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der Reichsregierung. — Bekanntlich weigerten sich Hamburg"
und Bremen anfänglich, dem deutschen Zollverein beizutreten, da
sie dadurch Nachteile für ihren Handel befürchteten. Nachdem
Bismarck zuerst Hamburgs Widerstand gebrochen hatte, mußte
auch Bremen seine ablehnende Haltung auf geben. Während es
aber Hamburg gelang für sich auszubedingen, daß innerhalb seines
Freihafengebietes von Zöllen und Zollaufsicht befreite Fabriken
zur Veredelung eingeführter zollpflichtiger Waren errichtet werden
durften, war es Bremen trotz vieler Bemühungen nicht möglich,
beim Bundesrat die gleiche Vergünstigung durchzudrücken. Die
Folge war, daß sich u. a. eine starke Reisbe- und Verarbeitungs
industrie im Hamburger Zollausschußbezirk entwickelte, die, weil
zolltarifarisch begünstigt, den Bremer im Zollinlande belegenen
Fabriken einen großen Teil ihres Geschäfts wegnehmen konnte.
Die den Bremer Mühlen gewährten Ausbeutesätze sind zu gering
— ja ungenügend in solchem Maße, daß sie sogar gegen die öster
reichischen Mühlen (billiger Wasserweg von Aussig ab die Elbe
herunter!) im Nachteil sind.
Diese Schädigung eines Gemeinwesens, das sowieso unter den
schwersten finanziellen Opfern um seine Existenz ringen muß, zu
gunsten eines ungleich kräftigeren Platzes konnte nicht von vorn
herein beabsichtigt sein. Daß sie aber tatsächlich eingetreten ist,
ist unbestreitbar und kann genau nachgewiesen und von den maß
gebenden Stellen nachgeprüft werden. Die wiederholt geäußerte
dringende Bitte Bremens, in dieser Beziehung mit der Nachbar
stadt gleichgestellt zu werden, scheint deshalb nicht unbillig. An
der Schwächung Bremens kann die Reichsregierung kein Interesse
haben. Sie muß vielmehr wünschen, seine Konkurrenz- und
Widerstandskraft schon deshalb zu steigern, weil sie sich auf nur
einen Hafen, und sei er noch so bedeutend, nicht stützen darf.
Sonst ist im Falle seiner aus irgend einem Grunde erfolgten
Schließung (Choleraepidemie in Hamburg!) der Schade für die
Allgemeinheit zu groß. Es muß gehofft werden, daß der Bundes
rat abermaligen Vorstellungen ein willigeres Ohr leiht (vergl. hier
zu Seite ii 6.)
Auch wenn man die oben erwähnten drei Hauptartikel außer
Betracht läßt, ist die übrige Einfuhr Bremens aus Ostindien nicht
annähernd im Vergleich zu derjenigen Hamburgs gewachsen. Bremens
Einfuhr, noch 1888 mit 7 1 / 2 Millionen Mk. die höchste bis dahin
erreichte hamburgische Einfuhrziffer weit übertreffend, hob sich
bis 1891 auf über 12 Millionen Mk., ist auf diesem Punkte aber