Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

276 
Heu die Arbeit dann am produktivsten, wenn sie nur im Gras 
mähen und Einfahren, und zur Gewinnung von Getreide, wenn sie 
bloß in zweimaligem Pflügen und Eggen besteht. Bei Wurzel 
frucht-, Reben- und Tabakkultur ist ein hoher ursprünglicher 
Arbeitsaufwand notwendig, wobei die weiteren Aufwände wenig 
produktiv sind. Dieses trifft sowohl für die Rebenkultur in den 
Vereinigten Staaten von Nordamerika als auch für die der Rhein 
gegenden zu. Selbstverständlich ist die Rebenkultur in den Rhein 
gegenden und in Frankreich eine intensivere als in Amerika, aber 
die weiteren Kapitalaufwände sind im Verhältnis zu den früheren 
gering: die Anpflanzung, das Stutzen usw. erfordern bedeutende 
Arbeitsaufwände. Deshalb übt die Konkurrenz der neuen Länder 
in diesen Produkten keinen starken Druck auf die Produktion der 
dichtbevölkerten Gegenden aus. 
Das Bestehen einer extensiven Wirtschaft in dünn bevöl 
kerten Gegenden dient also als Beweis dafür, ' daß bei weiteren 
Aufwänden auf schon angebauten Grundstücken die Arbeitspro 
duktivität sinkt und daß nur in einzelnen Ausnahmefällen eine 
intensive Kultur aus natürlichen Gründen geboten ist. 
' V. 
Die Grundbesitzer können die intensive Bewirtschaftung des 
Bodens, das Erzielen von mehr Produkten aus einer Bodenfläche 
nicht verhindern. Die Pächter können in beliebiger Höhe Kapi 
talien aufwenden, aber der Grundbesitzer wird sich den Unter 
schied zwischen der Produktivität des ersten Kapitalaufwandes und 
der des weiteren aneignen. Wenn die Bevölkerung zur Bestellung 
minder produktiver Böden schreitet, geschieht das gleiche. Nehmen 
wir an, daß man beim ersten Kapitalaufwand von 10 Mk. 100 Kilo 
Getreide erhält. Wenn der folgende Kapitalaufwand von zehn 
Mark auf demselben oder auf einem ärmeren Boden nur 50 Kilo 
Getreide einbringt, so wird sich der Grundeigentümer diese Diffe 
renz aneignen, weil jeder Pächter offenbar den letzten Aufwand 
noch machen wird. Wenn es also bei dem Aufwand von zehn 
Mark vorteilhaft ist, 50 Kilo Getreide zu erhalten, so kann der 
Grundbesitzer von den ersten 100 Kilo 50 als Pachtgeld ver-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.