Full text: Sozialismus und Regierung

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alle Parteien verteilen, die Zusammensetzung der Volksvertretung 
käme folglich der Wirklichkeit viel näher. Sie würden für oder wider 
den entworfenen parlamentarischen Arbeitsplan stimmen, aber nicht 
für eine Frage demonstrieren, die in jenem Parlamente vielleicht nie 
mals zur Beratung käme. Einige von ihnen würden ausschließlich als 
Mäßigkeitsreformer wählen und damit ein für allemal bekräftigen, daß 
sie bereit wären, ein besonderes Programm mit Haut und Haar zu ver 
schlingen, wenn es nur Forderungen der Temperenzlerbewegung ent 
hielte. Ein Teil der Wählerschaft würde aber diese Art Ausübung der 
Wahl verwerfen, da er anderen Programmartikeln mehr Wichtigkeit bei 
mißt. Vertreter also, die unter dem Proportionalwahlsystem durch eine 
Kombination solcher Gruppen gewählt worden wären, w r ürden ihre An 
hänger, wenn sie das Budget, Fabrikgesetze und andere Vorlagen gut 
heißen, bei weitem nicht so gut vertreten wie die Abgeordneten, die 
heute auf Grund gemischter Programme ins Unterhaus gesandt wer 
den. Von zwei Dingen geschähe eins. Entweder müßten die Mäßig- 
keitsvereinler bald entdecken, daß die Verhältniswahl ihnen in Wirk 
lichkeit keine Vertretung gegeben hat; dann hätten sie sich mit den 
größeren politischen Kombinationen zu befreunden, wie sie es heute 
tun. Oder sie würden fortfahren, ihre eigenen Abgeordneten zu wählen; 
dann entspräche die Tätigkeit des Parlamentes dem Willen der Wähler 
weniger als heute. 
Die Gründe hierfür werden einem klar, wenn man die Funktion des 
Parlamentes und die Natur seiner gesetzgeberischen Kräfte näher un 
tersucht. Unter aristokratischem Regime ist das Parlament haupt 
sächlich eine administrative und vollziehende Gewalt, aber unter der 
Demokratie wird es seinem Wesen nach zu einer gesetzgebenden Kör 
perschaft. Das Parlament ist das Vollstreckungsorgan des Staats 
willens und sollte daher von diesem Gesichtspunkte aus beurteilt wer 
den. Die Legislative nur als einen Spiegel der nationalen Meinung auf 
zufassen, darin liegt das Mißverständnis, das wieder eine Reihe anderer 
Irrtümer der Proportionalisten involviert. Das Parlament ist mehr als 
ein Reflektor, es ist ein tätiges Organ zur wirksamen Ausführung des 
Staatswillens. Wertmesser für die Vollständigkeit der Vertretung ist 
das Parlament nicht nach seiner ruhenden Seite, sondern in seiner tä 
tigen, schaffenden Bewegung. Mit anderen Worten, nicht an die Vor 
stellungen der 670 Männer, die heute im Haus der Gemeinen sitzen,
	        
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