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der Tatsache schließen, daß die Parteien heute in ihrer realen Tätigkeit
weit von ihrem idealen Werte entfernt sind und oft das schimpfliche
Epitheton „Faktion" verdienen. Doch bergen sie in der Regel
auch ideale Impulse, und was uns obliegt, ist nicht, die Parteien
wegen ihrer Mängel zu zerstören, sondern ihre besseren Äußerungen
zu verstärken.
Die Entwicklung, die die britische Politik jüngst durchgemacht hat,
hat zu der Ventilation der Frage geführt, wieviel Parteien wohl erfolgreich
nebeneinander im Staate existieren können. Bis zu einem hohen
Grade hängt dies offenbar von den Umständen ab. Sind politische
Fragen gut geklärt, so genügen natürlich zwei Parteien, obgleich eingewandt
werden kann, daß zwei Parteien die verschiedenen Bestandteile
— hauptsächlich die Ideen und die Interessen —, aus denen die
gegenüberliegenden Heerlager sich zusammensetzen, selbst unter den
denkbar günstigsten Verhältnissen viel zu sehr vereinfachen, schabionisieren,
und daß das Gruppensystem die Volksmeinung getreuer verträte
1 . Hiermit stimme ich jedoch nicht überein. Meistens können die
Ziele der Fortschrittspartei und die Forderungen der Partei des Status
quo in klarer und allgemeinerWeise formuliert werden. Außerdem müssen
Parteien stets Meinungsschattierungen enthalten, die sich jedoch
um ein Parteizentrum gruppieren. Eine Partei ist eine Organisation von
Gruppen, die in ihr im ganzen eine kongenialere Waffengemeinschaft
finden als in einer anderen Kombination und in ihrem Rahmen eine
größere Wirksamkeit entfalten können, als wenn sie ihr nicht angegliedert
wären. Die Farbenabtönungen bewahren die Partei vor dem
Stillstand und der Sprödigkeit; denn das Gleichgewicht der in ihr vertretenen
Meinungen verschiebt sich immer wieder.
Werden j edoch die politischen Probleme durch das Ausleben der alten
Ideen verwirrt, so neigen die Parteien zur Zersplitterung und zur Auflösung
in eine Serie von Gruppen, die sich von der äußersten Linken
bis zur extremsten Rechten kettenförmig gliedern. Auch entsteht gewöhnlich
eine neue und unabhängige Partei, wenn eine neue erobernde
Idee, wie der Sozialismus, auftaucht, oder wenn eine Parteiorganisation
von einem ihrer äußersten Flügel aus anderen als politischen Gründen
beherrscht wird, wie die Whigs die Politik des Liberalismus in seiner
1 Siehe Kapitel III, Abt. 4. Irland bildet einen unserem gegenwärtigen politischen
Zustand entsprechenden Spezialfall.