— 122 —
dukte absetzten, sondern auch von den Wanderhandwerkern be
dient, wie von Zimmerleuten, Walkern, Steinhauern, die in der
Wirtschaft des Auftraggebers arbeiteten. Infolge der geringen
Bevölkerungsdichte und der Verschiedenheit der Natur Verhält
nisse entwickelte sich schon sehr früh ein Austausch unter den
einzelnen Gebieten. Deshalb finden wir in Rußland auch keine
so dauerhafte und typische Entwicklung des Gewerbes und der
Rayon Wirtschaft wie in Westeuropa. Dagegen tritt in Rußland
sehr früh das Handelskapital auf.
Infolge der geringen Bevölkerungsdichte mußten manche
Handwerker entweder selbst von Ort zu Ort wandern, um
sich Kunden zu suchen oder ihre Erzeugnisse an Kaufleute
abgeben. Viele jedoch wohnten auch in Rußland in den Gebiets
bezirken und arbeiteten für ihre Nachbarn, wie das schon aus
dem Gesetzbuche von Alexis Michailowitsch hervorgeht.*)
Sogar in so großen Staaten des Mittelalters wie England
wurde „das Wort Fremdling (foreigner) für sämtliche Nicht
bürger, gleichviel ob Engländer oder Ausländer, angewandt, und
es ist zuweilen nicht zu entscheiden, ob diese oder jene damit
gemeint sind. Zweifellos machte sich stets eine gewiße Emp
findung des nationalen Gegensatzes geltend; doch ist es klar, daß
fremde Kaufleute weniger als „Ausländer“ behindert und über
wacht wurden, als vielmehr darum, weil sie der Bürgerschaft der
von ihnen besuchten Stadt nicht angehörten.**)
Die Briefe des Bürgermeisters und der Stadtbehörde von
London während der Jahre 1350—1370 veranschaulichen, daß
die städtischen Behörden alle aus anderen Städten kommenden
Kaufleute, ob Engländer oder Ausländer, in gleicher Weise be
handelten. Mit anderen Worten: der wirtschaftliche Zusammen
hang unter einzelnen Städten und Gebieten war ebenso schwach,
wie der unter einzelnen Staaten.
Die Kundenproduktion und die Arbeit für den einheimischen
*) W. Sergejewitsch, Vorträge und Untersuchungen (russisch) 1883,
S. 660.
**) W. J. Ashley, Englische Wirtschaftsgeschichte. Leipzig, 1906.
L Teil, S. 107—108.