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daß die Landwirtschaft dabei möglichst gewinnt. Es kann das Staalsganze ge
winnen, selbst wenn die Armee möglicherweise teurer einkaufen sollte als sonst.
Die Rentabilität an einer einzelnen Stelle des Gesellschaftskörpers tritt für viele
Politiker gegenüber jener des Gesamtwohles in den Hintergrund.
Wir sehen derartiges häufig im Staatsleben. Denken wir uns ein Eisen
bahnsystem. Eine wichtige Verbindungslinie soll vom Staat gebaut werden.
Es zeigt sich, daß dieselbe unrentabel ist, d. h. die aufgewendeten Geldsummen
werden durch die Einnahmen nicht entsprechend verzinst. Trotzdem kann diese
Linie für das Eisenbahnsystem im ganzen rentabel sein, weil die Gesamteinnahmen
aller Strecken zusammen durch die Schaffung dieser Verbindungslinie steigen.
Die Linie kann aber auch möglicherweise dazu beitragen, die Einnahmen des
Staates zu steigern, ohne die Einnahmen des Eisenbahnsystems zu erhöhen.
Es wäre ja möglich, daß durch die Schaffung dieser Linie zwar die Frachtein
nahmen nicht entsprechend wachsen, aber dennoch die an den Eisenbahnen
liegenden Industrien derart blühen, daß sich vermehrte Steuerergebnisse zeigen,
die zwar nicht vom Eisenbahnministerium, wohl aber vom Finanzministerium
ausgewiesen werden. Aber es sind noch immer wenigstens Mehreinnahmen des
Staates, welche die Verbindungsbahn erzeugt. Es kann aber der Fall ver
kommen, daß Politiker die Schaffung dieser Linie begrüßen, selbst wenn durch
dieselbe die Staatseinnahmen überhaupt nicht zunehmen, sondern nur
der Volkswohlstand, das Glück und das Wohlbefinden der Bürger
steigen.
Wenn wir das allgemeine Wohl als ein Ziel staatlicher Maßnahmen an
nehmen, können wir nicht ohne weiteres einer Formulierung zustimmen, die
wir in einem sonst sehr lesenswerten und anregenden Aufsatz Reeders an treffen.
„Es obliegt der militärischen Verpflegswirtschaft im Frieden die fiskalische Auf
gabe, bei allen Maßnahmen dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit volle Geltung
zu verschaffen. Also die Aufgabe, gute aber wohlfeile Ware anzukaufen und
den gesamten Betrieb unter dem Gesichtspunkte möglichster Ersparnis an Wirt
schaftsspesen aller Art zu organisieren, zu leiten, durchzuführen.“ Es kann sich
ja auf Grund allgemeiner Erwägungen als zweckmäßig erweisen, daß man die
Armee als einen selbständigen Körper auffaßt, der gewissermaßen als gewöhnlicher
Kaufmann auftritt. Es kann so unter Umständen das Gesamtwohl am meisten
gewinnen. Es ist aber auch möglich, daß nur die Berücksichtigung allgemein
staatlicher Gesichtspunkte diesen Erfolg sicherstellt. Ob das eine oder andere
anzustreben ist, kann nicht von vornherein entschieden werden,
es erfordert diese Entscheidung grundsätzliche Erwägungen von Fall zu Fall.
Allgemeine Gesichtspunkte kommen auch in Frage, wenn das Prinzip der
Zentralisation oder Dezentralisation erörtert wird. Auch in diesem Falle reichen
rein fiskalische Erwägungen keineswegs aus. Die Vorteile und Nachteile beider
Organisationstypen treten besonders im Kriegsfall zutage. Diejenigen, welche
im Kriegsfälle eine größere Zentralisation wünschen, werden auch im Friedensfall
für die Schaffung von Zentralisationskaders eintreten, während jene, die im Kriege
die Dezentralisation für nötig erachten, auch im Frieden analoge Maßnahmen
zu befürworten pflegen.
Schon in Friedenszeiten werden die rein fiskalischen Tendenzen
durch andere zurückgedrängt; noch stärker dürfte das in
Kriegszeiten der Fall sein. Die militärischen Ziele pflegen dann
alle anderen in den Hintergrund zu schieben, wenn auch die leitenden Politiker
immer bemüht sein dürften, die Ziele der Gesamtheit im Auge zu behalten. Es
gelingt freilich nie ganz, die Fülle der Probleme immer auf die obersten Ziele
hin zu orientieren, vieles geschieht durch die Bestrebungen einzelner Organe, die
zwar durch ihre Struktur der Gesamtheit angepaßt sind, aber in den
einzelnen Aktionen oft ein unabhängiges Dasein besitzen.
Die Frage, wann die Beschaffung der Güter durch Geld, wann jene durch
Verwaltungsmaßnahmen im Interesse des Staates vorzuziehen ist, wann Mischungen
beider, kann nicht allgemein beantwortet werden. Die Beschaffung auf
kommerziellem Wege hat immer den Vorteil voraus, daß sie
der Tradition entspricht und damit den zahllosen Einrich
tungen Und Gewohnheiten, die sich im Laufe von Jahrhun-