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t e c h n ¡ k und Betriebstechnik zur Gesellschaftstechnik fort
geschritten.
Die Maschinentechnik hat sich entwickelt, ehe man auch nur die ersten
Anfänge der Arbeits- und Betriebstechnik entworfen hatte. Aber auch von
der anderen Seite her war manches geschehen; gesellschaftstechnische Frage
stellungen bewegten die Menschen in verschiedenartigster Form. Vor allem
waren es die Utopisten, die Gesellschaftsordnungen in der Weise kon
struierten, wie dilettantische Erfinder unsystematische Maschinen konstruierten.
Ein Plato, ein Campanella, ein Thomas Morus sind in gewissem Sinne Vor
läufer jener Gesellschaftstechniker, welche uns eine nicht allzu ferne
Zukunft schenken wird. Ihre Utopien sind von einem oft schrankenlosen
Rationalismus erfüllt. Bestimmte Wirkungen gesellschaftlicher Art werden durch
ganz bestimmte Einrichtungen angestrebt, wobei auf Sitte und Herkommen
wenig Gewicht gelegt wurde. In vielen dieser Utopien werden maschinen
technische Neuerungen neben gesellschaftstechnischen eingeführt und man merkt
deutlich, wie e i n Geist alles durchdringt. •
Die gleichzeitigen Wirkungen der erwähnten Techniken vermochten nur
Wenige mit einem Blick zu überschauen, zahllose Irrtümer rühren daher, auch
zahllose Leiden. Die Maschinentechniker wußten wenig oder nichts von den
gesellschaftstechnischen Problemen. Die Verkünder des modernen Maschinen
zeitalters schilderten die Wirkungen der Technik in den leuchtendsten Farben.
Man mußte in kürzester Zeit ein Paradies auf Erden erwarten. Häuser, Trans
portmittel, Kleider und vieles andere konnte mit geringstem Kraftaufwand
hergestellt werden. Und dennoch — die Zeit um die Wende des 18. und
des 19. Jahrhunderts brachte in dem industriell am weitesten vorgeschrittenen
England das entsetzlichste Elend. Die Lebenslage der Menschen erreichte
einen Tiefstand; achtzehnstündige Arbeitszeit war nichts Seltenes, kleine Kinder,
schwache Frauen, Greise verriditeten unter ungesunden Verhältnissen die aus
mergelnde Fabriksarbeit jener Tage; Arbeitslosigkeit, Wohnungselend war an
der Tagesordnung. Wie kam es zu solch fürchterlichen Erscheinungen?
Die überlieferte Lebensordnung besaß keine automatisch wirkende Ein
richtung, welche die Vorteile technischer Neuerungen gleichzeitig allen hätte
zuteil werden lassen. Eine Industrie führte eine Maschine ein, welche
20 Prozent Arbeit ersparte. Wurde nun etwa die Arbeitszeit aller Arbeiter
verkürzt? Nein, zunächst wurde gewöhnlich ein Fünftel der Arbeiter ent
lassen. Diese Entlassung von Arbeitern bedeutete nicht nur Brotlosigkeit für
die Entlassenen, sie gab auch dem Unternehmer die Möglichkeit, den Weiter
arbeitenden mit Entlassung zu drohen, wenn sie nicht zu ungünstigeren Be
dingungen als bisher arbeiten wollten, waren doch die Arbeitslosen bereit,
zu den niedrigsten Löhnen eine größere Anzahl Stunden als bisher Dienst zu
tun. Dazu kam inoch, daß in den handwerksmäßigen Betrieben vorwiegend
kräftige Leute verwendet worden waren, nun aber auch kleine Kinder und
schwache Frauen an den Maschinen sidi nützlich machen konnten. Wurde
dadurch das Leben von Tausenden gebrochen, was tat’s, den Unternehmern
standen neue Scharen zu Gebote. Was half es diesem leidenden Geschlecht,
wenn ihm als Trost verkündet wurde, die Verbilligung der Produktion durch
die Maschine werde schließlich wieder mehr Menschen als bisher beschäftigen,
das Elend und der Hunger seien nur „Übergangserscheinungen“. Oder wird
ein Gesellschaftstechniker solche Zerstörung des Menschentums in technischer
Hinsicht milder beurteilen, wenn er feststellen kann, daß die Unternehmer
gar nicht bösen Willens waren, sondern durch die Reingewinn-, Preis und
Lohnverhältnisse, durch die Konkurrenz und durch die Konjunktur — worunter
man alles zusammenfaßt, was als Erklärung gut genug ist, ohne im einzelnen
begriffen zu werden — zu ihrem Verhalten genötigt wurden? Wird dieser
Mangel dadurch kleiner, wenn man zeigt, daß einzelne Industriestaaten bes
sere Lebensbedingungen aufweisen als gewisse Agrarstaaten, gleichzeitig über
die Massenarbeitslosigkeit, die Unterernährung, das Gespenst der Krisen und De
pressionen, kurz die Sorge fortwährend die Welt bedrückt? Um die Bedeutung
der Maschinentechnik für die Lebenslage der Menschen voll würdigen zu können,
bedarf es eben der Einsicht in die gesellschaftstechnischen Zusammenhänge.