— 687 -
falls behauptet, Carnegie habe Scott und J. Edgar 'T'homp-
son, den Superintendanten der Pennsylvania-Bahn, ver-
anlaßt, mit ihm für 40 000 Dollar die Storey-Farm an der
Ölbucht in Pennsylvanien zu kaufen, wo Petroleum ge-
funden worden war. In der Folge hätten die Aktien der
Gesellschaft einen Gesamtwert von 5 Millionen Dollar
gehabt, und in einem Jahre hätte sich die Bardividende auf
mehr als ı Million Dollar belaufen: Diese Gesellschaft
produzierte freilich Öl und besaß eine Raffinerie zu Bayonne
in New-Jersey, aber ihre großen Profite scheint sie mehr mit
schwindelhaften Spekulationen als anderswie erzielt zu
haben. Nach einer Entscheidung des Kammergerichts von
Pennsylvanien vom Jahre 1865 mißbrauchten die Gründer
und Direktoren der Gesellschaft, die mit 10 000 Anteilen
gegründet worden war, das Kapital zu Spekulationen.
Einer der Aktionäre, Coleman, reichte Klage ein wegen
Unterschlagung seines Anteils, das Kammergericht von
Pennsylvanien wies seine Klage jedoch ab mit der Begrün-
dung, er habe selber an dem Schwindel teilgenommen.
Die Columbia-Ölgesellschaft ist lange als tote Gesellschaft
geführt worden.
Eine bezeichnende Geschichte über Carnegies Methoden
zu dieser Zeit wird uns von Bridge erzählt. Carnegie habe
sich unter vielen Freundschaftsbeteuerungen „gütigst herbei-
gelassen‘, an T’homas N. Miller einige Anteile det Columbia-
Ölgesellschaft „zum Selbstkostenpreis‘ zu verkaufen, und
zwar betrug dieser Selbstkostenpreis 6,37'/ Dollar pro An-
teil. Später glaubte Miller Grund zu der Meinung zu
haben, Carnegie habe ihn erheblich übers Ohr gehauen. Die
Gewißheit bekam er freilich erst viel später — 1896, als er
in den Besitz der alten Bücher der Columbia-Ölgesellschaft
gelangte und im Protokoll der Gesellschaft einen Bericht
darüber fand, daß Andrew Carnegie unter Protest der an-
dern Aktionäre die Anteile für je zwei Dollar gekauft hatte.
Diese drei Jahre des Bürgerkrieges — 1861 bis 1863 —
waren sicherlich einträgliche Zeiten für Andrew Carnegie.
Außer den bereits erwähnten Unternehmungen steckte er
tief in einer Anzahl anderer kapitalistischer Projekte. Dazu
gehörte der Plan einer Telegraphenlinie längs der Pennsyl-