Full text : Sozialismus und Regierung

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Als  die  Unabhängige  Arbeiterpartei  (Independent  Labour  Party)
und  später  die  Arbeiterpartei  (Labour  Party)  entstanden 1 ,  hatten  sie
ihre  ersten  Scharmützel  mit  den  „Caucussen“  der  anderen  Parteien  auszufechten, ­
  aber  bald  haben  sie  sich  ihr  eigenes  Nominationsorgan  geschaffen. ­
  Heute  hat  die  Arbeiterpartei  die  durchgebildetste  und  gleichzeitig ­
  die  demokratischste  Form  der  Kandidatenernennung.  Jede  Gewerkschaft ­
  oder  sozialistische  Organisation  eines  Wahlkreises  kann  die
Einberufung  einer  Konferenz  fordern,  auf  der  alle  Gewerkvereine  und
sozialistischen  Gruppen  des  Wahlkreises  vertreten  sind,  um  gemeinsam
darüber  zu  beraten,  ob  eine  Arbeiterkandidatur  unterstützt  werden  soll
oder  nicht.  Wird  ihre  Begünstigung  beschlossen,  so  ergeht  an  sämtliche
der  Partei  affiliierten  Organisationen  der  Ruf,  geeignete  Kandidaten
vorzuschlagen.  Eine  besondere  Konferenz  wird  dann  abgehalten,  um  die
Auswahl  vorzunehmen;  manchmal  erfolgt  die  endgültige  Auswahl  sogar ­
  durch  Urabstimmung  aller  Mitglieder  des  Wahlkreises.  Für  politische ­
  Agenten  ist  es  sehr  schwer,  diesen  Nominationsmechanismus
in  ihre  Gewalt  zu  bringen,  obgleich  er  gegen  die  Angriffe  einer  streberhaften ­
  Tätigkeit  nicht  lückenlos  gepanzert  ist.  Er  ist  mit  einer
demokratischen  Macht  ausgerüstet,  worüber  die  Exekutivorgane  der
übrigen  politischen  Parteien  nicht  verfügen.  Die  Überlegenheit  des
„Caucus“  der  Arbeiterpartei  ist  unzweifelhaft  darauf  zurückzuführen,
daß  die  finanzielle  Grundlage  der  Partei  demokratisch  ist.  Da  die  anderen ­
  Parteien  hauptsächlich  von  den  Geldzuwendungen  wenigerLeute
abhängen,  deren  Einfluß  sich  natürlich  an  ihren  wertvollen  Diensten
mißt,  so  kann  der  „Caucus“  nicht  streng  im  Sinne  der  großen  Masse  der
Parteiangehörigen  handeln.  Wohl  mag  die  Parteidisziplin  dem  „Caucus' ­
  '  noch  eine  Zeitlang  die  nötige  Unterstützung  gewähren,  aber  früher
oder  später  wird  die  breite  Anhängerschaft  fragen,  weshalb  sie  Beschlüssen ­
  gehorchen  soll,  die  ohne  ihr  Mitwirken  gefaßt  werden.  Hiergegen ­
  ist  die  Arbeiterpartei  sorgfältig  geschützt.
Es  ergibt  sich  also  folgende  Situation.  Wenn  in  einer  Partei  eine  Ernennungsinstanz ­
  vorhanden  ist,  so  sollte  sie  von  der  Meinung  der
ganzen  Partei  streng  abhängig  sein.  In  die  Hände  einiger  Parteibeamten ­
  oder  reicher  Mitglieder  darf  sie  nicht  fallen.  Die  gewöhnliche  Par-1
  Ihren  ersten  politischen  Wahlkampf  hat  die  Unabhängige  Arbeiterpartei  im
Jahre  1892  in  West  Bradford  geführt,  obgleich  sie  sich  erst  das  folgende  Jahr  eine
nationale  Organisation  geschaffen  hat.  Die  Arbeiterpartei  hat  zuerst  bei  den  allgemeinen ­
  Wahlen  von  1900  eingegriffen.
            
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