Full text : Die Arbeiterfrage

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da  wird  man  ganz  verrückt.  Es  klappert  und  wackelt  den  ganzen
Tag.  Die  Staubentwicklung  ist  groß,  weil  vom  Material  alles
Schlechte  sich  absondert.  Die  Luft  ist  gewöhnlich  so  schlecht,
daß,  wenn  man  den  Saal  betritt,  förmlich  zurückgestoßen  wird.“
Der  drückende  Zwang  atmosphärisch  bedingter  Sensibilität
zieht  sich  durch  einen  großen  Teil  der  Erhebungsformulare  der
Bergarbeiter.  Zu  den  physischen  Ermüdungserscheinungen  tritt
bei  diesem  Arbeitertyp  sehr  oft  noch  eine  ganz  ausgeprägte  seelische ­
  Verstimmung.  „Wir  Bergleute“,  schreibt  ein  Hauer,  „beschäftigen ­
  uns  viel  mit  der  Sterbetafel  in  der  Bergarbeiter^
zeitung.  Bei  mindestens  700/0  der  Dahingeschiedenen  lautet  der
Vermerk  immer:  Lungenschwindsucht.  Wenn  ich  diese  Tafel
durchlese,  krampft  sich  mir  jedesmal  das  Herz  zusammen,  und
ich  fühle  schon  den  mordenden  Bazillenbiß  in  meiner  Brust.“
Klagen  über  schwache  Augen  waren  ganz  besonders  zu  konstatieren. ­
  Durch  das  Flimmern  der  Benzinlampe,  durch  das  ewige
Flackern  des  kleinen  Lichtes  vor  den  Augen  wird  der  Augennerv
überanstrengt.  Dadurch  entsteht,  erst  unmerklich,  dann  immer
stärker  auftretend,  ein  Zittern  der  Pupille.  Der  damit  Behaftete
ist  unsicher  im  Griff,  faßt  oft  fußbreit  daneben.  Jedoch  nur  in
der  Grube  tritt  diese  Kalamität  in  die  Erscheinung,  über  Tage
nicht.  Charakteristisch  ist  die  Klage  der  Bergarbeiter  über  die
Nachtschicht.  Ein  Kohlenhauer  schreibt  darüber:  „Die  erbärmlichste ­
  Schicht,  die  der  Bergarbeiter  kennt,  ist  die  Nachtschicht.
Derjenige  Arbeiter,  der  in  den  verkehrsreichen  Straßen  wohnt,
wo  das  Wagengerassel,  die  Automobile,  die  Gemüsehändler,  die
Kinder  hin  und  her  schreien,  der  soll  abends  auch  noch  seine
Leistung  machen.  Es  ist  einfach  nicht  möglich.  Und  doch  muß
er  sie  machen,  sonst  ist  er  ein  faules  Luder  und  wird  auf  die
Straße  geworfen.“  „Sie  fragen  an,  ob  Unterschiede  in  Quantum,
Qualität  der  Leistung  an  den  verschiedenen  Perioden  des  Tages
sich  bemerkbar  machen.  —  Ja.  Wenn  ich  Morgenschicht  habe
und  meine  richtige  Nachtruhe  gehabt  habe,  so  werde  ich  immer
in  der  Lage  sein,  besser  arbeiten  zu  können.  Anders  verhält  es
sich  mit  der  Mittagsschicht.  Man  hat  vormittags  frei,  und  diese
freie  Zeit  benutzen  die  meisten  Bergleute  zu  häuslichen  Arbeiten.
Dann  kommt  er  ermattet  zur  Arbeit.“
Es  darf  mit  einigem  Recht  behauptet  werden,  daß  bei  den
Bergarbeitern  pathologische  Alterationen  des  Seelenlebens  die
            
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