Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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stand  internationaler  Abmachungen  bilden.  In  den  Handelsverträgen  dürften
solche  Kompensationsabmachungen  einen  erheblichen  Raum  einnehmen  und  die
Bedeutung  der  Zollsätze  verringern  ;  es  ist  auch  anzunehmen,  daß  sie  bereits
in  den  Friedensabmachungen  auftreten  werden,  insbesondere  dort,  wo  sich
Staaten  gewisse  Rohstoffe  dauernd  sichern  wollen.  Stellt  man  sich  aber  die
Folgen  einer  solchen  Kompensationspolitik  vor,  so  sieht  man,  daß  die  Abgabe ­
  einer  Devise  einem  Importeur  wenig  nützt,  wenn  er  nicht  gleichzeitig ­
  das  Ergebnis  der  Kompensationsverhandlungen  in  Form  der  AusfuhrerlaubnisausdemfremdenStaat,der
  Einfuhrerlaubnis
nach  dem  eigenen  Staat,  die  aut  gewisse  Mengen  lautet,  zugewiesen
erhält.
Daß  das  Gold  künftig  entthront  werden  könne,  wird  von  manchen  ernstlich ­
  erwogen  ;  daß  es  sich  aber  vielleicht  sogar  um  eine  Beschränkung  des
Geldes  als  einer  Anweisung  auf  Waren  aller  Art  handeln  könne,  wird  nicht
im  selben  Ausmaß  in  den  Mittelpunkt  der  Betrachtung  gerückt.  Und  doch  ist
dies  wohl  das  Bedeutsamere.  Wir  stehen  möglicherweise  nicht  nur  vor  dem
Beginn  großer  Veränderungen,  sondern  bereits  mitten  in  ihnen  darin,  es  handelt
sich  vielleicht  nur  noch  darum,  dies  klar  zu  erkennen  und  dementsprechend
zu  handeln.  Die  Geldrechnung  würde  ja  durch  diese  Veränderungen  zunächst ­
  nicht  beeinträchtigt  werden  ;  es  würden  nur  Überweisungen  von  Geldeinheiten ­
  ohne  gleichzeitige  Überweisung  der  dazu  gehörigen  Warenmengen ­
  seltener  werden.  Vielleicht  führt  das  innerhalb  gewisser  Grenzen  sogar
dazu,  daß  die  Geldüberweisung  gar  nicht  gesondert  erfolgt,  sondern  daß  unmittelbar ­
  eine  Überweisung  von  Naturalien  oder  Anweisungen  auf  solche  stattfindet, ­
  die  aber  in  Geld  verrechnet  werden.  Die  Geldmenge  im  alten  Sinne
würde  dadurch  eingeschränkt  werden,  eine  Wirkung,  welche  insbesondere  für
den  Währungspolitiker  von  Bedeutung  werden  mag,  wenn  man  nämlich  daran
geht,  die  überkommene  Geldordnung  möglichst  schonend  der  neuen  Richtung
ain  zupassen.
Soweit  der  Übergang  zu  diesem  Zustand  im  Rahmen  der  Übergangswirtschaft ­
  stattfindet,  kann  dies  mit  einer  Verringerung  der  zirkulierenden ­
  Geldmenge  Hand  in  Hand  gehen,  worauf  viele  Währungspoliliker
Gewicht  legen  dürften.  Diese  Verringerung  ist  um  so  eher  möglich,  je  systematischer ­
  eine  eventuelle  Verbindung  zwischen  Kreditgewährung,  Devisenabgabe ­
  usw.  einerseits  und  der  Naturalienbewegung  anderseits  durchgeführt ­
  wird.  Wie  man  Geldzeichen  ersparen  kann,  zeigt  der  naturwirtschaftliche
Teil  der  Heereswirtschaft,  welche  als  eine  Art  Großnaturalwirtschaft  aufzufassen
ist.  Der  Soldat,  welcher  von  der  Armee  verpflegt  wird,  seine  Montur  faßt,
erhält  nicht,  wie  in  der  alten  Zeit,  eine  Geldsumme  ausbezahlt,  um  sich  dafür
bei  der  Armee  all  das  zu  kaufen,  sondern  es  wird  ihm  der  Bedarf  unmittelbar
zugewiesen  und  zum  Teil  nicht  einmal  geldmäßig  verrechnet.  Die  Monturmagazine ­
  führen  die  Montur  nach  Mengen,  welche  der  Abnützung  entsprechend
in  den  Büchern  in  natura  abgeschrieben  werden.  Würde  die  Armee  ihre  Umsätze ­
  ebenfalls  in  Geld  ausführen,  so  wäre  der  Geldbedarf  ein  noch  größerer,
ganz  gleich,  ob  es  sich  dabei  um  Noten  oder  Girogeld  handeln  sollte.  Umgekehrt ­
  können  wir  nun  Zusehen,  ob  wir  den  geldlosen,  nicht  nur  den  bargeldlosen ­
  Verkehr  —  zunächst  unter  Beibehaltung  der  Geldrechnung  —
auch  an  anderer  Stelle  einführen  könnten.
Das  Gesagte  genügt  wohl,  um  die  erforderliche  Fragestellung  ausreichend
zu  beleuchten.  Es  sei  aber  noch  darauf  hingewiesen,  daß  in  diesem  Rahmen  die
Einführung  der  Naturalsteuern  (vgl.  Herlt)  eine  sehr  ernsthaft  zu  erwägende ­
  Angelegenheit  wird,  zumal  dies  ein  Weg  wäre,  (die  Geldzirkulation  auf
dem  flachen  Lande  wesentlich  einzuschränken.  Dadurch  würde  eine  Reihe  von
Fragen  aufgerollt,  welche  insbesondere  mit  der  Abhängigkeit  handelsungewohnter ­
  Bauern  von  Geldgebern  in  Verbindung  stehen.  Im  internationalen  Verkehr ­
  würde  vielleicht  einmal  die  Entstehung  eines  internationalen  Warenclearings ­
  in  Frage  kommen.  Von  anderen  naturalwirtschaftlichen  Einrichtungen ­
  sei  etwa  noch  die  Möglichkeit  erwähnt,  Naturalanlei  he  n  aufzunehmen, ­
  deren  Rückzahlung  in  Naturalien  erfolgen  könnte,  die  möglicherweise ­
  anderer  Art  als  die  entliehenen  sein  könnten.  Auch  hier  würden  gewisse
            
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