensowenig  nützen,  wie  in  einem  System  von  Lebensmittelkarten ­
  einem  Geld  nützt,  wenn  man  keine  Karten  hat.
In  ähnlicher  Weise  würden  die  Großvorräte  auch  auf  dem  internationalen
Markte  sich  geltend  machen.  Durch  einige  Zeit  nach  dem  Kriege  wird  sicherlich,
vielleicht  aber  auch  noch  späterhin  mit  Ausfuhr-  und  Einfuhrverboten  hantiert
werden,  Kompensationsabmachungen  werden  in  Kraft  sein  ;  Baumwolle,  Kupfer,
Kalisalze,  Farbstoffe,  Getreide  und  manches  andere  wird  einen  beliebten  Gegen-
            
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