Full text : Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Ein  Staat  mag  für  den  Kriegsfall  Auslandsgeld  sparen,  es  ist  dagegen
sinnlos,  wenn  er  Inlandsgeld  spart,  da  es  jederzeit  gedruckt  werden  kann.  Hingegen ­
  vermehrt  der  Einzelne  seine  Ansprüche  auf  die  Gütergesamtheit,  wenn
er  Inlandsgeld  anhäuft.  Der  Geldvorrat  des  Staates  verhält  sich  gegenüber
den  Gütern  der  Menschheit  so,  wie  der  Vorrat  des  Individuums  an  Inlandsgeld ­
  zu  den  Gütern  der  Nation.  Wenn  wir  den  Weltkrieg  ins  Auge
fassen,  dessen  Wirkungen  auf  die  Gesellschaft  ich  immer  wieder  berühren
werde,  so  verliert  das  Ansammeln  von  Gold  seitens  des  Staates  erheblich  an
Bedeutung.  Der  Weltkrieg  ist  ja  unter  anderem  dadurch  charakterisiert,  daß
er  keine  neutralen  Staaten  kennt.  Wenn  ein  Staat  also  Waren  erwerben
will,  die  er  zur  Kriegsführung  benötigt,  so  kann  er  sich  nur  an  seine  Bundesgenossen ­
  wenden.  Die  Bundesgenossen  eines  Weltkrieges  dürften  aber  wohl
eine  geschlossene  Geldgemeinschaft  bilden.  Dafür  sprechen  auch  Erfahrungen
während  des  Balkankrieges.  Es  wurde  zwischen  Serbien  und  Bulgarien  eine
Konvention  abgeschlossen,  auf  Grund  deren  die  beiderseitigen  Geldsorten  gegenseitig ­
  anerkannt  wurden.  Diese  Abmachung  gestattete  den  Serben,  vor  Adrianopel ­
  serbisches  Zeichengeld  zu  verwenden  und  trug  dazu  bei,  den  Goldschatz
der  Nationalbank  Zu  schützen.  Bei  Fehlen  einer  Konvention  hätten  die  serbischen ­
  Truppen  in  erster  Reihe  mit  Goldfranken  ausgerüstet  werden  müssen.
Zwischen  Serbien  und  Bulgarien  war  eine  solche  Konvention  dadurch  erleichtert,
daß  beide  die  Frankenwährung  haben,  aber  das  Fehlen  einer  gemeinsamen
Währungseinheit  bildet  kein  sonderliches  Hindernis.  Bei  einer  Konvention
zwischen  Deutschland  und  Österreich-Ungarn  z.  B.  würde  die  Mark  wohl  einer
Krone  und  zwanzig  Heller  gleichgesetzt  werden.  Aber  nicht  nur  die  Zahlungen
der  Armee,  auch  alle  übrigen  Zahlungen  zwischen  eng  verbündeten  Staaten
dürften  im  Kriegsfall,  wenn  die  Kooperation  eine  sehr  weitgehende  ist,  in
ähnlicher  Weise  geregelt  werden.  Es  kann  auf  diese  Weise  der  Verkehr  im
Bereiche  der  verbündeten  Staaten  durch  Zeichengeld  erledigt  werden,  so
daß  im  Kriegsfall  unter  Umständen  sogar  eine  Verringerung  des  Goldverkehrs
eintreten  könnte.  Als  Zeichengeld  kommt  dabei  in  Frage:  die  minderwertige ­
  Münze,  die  ein  Metallzeichen,  die  Note,  die  ein  Papierzeichen,
und  das  Girogeld,  das  ein  Buchungszeichen  repräsentiert.
Wenn  wir  von  der  Emission  neuer  Geldmengen  sprechen,  handle  es  sich
nun  um  vollwertiges  Metallgeld,  um  metallisches,  notales  oder  gírales  Zeichengeld, ­
  so  müssen  wir  wenigstens  in  großen  Zügen  uns  ein  Bild  davon  zu  machen
suchen,  welche  Geldmenge  denn  notwendig  ist,  um  den  Umsatz  zu  sichern.
Nehmen  wir  zunächst  an,  eine  bestimmte  Preishöhe  habe  die  Tendenz,  zu  verharren, ­
  und  die  Geldzirkulation  suche  sich  den  Preisen  anzupassen.  Wir  sehen
dann  bald  ein,  daß  der  Umsatz  einer  bestimmten  Gütermenge  durch  verschieden ­
  große  Geldmengen  in  gleicher  Weise  erfolgen  kann,  wenn  die  zur
Verfügung  stehende  Zeit  beliebig  groß  werden  darf.  In  Tabelle  VII  ist  angenommen, ­
  daß  der  von  uns  untersuchte  Markt  drei  Personen  A,  B,  C  umfaßt,
von  denen  jede  eine  Ware  besitzt,  die  sie  um  100  Kronen  zu  verkaufen  bereit  ist.
Tabelle  VII.

Zirkulationszeit  des  Geldes

Personen  .

A

B

C

Waren  .  .

a

b

c

Preise  •  .

100

100

100

Fall  I.
Zirkulationszeit ­
  1

A

B

C

ti
t«

a,  100  K
b,  100  K

b,  100  K
c,  100  K

c,  100  K
a,  100  K
            
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