Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

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dukte absetzten, sondern auch von den Wanderhandwerkern be 
dient, wie von Zimmerleuten, Walkern, Steinhauern, die in der 
Wirtschaft des Auftraggebers arbeiteten. Infolge der geringen 
Bevölkerungsdichte und der Verschiedenheit der Natur Verhält 
nisse entwickelte sich schon sehr früh ein Austausch unter den 
einzelnen Gebieten. Deshalb finden wir in Rußland auch keine 
so dauerhafte und typische Entwicklung des Gewerbes und der 
Rayon Wirtschaft wie in Westeuropa. Dagegen tritt in Rußland 
sehr früh das Handelskapital auf. 
Infolge der geringen Bevölkerungsdichte mußten manche 
Handwerker entweder selbst von Ort zu Ort wandern, um 
sich Kunden zu suchen oder ihre Erzeugnisse an Kaufleute 
abgeben. Viele jedoch wohnten auch in Rußland in den Gebiets 
bezirken und arbeiteten für ihre Nachbarn, wie das schon aus 
dem Gesetzbuche von Alexis Michailowitsch hervorgeht.*) 
Sogar in so großen Staaten des Mittelalters wie England 
wurde „das Wort Fremdling (foreigner) für sämtliche Nicht 
bürger, gleichviel ob Engländer oder Ausländer, angewandt, und 
es ist zuweilen nicht zu entscheiden, ob diese oder jene damit 
gemeint sind. Zweifellos machte sich stets eine gewiße Emp 
findung des nationalen Gegensatzes geltend; doch ist es klar, daß 
fremde Kaufleute weniger als „Ausländer“ behindert und über 
wacht wurden, als vielmehr darum, weil sie der Bürgerschaft der 
von ihnen besuchten Stadt nicht angehörten.**) 
Die Briefe des Bürgermeisters und der Stadtbehörde von 
London während der Jahre 1350—1370 veranschaulichen, daß 
die städtischen Behörden alle aus anderen Städten kommenden 
Kaufleute, ob Engländer oder Ausländer, in gleicher Weise be 
handelten. Mit anderen Worten: der wirtschaftliche Zusammen 
hang unter einzelnen Städten und Gebieten war ebenso schwach, 
wie der unter einzelnen Staaten. 
Die Kundenproduktion und die Arbeit für den einheimischen 
*) W. Sergejewitsch, Vorträge und Untersuchungen (russisch) 1883, 
S. 660. 
**) W. J. Ashley, Englische Wirtschaftsgeschichte. Leipzig, 1906. 
L Teil, S. 107—108.
	        
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