Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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Die  Motive,  die  den  Menschen  veranlassen,  zu  arbeiten,
können  verschieden  sein;  das  Grundprinzip,  das  seine  Tätigkeit
reguliert,  bleibt  immer  dasselbe:  das  Streben  nach  Kraftersparnis,
das  Bestreben,  die  Arbeitskraft  am  zweckmäßigsten  anzuwenden.
Als  eines  der  Mittel,  Kraft  zu  ersparen,  erweist  sich  das
Werkzeug.  Es  ist  unmöglich,  sich  einen  Menschen  vorzustellen,
der,  im  Besitze  einer  Säge  oder  Axt,  einen  Baum  mit  einem  Messer
abhauen  würde.  Der  Trieb  nach  Kraftersparnis,  im  Kampfe  ums
Dasein  herausgebildet,  wurde  zu  einem  Instinkt,  der  auch  Tieren
eigen  ist.
Es  ist  auch  leicht  einzusehen,  daß  der  Tausch  von  Waren,
der  zwischen  einzelnen  isolierten  Wirtschaften  entsteht,  im  Grunde
genommen  ebenfalls  aus  dem  Bestreben  nach  Kraftersparnis  hervorgeht. ­
  Eine  isolierte  Wirtschaft  wird  ihre  Erzeugnisse  gegen
Produkte  einer  anderen  Wirtschaft  nur  dann  austauschen,  wenn
sie  zur  Erzeugung  dieser  Produkte  einen  größeren  Kraftaufwand
brauchen  würde,  als  zur  Produktion  der  Erzeugnisse,  die  sie  an
die  andere  Wirtschaft  veräußert.  Eine  Wirtschaft  wird  beispielsweise ­
  fünf  Doppelzentner  Getreide  gegen  einen  Pflug  Umtauschen,
wenn  die  Gewinnung  von  Getreide  ihr  etwa  fünf  Arbeitstage
kostet,  während  die  Herstellung  eines  Pfluges  bedeutend  mehr
Arbeitstage  in  Anspruch  genommen  hätte.  Würde  sie  einen
Pflug  mit  geringerem  Kraftaufwand  als  das  Getreide  hervorbringen ­
  können,  so  hätte  es  für  sie  keinen  Sinn,  Getreide  gegen
Pflug  auszutauschen.  Es  erhellt  daraus,  daß  zwischen  zwei  Wirtschaften ­
  ein  Austausch  von  Produkten  nur  dann  stattfinden
kann,  wenn  jede  die  Produkte,  die  sie  im  Austausch  erhält,  entweder ­
  überhaupt  nicht  produzieren  oder  nur  mit  größerem  Kraftaufwand ­
  produzieren  kann.  Der  Kraftaufwand  erweist  sich  somit ­
  als  das  Grundprinzip,  das  die  Beziehung  der  austauschenden
Wirtschaften  reguliert.
Folglich  ist  Streben  nach  Kraftersparnis  und  Entwickelung
der  Produktivkräfte  das  leitende  Prinzip  der  wirtschaftlichen
Tätigkeit  in  all  ihren  Formen  und  unter  allen  Verhältnissen. ­
  Dieses  Prinzip  äußert  sich  unter  verschiedenen
Verhältnissen  verschieden  und  führt  auch  zu  verschiedenen  Re-
            
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