Full text : Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

Abschn.  81.  Die  Vertragsurschriftenrolle  des  Notariates.

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Abschnitt  81.
Die  Vertragsurschriftenrolle  des  Notariates.
Von  jedem  beim  Notariate  aufgesetzten  Vertrage  behält  das
Notariat  eine  Urschrift  als  Dienstbeleg  zurück  (siehe  oben
S.  415).  Diese  Urschriften  sind  Vertragsausfertigungen,  die  ebenfalls ­
  die  eigenhändigen  Unterschriften  der  Vertragspartner
und  der  Notariatsdienststelle  aufweisen.  Sie  werden  Tag  für  Tag,
in  der  Reihenfolge,  wie  sie  entstehen,  aneinandergeklebt  und  verbleiben ­
  dauernd  bei  der  Notariatsdienststelle.  Die  so  entstehende
Rolle  ist  die  Vertragsurschriftenrolle  des  Notariates,  die
wahrscheinlich  monatlich  abgeschlossen  wurde,  sodaß  mit  jedem
neuen  Monate  eine  neue  Rolle  begann.
Die  in  der  Vertragsurschriftenrolle  enthaltenen  Verträge  sind
innerdienstliche  Papiere  des  Notariates.  Wie  jede  Behörde  über
ihre  dienstmäßigen  Handlungen  aktenmäßige  Unterlagen  für  ihre
Registratur  zurückbehält,  um  in  der  Lage  zu  sein,  jederzeit  auf
Erfordern  Rechenschaft  über  ihre  Diensthandlungen  ablegen  zu
können,  so  bedurfte  auch  das  Notariat  derartiger  Unterlagen;  um
diesen  Zweck  zu  erreichen,  war  es  das  einfachste,  von  jedem  im
Geschäftszimmer  des  Notariates  aufgesetzten  Vertrage  eine  volle
gleichlautende  Ausfertigung  für  das  Notariat  zurückzubehalten.  Diese
Vertragsausfertigungen  haben  als  Dienstpapiere  nur  für  das  Notariat, ­
  nicht  auch  für  die  Vertragspartner  Wert;  ihren  öffentlichrechtlichen
  Wert  erlangen  die  Notariats  Verträge  allein  durch
Verbuchung  im  Besitzamte.
Eine  Vertragsurschriftenrolle  besitzen  wir  in  P.  Lond.  IH
S.  156  ff.  Nr.  1164  (212  n.  Ohr.).  Das  Notariat,  dem  sie  entstammt,
ist  ein  Girobanknotariat,  und  zwar  das  Notariat  der  xppiaa-TiffTiKH
  TpÚTreía  eines  gewissen  Anubion  in  Antinoupolis.  Die  Rolle
enthält  die  Verträge  für  den  Monat  Pharmuthi,  zehn  an  der  Zahl,
die  am  [?],  4.,  [?],  9.,  12.,  13.,  16.,  20.,  23.  und  29.  Pharmuthi  aufgesetzt ­
  worden  sind.  Das  wäre  für  die  Bank  des  Anubion  durchschnittlich ­
  für  jeden  dritten  Tag  ein  Vertrag.  Jeder  Vertrag
bildet  selbstverständlich  in  der  Rolle  eine  Spalte  für  sich,  denn
er  ist  an  den  vorhergehenden  Vertrag  angeklebt  Um  das  ordnungsmäßig ­
  ausführen  zu  können,  muß  die  Abmessung  jedes  Blattes
wenigstens  in  der  Höhe  die  nämliche  sein.  Oberhalb  jedes  Blattes
(Vertrages)  steht  eine  kurze  Inhaltsangabe,  z.  B.  *iß.  leppvou
Preisigke,  Girowesen  im  griech.  Ägypten.  27
            
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