Full text: Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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Vorderindien, was die Union für Baumwolle ist. Auch ihre Zahlen 
reihen sprechen eine ernste Sprache. 1907, in welchem Jahr beide 
Städte die größten Einfuhrwerte aufweisen, hat Bremen noch nicht 
einmal den Stand erreicht, den Hamburg schon 1889 einnahm. 
Immerhin betrug die Mehreinfuhr Hamburgs im Jahre 1888 nur 
h 1 /^ Millionen Mark. Aber von 1888 bis 1907 betrug die absolute 
Zunahme des Einfuhrwertes bei Bremen 9, bei Hamburg 68 Millionen 
Mark. Wenn also auch, für sich allein betrachtet, wie dies meist 
zu geschehen pflegt, die bei Bremen zu verzeichnende Zunahme 
ein erfreuliches Aussehen zu haben scheint, so muß ein unbefangener, 
auch die Fortschritte der Konkurrenz berücksichtigender Beurteiler 
doch sagen, daß Bremen gegenüber Hamburg auch hier in einer 
überaus bedauerlichen Weise ins Hintertreffen geraten ist, daß 
sich sein scheinbarer Fortschritt wenn auch nicht als direkter 
Rückgang, so doch als eine unheilvolle Stagnation darstellt. 
An sich liegt kein Grund vor, daß sich nicht Bremen als 
bedeutendster Markt für Spinnstoffe einen großen Teil der Mehr 
einfuhr Hamburgs hätte sichern können. Seine Schiffsverbindungen 
mit Bombay und Calcutta standen und stehen den hamburgischen 
nichts nach. Zwar ist das Hauptgeschäft der Hansa, obwohl sie 
eine bremische Reederei ist, eben wegen des Frachtenmarktes 
gegenwärtig auf Hamburg gerichtet, aber wenn die bremischen 
Importeure von ihren Transportgelegenheiten mehr Gebrauch 
machten, würde die Reederei selbstredend auch Bremen häufiger 
anlaufen lassen. Die Bremer Indienhäuser sind solide und arbeiten 
mit genügendem Kapital. Bremen besitzt auch innerhalb der Grenzen 
seines Gebietes und unmittelbar vor seinen Toren (Hemelingen) 
eine blühende Juteverarbeitungsindustrie. Allerdings reizt der ideale 
Wasserweg der Elbe dazu an, die Verladungen nach Hamburg zu 
richten und die Ware von dort elbaufwärts bis nach Österreich 
hinein, bis zur tarifarischen Einflußsphäre des eisenbahnbegünstigten 
Triest weiter zu verfrachten. Aber so schlecht ist Bremens Lage 
denn doch nicht, daß es nicht sehr viel mehr hätte einführen 
können als es tat und tut, wenn es die nötigen Anstrengungen 
gemacht hätte. Hat es doch, allen widrigen Verhältnissen zum 
Trotz, auch andere große Stapelartikel heranziehen können! Speziell 
bei Jute wäre dies auch möglich gewesen. Die binnenländischen 
Fabrikanten scheinen sogar zeitweise eine Vorliebe für den Bezug 
über Bremen gehabt zu haben. Wenigstens äußert sich die Handels 
kammer in ihrem Bericht für 1879 auf S. 19 gelegentlich der 
Erwähnung des Umstandes, daß die nordchinesische Jute minder
	        
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