Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

Erster Abschnitt. 
Wie sehr ein Teil der Oekonomen von dem der Warenwell 
anklebenden Fetischismus oder dem gegenständlichen Schein der 
gesellschaftlichen Arbeitsbestimmungen getäuscht wird, beweist 
unter anderm der langweilig abgeschmackte Zank über die Rolle 
der Natur in der Bildung des Tauschwertes. Da Tauschwert eine 
bestimmte gesellschaftliche Manier ist, die auf ein Ding verwandte 
Arbeit auszudrücken, kann er nicht mehr Naturstoff enthalten als 
atwa der Wechselkurs. 
Da die Warenform die allgemeinste und unentwickeltste Form 
der bürgerlichen Produktion ist, weswegen sie früh auftritt, obgleich 
nicht in derselben herrschenden, also charakteristischen Weise wie 
beutzutage, scheint ihr Fetischeharakter noch relativ leicht zu durch- 
schauen. Bei konkreteren Formen verschwindet selbst dieser 
Schein der Einfachheit. Woher die Illusionen des Monetarsystems? 
Es sah dem Gold und Silber nicht an, daß sie als Geld ein gesell- 
schaftliches Produktionsverhältnis darstellen, aber in der Form von 
Naturdingen mit sonderbar gesellschaftlichen Eigenschaften. Und 
die moderne Oekonomie, die vornehm auf das Monetarsystem herab- 
grinst, wird ihr Fetischismus nicht handgreiflich, sobald sie das 
Kapital behandelt? Seit wie lange ist die physiokratische Illusion 
verschwunden, daß die Grundrente aus der Erde wächst, nicht aus 
der Gesellschaft? 
Um jedoch nicht vorzugreifen, genüge hier noch ein Beispiel 
bezüglich der Warenform selbst. Könnten die Waren sprechen, so 
würden sie sagen, unser Gebrauchswert mag den Menschen inter- 
assieren. Er kommt uns nicht als Dingen zu. Was uns aber ding- 
ich zukommt, ist unser Wert. Unser eigener Verkehr als Waren- 
dinge beweist das. Wir beziehen uns nur als Tauschwerte auf- 
einander. Man höre nun, wie der Oekonom aus der Warenseele 
heraus spricht: „Wert (Tauschwert) ist Eigenschaft der Dinge, 
Reichtum (Gebrauchswert) des Menschen. Wert in diesem Sinn 
schließt notwendig Austausch ein, Reichtum nicht.“ „Reichtum 
geistigen Lebensprozeß überhaupt bedinge“ — alles dies sei zwar richtig 
für die heutige Welt, wo die materiellen Interessen, aber weder für das 
Mittelalter, wo der Katholizismus, noch für Athen und Rom, wo die Politik 
herrschte. Zunächst ist es befremdlich, daß jemand vorauszusetzen beliebt, 
diese weltbekannten Redensarten über Mittelalter und antike Welt seien 
‘rgend jemand unbekannt geblieben. So viel ist klar, daß das Mittelalter 
nicht vom Katholizismus und die antike Welt nicht von der Politik leben 
konnte. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben gewannen, erklärt umgekehrt, 
warum dort die Politik, hier der Katholizismus die Hauptrolle spielte. Es 
gehört übrigens wenig Bekanntschaft zum Beispiel mit der Geschichte der 
römischen Republik dazu, um zu wissen, daß die Geschichte des Grundeigen- 
tums ihre Geheimgeschichte bildet. Anderseits hat schon Don Quixote den 
{rrtum gebüßt, daß er die fahrende Ritterschaft mit allen ökonomischen 
Formen der Gesellschaft gleich verträglich wähnte. 
4 „Observations on some verbal disputes in Political Economy, partieu- 
larly relating to value and. to supply and demand. London 1821“, p. 16.
	        
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