Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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daß  sie  ihm  ein  Konto  ohne  Einzahlung  seinerseits  eröffnen.  Dies  wirkt  ähnlich
wie  eine  Vermehrung  von  Papiergeld,  während  im  ersten  Fall  die  Menge  der  Inlandsumlaufmittel ­
  nicht  verändert  und  nur  für  den  Außenverkehr  Gold  entnommen ­
  würde.  Solange  der  Staat  nur  mäßige  Kredite  in  dieser  Weise  erhält,  ist
freilich  keine  starke  Veränderung  im  Zirkulationswesen  zu  erwarten.^^^)
Im  Moment  des  Kriegsausbruches  werden  zahlreiche  Kredite  gekündigt,
und  sowohl  Handel  als  auch  Industrie  suchen  sich  durch  Wechseldiskontierung
Geld  zu  beschaffen.  Die  Politik  der  Banken  kann  nun  sehr  verschieden  sein.  Sie
können  entweder  aus  Angst  für  ihren  Barschatz  die  Kreditgewährung  erschweren,
so  wurden  zu  Beginn  des  Russisch-Japanischen  Krieges  die  Beleihungsgrenzen
bei  Lombarddarlehen  in  Rußland  herabgesetzt,  sie  können  aber  auch  im  Interesse ­
  des  Landes  die  Kreditgewährung  erleichtern,  wie  dies  die  Russische
Reichsbank,  nachdem  die  Zeit  der  Panik  vorüber  war,  besonders  gegenüber
den  Privatbanken  getan  Tiat.^i®)  Eine  Einschränkung  der  Notenemission  muß
nicht  erfolgen.  Eine  Erhöhung  des  Diskontsatzes  wird  dabei  wohl  in  den
meisten  Fällen  stattfinden.  Der  hohe  Diskontsatz  hat  auch  einen  erhöhten  Depositenzinsfuß ­
  im  Lande  zur  Folge,  der  die  Panikreserven  wieder  herbeilockt.
Die  großen  Notenbanken  werden  in  Kriegszeiten  stärker  in  Anspruch  genommen,
weil  die  kleineren  Banken  aus  Angst  die  Kreditgewährung  im  allgemeinen  einschränken.i!^)
  Auch  muß  damit  gerechnet  werden,  daß  viele  kleinere  Banken
Wechsel  zur  Rediskontierung  zur  Zentralnotenbank  bringen.  Ob  es  immer
gelingen  dürfte,  die  Banken  zu  einem  der  Gesamtheit  wünschenswerten  Verhalten ­
  zu  bewegen,  erscheint  zweifelhaft.  Bei  weitgehenden  Derouten  wäre
schließlich  sogar  eine  staatliche  Zwangsverwaltung  sämtlicher  Geldinstitute  im
Kriegsfall  nicht  unbedingt  abzuweisen.  Denn  die  bloße  Forderung,  die  kleineren
Banken  sollten  sich  nidht  vom  Augenblick  leiten  lassen,  legt  schon  die  Frage
nahe,  was  zu  tun  sei,  wenn  sie  dazu  nicht  gewillt  sind.  Wie  weit  die  Giroguthaben ­
  der  Zentralnotenbanken  im  Kriegsfall  verringert  werden,  ist  strittig.^*)
Auslandguthaben  werden  sicher  in  großer  Zahl  gekündigt,  doch  dürften  sich
bei  vermehrter  Kreditgewährung  auch  viele  Guthaben  vergrößern.
Die  Kreditgewährung  wird  im  Kriegsfall  häufig  in  der  Weise  ermöglicht,
daß  eigene  Kriegsdarlehenskassen  errichtet  werden,  welche  Lombarddarlehen ­
  gewähren.  Sie  können  dafür  entweder  Staatspapiergeld  oder  eigene
Wertzeichen  emittieren,  deren  Deckung  statt  in  Edelmetall  und  kurzfristigen
Forderungen  in  den  Lombardpfändern  besteht,  ein  Vorgang,  den  die  Theoretiker ­
  des  XVIII.  Jahrhunderts  eingehender  als  die  der  Gegenwart  erörterten.
Wer  im  Besitz  von  Waren  ist,  kann  sich  aut  diese  Weise  Zahlungsmittel  verschaffen.ii^)
  Es  fehlt  ja  nicht  an  Gütern,  sondern  an  Zahlungsmitteln;  ja,  auf
vielen  Gebieten  herrscht  Überproduktion,  da  die  Güter  nicht  sofort  absetzbar
sind.  Es  sprechen  viele  Gründe  dafür,  solche  Darlehenskassen,  wie  sie  z.  B.
1848  und  1866  von  Preußen  und  1870  vom  Norddeutschen  Bund  errichtet
wurden,  nicht  in  direkte  Verbindung  mit  den  Emissionsbanken  zu  bringen.
Man  könnte  sie  ihnen  aber  ähnlich  angliedern,  wie  der  Österreichisch-ungarischen
Bank  ihr  Pfandbriefinstitut.
Gewöhnlich  wird  bei  erheblichen  Störungen,  insbesondere  infolge  von
Niederlagen,  ein  Wechselmoratorium  gewährt,  das  die  Deckung  der
Notenbanken  bedeutend  verschlechtert.  Sie  haben  freilich  um  diese  Zeit  wohl
meist  schon  die  Barzahlungen  eingestellt.
Alle  diese  Vorkehrungen  zusammengenommen  können  eine  Vermehrung
der  Zahlungsmittel  entsprechend  dem  Bedarf  ermöglichen.  Da  sie  gelegentlich
der  Kreditgewährung,  nicht  bei  Zahlungen  des  Staates  erfolgt,  werden  manche
Gefahren  des  Staatspapiergeldes  vermieden.  Es  kann  auf  diese  Weise  gelingen,
viele  Unternehmungen  vor  dem  Untergange  zu  bewahren.  Ist  es  schon  in  Frie-115)

  Struensee,  a.  a.  O.  1,  S.  418.
116)  K.  H  elf  f  rieh,  a.  a.  O.  S.  189.
111)  Vgl.  Ad.  Wagner,  System  d.  Zettelbanken.  S.  366.
118)  Vgl.  Ströll,  a.  a.  O.  S.  191.
118)  Vgl.  Ströll,  a.  a.  O.  S.  184.
            
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