Full text: Girowesen im griechischen Ägypten, enthaltend Korngiro, Geldgiro, Girobanknotariat mit Einschluss des Archivwesens

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Teil IV. Girobanknotariat. 
ein Dienstpapier des Besitzanites. Die dTTOTpaq)n ist ein An 
schreiben an das Besitzamt, und durch Entgegennahme dieses An 
schreibens übernimmt das Besitzamt die vorgeschriebenen dienstlichen 
Verpflichtungen. Daraus folgt, daß dieses Dienstpapier dauernd 
im Besitzamte verbleibt, und zwar auch dann, wenn die zugehörige 
Privaturkunde aus dem Besitzamte zurückgezogen wird (Abschn. 96). 
Um bei drohendem Gerichtsverfahren einen Tatbestand zu 
verdunkeln, könnte jemand versucht sein, die Papiere über seinen 
vermeldeten Besitz rechtzeitig zurückzuziehen und bei Seite zu 
bringen ; da aber die zugehörige àíroTpacpií nicht ebenfalls zurück 
gezogen werden kann, und da die diTOTpaqpii den Inhalt des Ver 
trages jedesmal genau angibt, so bildet die duoTpacpfi des Melders 
allezeit den nicht wegzuschaffenden Nachweis des Tatbestandes. 
In der Bestandsliste des Besitzamtes nimmt jeder Besitzer 
mindestens eine besondere Spalte ein; größere Besitzer bedürfen 
deren wohl mehrere. BGU. 1072 (um 128 n. Chr.)^ enthält zwei 
Spalten; die erste dient für Zavcrveóç, die zweite für Ze|Lie[eúç]; 
dieser Papyrus ist also das Stück einer Z-RoUe der Bestandsliste 
für eine nicht erkennbare Ortschaft. Da das Ordnen von Namen 
nach dem Alphabete im Altertume nur unter Berücksichtigung 
des ersten Buchstabens geschah^, so braucht Zavcrveóç, weil in 
seinem Namen auf das Z ein a folgt, nicht etwa in den ersten 
Spalten der Z-Rolle gestanden zu haben ; tatsächlich steht auch über 
der Spalte 1 des Papyrus die Seitenzahl 30. Die ersten 29 Spalten 
sind uns nicht erhalten, ebenso fehlen die Spalten 32 und folgende. 
Wenn ein Besitzer oft neuen Besitz hinzuerwarb und anderes 
verkaufte, reichte der ursprünglich für die Berichtigungen und 
Nachträge vorgesehene Raum in der Bestandsliste nicht immer aus; 
alsdann benutzte der Beamte für die Zusätze alle freien Ecken und 
sogar die Seitenränder, indem er dort quer schrieb. Ein solches 
buntes Bild bietet uns P. Oxy. II 274 (um 95 n. Ohr.); dieser 
Papyrus 3 ist ebenfalls eine Spalte aus einer Bestandsliste, er ent 
hält Einträge von sieben verschiedenen Händen*. Unter den 
» Mitteis, Zeitschr. der Sav. Stift. 28 (1907) S. 388; Wilcken, Archiv IV 
S. 563 ; Eger, Zum ägypt. Grundbuchwesen S. 166 f. 
* vgl. P. Straßb. I S. 103. 
* vgl. die Erläuterungen dieses Papyrus bei Eger, Zum ägypt. Grund 
buchwesen S. 159 ff. 
^ Ein ähnlicher Papyrus ist nach den Angaben der Herausgeber P. Oxy. 
II 360.
	        
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