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mente vollzogen werden, wenn sie nicht vorher draußen auf der Wahl
statt zustande gekommen ist. Handelt es sich um ein parlamentari
sches Bündnis, so wird es aller Wahrscheinlichkeit nach das Ergebnis
eines unverhüllten Verhandelns um Stimmen sein, aus dem allerdings
eine verständige und moralische Kombination entstehen kann, wie es
in Frankreich der republikanische Block unter Waldeck-Rousseaus
Ministerpräsidentschaft war, das aber viel wahrscheinlicher zu einem
rein geschäftlichen Abkommen führen wird, wie es kürzlich der Fall in
Australien gewesen zu sein scheint, als die Arbeiterpartei Herrn Deakin
im Amte gehalten hat, und wie es dort zurzeit, wo ich dieses schreibe,
in der Deakin-Cook-Allianz existiert. Doch ob die Verbindung mora
lisch oder unmoralisch ist, ob sie sich aus nationalen oder persönlichen
Gründen gebildet hat, wird sie nur im Parlamente hergestellt, so wird
die hieraus entspringende Regierung nicht dasselbe Verhältnis von
Kind und Eltern zum Volke haben, wie es heute bei den Regierungen
der Fall ist. Das Volk wird dann die Regierung nicht an die Macht ge
bracht haben, und die Wähler, die für bedeutende Sektionen der Mini
steriellen gestimmt haben, werden für die Bildung des Kabinetts nicht
verantwortlich sein. Gruppen von Parlamentsmitgliedern werden dann
ohne die Sanktion des Volkes und vielleicht gegen den Willen des Lan
des Ministerien ins Leben rufen.
Soll das Volk die Regierung bestimmen, so muß es die Kombina
tionen, die das Kabinett konstituieren, gutheißen. Mit anderen Worten,
Regierungskombinationen sind worden Wahlen bekanntzumachen. Die
Wahlen haben sich um sie zu drehen, weil die öffentliche Meinung nur
unter solchen Umständen sich für sie erklären kann oder nicht .Mehr oder
weniger sind dann die verschiedenen Artikel des Programms einer Partei
durch das Band eines gemeinsamen Standpunktes oder einer gemein
samen Idee verbunden. Zwar kann der Handel mit Stimmen fortge
setzt werden, aber er wird immer auf Schwierigkeiten stoßen. Minori
täten, deren Solidarität sich nur auf beschränkte Interessen erstreckt,
werden sich gemäß dem Grade der Bedeutung, den sie diesen Inter
essen beilegen, spalten; dies ist dem Lande zum Vorteil, weil es der
partikularistischen Sonderbündelei bei den Wahlen wenig Einfluß ein
räumt. Soll das System der Regierung durch parlamentarische Er
örterung der staatlichen Willensakte Bestand haben, so muß das voll
ständige Programm der Majoritäten in erster Linie Gegenstand der