Full text: Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

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Teil IL Korn-Giroverkehr. 
war\ auf die Gaue verteilt. Jeder Gau verteilte das Soll abermals auf 
die verschiedenen Gemeinden. Dabei stützte man sich auf die 
Feststellungen und Ergebnisse der Vorjahre 2, So war für den 
Bereich jedes Dorfes das Soll für jeden einzelnen Einnahmetitel 
festgelegt. Es hatte also z. B. das Dorf A für den Einnahmetitel 
„Kopfsteuer“ x Drachmen, für den Einnahmetitel „Gewerbesteuer“ 
j Drachmen aufzubringen. Einzelne Titel zerfielen wiederum in 
Untertitel. So ist z. B. das xGpwvdSiov Tepbimv^ ein Untertitel 
der Gewerbesteuer. 
Die Titelsummen und Untertitelsummen wurden innerhalb 
jeder Gemeinde auf die verschiedenen Gruppen der Steuer 
pflichtigen verteilt; man sagte also z. B.: die Mitglieder der 
Weberzunft des Dorfes A haben an xeipmvúHiov repbiiuv zusammen 
X Drachmen aufzubringen. Wurde die Webersteuer bezahlt, so 
sagte man: die Zahlung geschieht ónèp xeipiuvaEíou Yepbímv. 
Dieses 'urrép* zielt auf den Etatstitel hin. 
Die Zahl der Etats-Einnahmetitel war sehr groß, weil 
die Anzahl der direkt erhobenen Steuerarten sehr groß war. Je 
nachdem die staatlichen Bedürfnisse dauernd vorhanden waren 
oder nur für etliche Zeit vorübergehend bestanden, zerfallen 
die titelweise geordneten Konten in gewöhnliche und außer 
gewöhnliche Einnahmekonten, wie folgende Beispiele zeigen: 
Ostr. II 100: orrèp TipOç Kai òaTravpiiiaToç àvòpiávroç, ein 
außergewöhnliches Einnahmekonto zur 
Deckung der Unkosten für ein Standbild. 
Ostr. II 628: ÚTièp òiibpuYOç, ein gewöhnliches Einnahme 
konto zur Bestreitung der laufenden Kosten 
eines Kanals. 
Ostr. II 91: uirèp piaGoC TroTajiiocpuXaKÍÒoç, das gewöhn 
liche Einnahmekonto zur Beschaffung der 
Kosten für Unterhaltung des Flußwachtschiffes. 
Ostr. II 819: Onäp ßaXaviKoO, das gewöhnliche Einnahme 
konto für die Kosten zur Unterhaltung einer 
öffentlichen Badeanstalt. 
Überall ist, wie in dem oben (S. 159) angeführten Beispiele, hinter 
ÔTrép ein *Xótou’ hinzuzudenken, denn die Abgaben werden auf das 
‘ Wilcken, Ostraka I S. 504. 
* Wilcken, Festschr. für Hirschfeld S. 127. 
* P. Oxy. II 285, 6 (50 n. Chr.). Vgl. P. Teb. II 305 Einl. S. 96.
	        
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