Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

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weil  er  glaubte,  die  Macht  seiner  Soldaten  gäbe
ihm  ein  Recht  dazu.  Die  Regierung  fürchtet
die  Macht  des  organisierten  Proletariats  und
opfert  den  Mittelstand.  Zur  Bekämpfung
des  Proletariats  stehen  ihr  gesetzlich  finanzielle
Mittel  nicht  zur  Verfügung.  Sie  darf  sie  auch
nicht  fordern.  Deshalb  ist  oder  glaubte  sie  sich
gezwungen,  sich  auf  die  finanzielle  Hilfe  des
bereitwilligen  Grosskapitals  stützen  zu  können,
damit  dieses  Mittel  für  Propaganda  zur  Verfügung
stellt.  Hierdurch  ist  die  Freiheit  der  Regierung
geopfert,  sie  muss  so,  wie  das  Grosskapital  es
will.  Will  die  Regierung  aber  den  lebensfähigen
Mittelstand  wirklich  erhalten,  dann  muss  sie
gegen  die  Ueberspannung  des  Grosskapitals
Front  machen,  gegen  die  Grossbanken,  soweit  sie
sich  mit  der  Schaffung  von  Organisationen  befassen, ­
  die  dem  Mittelstand  den  Garaus  machen,
mit  aller  Energie  Stellung  nehmen.  Bei  dem
jetzigen  Abhängigkeitsverhältnis  kann  die
Regierung  es  aber  nicht  mehr,  ebenso  wie  viele
politische  Parteien  keine  Mittelstandspolitik  wirklich ­
  ernsthaft  treiben  können,  weil  das  Grosskapital
  die  finanzielle  Wahlhilfe  einfach  entziehen
würde.  Verlangen  wir  vor  allem  von  unserer
Regierung  eine  feste  wirtschaftspolitische  Definition ­
  des  Wortes  „Staatserhaltend",  damit  der
Mittelstand  hier  erst  einmal  klar  sieht.  Verlangen
wir  eine  Beseitigung  der  Institutionen,  Titel  und
Orden  käuflich  oder  durch  Gefälligkeiten
erwerben  zu  können,  und  setzen  wir  an  Stelle
dieser  Auszeichnungen  die  öffentliche  Wertschätzung ­
  des  Bürgerstolzes.  Stellen  wir
die  führenden  Köpfe  unseres  Grosskapitals  in
Industrie,  Handel  und  Bankwesen  vor  die  Aufgaben, ­
  ihre  Intelligenz  statt  nach  der  Richtung  der
Aufsaugung  und  Konzentration  auf  das  Ziel  einzustellen, ­
  organisatorische  Institutionen
für  den  Mittelstand  zu  schaffen,  Forschungsinstitute, ­
  Exportvereinigungen,  Mittelstandsbanken ­
  etc.,  und  versprechen  wir  diesen  Männern
hierfür  die  höchsten  öffentlichen  Ehrungen,
bauen  wir  ihnen  hierfür  Denkmäler,  denn
Eitelkeit  und  Ehrgeiz,  das  Verlangen  nach  Ruhm,

sind  nun  einmal  Faktoren,  die  das  Schaffen  gewaltig ­
  anzuregen  vermögen.  Verlangen  wir  aber
vor  allem  Depositenkassen  auf  genossenschaftlicher ­
  oder  kommunaler  Basis  mit  der  Verpflichtung, ­
  die  Depositengelder  ausschliesslich ­
  für  den  Mittelstand  nutzbar  zu  machen,
oder  wandeln  wir  diese  oder  jene  Grossbank  in
Mittelstandsbanken  um.  Das  Mittelstandsproblem
ist  ein  Problem  der  finanziellen  Organisation  und
die  Lösung  einer  ethischen  Aufgabe.
Solange  nicht  die  sittliche  Treue,  die  ehrliche
Arbeit  ihre  Anerkennung  findet,  sondern  mit
Geld,  ohne  Rücksicht  auf  Herkunft  und  die
Leichen,  die  auf  dem  Wege  des  Erwerbes  durch
Rücksichtslosigkeit  gefallen  sind,  sich  jeder  durch
Auszeichnungen  abstempeln  lassen  kann,  die  Regierung ­
  sich  nicht  aus  der  Umklammerung  durch
das  Grosskapital  frei  macht,  solange  gibt  es  in
Wahrheit  keine  Mittelstandsarbeit.  Entweder ­
  legen  wir  mit  Wahrhaftigkeit  Hand  an
das  Mittelstandsproblem  und  retten  unsere  Freiheit, ­
  retten  uns  den  Boden  für  die  Entwicklung ­
  von  Persönlichkeiten,  oder  aber  wir
geben  es  auf  und  bekennen  uns  ehrlich  zum
Sozialismus,  zur  Einordnung  der  Menschheit
in  das  Kunstwerk  einer  nationalen  und  internationalen ­
  Riesenmaschine.  Hat  der  Mittelstand ­
  tatsächlich  nicht  die  Kraft,  den  Weg  zu
finden,  ist  der  Idealismus  für  unsere  Aufgaben
im  Erlöschen,  dann  räumen  wir  nur  ehrlich
unseren  Platz  den  jugendstarken  Kräften  des  sich
zum  Aufstieg  und  zum  Sieg  mit  beigeisterndem
Idealismus  organisierenden  Proletariats.
Der  Grossbetrieb  und  Staatsbetrieb  ist  eine
technische  und  wirtschaftiiche  Notwendigkeit
durch  unsere  Kulturentwicklung  geworden,  aber
bei  weitem  nicht  in  dem  Masse  und  in  der  Gestalt, ­
  wie  wir  die  Riesenbetriebe  als  Ergebnis  des
Erwerbswahnsinns  entstehen  sehen,  zufolge
der  ungehinderten,  einseitigen  Wirksamkeit,  die
die  zügellose  Macht  des  Geldes  und  Kapitals
heute  mit  Unterstützung  der  Regierung  ausüben
kann.
            
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